"Papst soll Kirche reformieren statt Bücher schreiben"
Der Tübinger Theologe Hans Küng hat Papst Benedikt XVI. aufgefordert, besser Reformen in der Kirche anzupacken als Bücher zu schreiben.
Autor: RAIMUND WEIBLE CHRISTIANE HOYER |Kritisch hat der Tübinger Theologe und Präsident der Stiftung Weltethos, Hans Küng, die Herausgabe des Papst-Buchs "Jesus von Nazareth" kommentiert, dessen zweiter Band diese Woche erscheint. Aufgabe des Papstes sei nicht, die theologische Wissenschaft zu bereichern - sondern die Kirche zu leiten, sagte Küng im Interview mit dem "Schwäbischen Tagblatt". In seinem Werk setzt sich Benedikt XVI. mit der modernen Jesus-Deutung auseinander und kommt zum Schluss, der Christus des Glaubens sei der wahrheitsgemäße Reflex seiner historischen Wirklichkeit. Küng hat kein Verständnis für die Literatentätigkeit Joseph Ratzingers als Papst. Statt Bücher zu schreiben, solle er lieber die dringenden Reformen in der Kirche anpacken.
Auch seinen anderen früheren Professoren-Kollegen Walter Kasper kritisiert Küng. Kardinal Kasper, bis Sommer 2010 oberster Ökumeniker der katholischen Kirche, hatte das inzwischen auch von Küng unterschriebene Theologen-Memorandum angegriffen und gesagt, es führe zu nichts, wenn man eine "lähmende Dauerdiskussion" über den Zölibat führe, dem priesterlichen Eheverbot. Küng entgegnete süffisant, in der Tat sei das Zölibatsgesetz ausdiskutiert worden - mit dem Ergebnis, dass es sowohl der biblischen Botschaft wie den Menschenrechten widerspricht. Jetzt müsse es nur noch abgeschafft werden. Es wäre erfreulich, sagte Küng, wenn der Schwabe Kasper sich wieder an seine Tübinger Wurzeln erinnern würde und nicht als römischer Prälat Positionen rechtfertige, "die er im Hinblick auf den Notstand seiner eigenen Diözese gar nicht verteidigen kann". Vom Rottenburger Bischof Gebhard Fürst erwartet Küng ebenfalls ein deutlicheres Wort gegen den Zölibat.






