Ohne Tauchgang tief hinein in die Blauhöhle
Blaubeuren. Höhlenräume bei Blaubeuren, die bisher nur über eine 1250 Meter lange Tauchstrecke erreichbar waren, sind jetzt trockenen Fußes zugänglich.
Mit einem Großbohrgerät haben Fachleute nahe Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis) den Durchbruch geschafft: Der Bohrer fraß sich senkrecht 17 Meter durch den Fels, um dann auf den Gang "Stairway to Heaven" zu stoßen. Als erster seilte sich Andreas Kücha ab. Er ist stellvertretender Projektleiter der aus spezialisierten Höhlentauchern bestehenden "Arge Blautopf". Der 41-Jährige war im Februar 2008 auf den Gang gestoßen. Damals tauchte er wie schon oft zuvor vom Blautopf zum Mörikedom, einem 1985 vom Unterwasserhöhlenforscher Jochen Hasenmayer entdeckten Höhlensee. Von dort kletterte er hoch in einen geräumigen Gang. Bei einer weiteren Expedition hörten Kücha und zwei seiner Kollegen am Ende des 270 Meter langen "Stairway to Heaven" Motorgeräusche von Lastwagen, die auf der Bundesstraße 28 fuhren.
Eine Handbreit neben der Straße startete am Montag die Bohrung. Gestern wurde unter der Regie des Geologen Ulrich Hundhausen ein 17 Meter langes Rohr mit einem Durchmesser von 102 Zentimetern eingebaut. Innen ist ein Leiter befestigt. So ist es möglich, ohne Tauchgänge in die hinteren Abschnitte des kilometerlangen Blauhöhlensystems zu gelangen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Höhlenforschung ohne das Risiko des Höhlentauchens. Die Exklusivität ist freilich dahin. "Damit habe ich überhaupt kein Problem", sagt Taucher Kücha. Die Höhle sei so schön, dass sie auch andere sehen sollten.
Der Stadt Blaubeuren, der die Bohrung 70 000 Euro wert ist, geht es darum, die Möglichkeit einer touristischen Nutzung zu prüfen. Sie wird Gutachter in die Höhle schicken. Für die benachbarte Vetterhöhle, die ebenfalls zum Blauhöhlensystem zählt, gibt es bereits eine positiv klingende Studie. Für Bürgermeister Jörg Seibold würde eine Schauhöhle gut ins Konzept passen, denn Blaubeuren hat mit dem Blautopf, dem ehemaligen Kloster und dem Urgeschichtlichen Museum schon einige Attraktionen zu bieten. Der jetzt gebohrte Schacht, der gut verriegelt ist, wird nur für einen auserwählten Kreis von Forschern geöffnet. Alle anderen müssen sich gedulden.
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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 14.04.2010
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Nur drei Stunden lang bohrte die 100 Tonnen schwere Maschine neben der halbseitig gesperrten Bundesstraße 28. Dann war der 17,30 Meter tiefe Schacht zum Gang "Stairway to heaven", der zum Mörikedom führt, geschafft. Foto: Matthias Kessler
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