Ohne Arabisch geht nichts
Tübingen. Seit diesem Semester bildet das Zentrum für Islamische Theologie Imame und Religionslehrer aus und will auch den interreligiösen Dialog fördern. Die Studierendenschaft ist international und bunt gemischt.
Die Eröffnung des Islam-Zentrums: Das feiert die Universität Tübingen am Montag gebührend. Prominente Gäste haben sich angesagt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird ebenso kommen wie die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Grußworte sprechen auch der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, und Professor Mehmet Pacaci vom Amt für religiöse Angelegenheiten der Türkei.
Der akademische Betrieb in der Villa Köstlin indes hat längst begonnen. 36 Studierende, davon 23 Frauen, belegen das erste Semester. Im nächsten Semester werden weitere 35 bis 40 Studenten dazustoßen. Die Nachfrage nach den Studienplätzen ist erheblich.
Eine bunte, internationale Truppe bevölkert das ehemalige Wohnhaus des Juristen Christian Köstlin in Rufweite zur Neuen Aula. Die meisten der angehenden Gemeindevorsteher (Imame) und Religionslehrer sind zwar in Deutschland geboren. Die Familien von vielen stammen aber aus Bosnien, der Türkei und arabischen Ländern. Manche Frauen tragen Kopftuch, andere nicht. Und nicht alle Studierenden sind Muslime. Es sind auch Christen darunter, die sich in die islamische Theologie vertiefen wollen. "Das Studium ist nicht konfessionsgebunden, sondern offen für alle", betont der Leiter des Zentrums, Professor Omar Hamdan. Die Unterrichtssprache ist Deutsch.
"Sie sind vom Aufbau fasziniert und mit Feuereifer dabei", lobt Unirektor Bernd Engler die neuen Studenten. Besonders intensiv betreiben die Studienanfänger das Studium der arabischen Sprache - acht Stunden in der Woche. Dazu kommen vier Stunden Begleitübungen und weitere vier Stunden Tutorium. Eine Schnellbleiche, die sein muss. "Islamische Theologie ohne Arabisch - das geht nicht", sagt Professor Omar Hamdan. Der wissenschaftliche Nachwuchs muss in der Lage sein, schriftliche Quellen im Original zu lesen, insbesondere den Koran und den Hadith, die Überlieferungen über Mohammed. Über originale Schriften verfügt das Zentrum bereits in Fülle. Hamdan hat einfach seine private Bibliothek mit 5000 Bänden nach Tübingen gebracht und ins Zentrum integriert. Ein Teil kam per Schiff aus Israel, der Rest aus Berlin, wo Hamdan bis vor kurzem wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Islamwissenschaft war. Im Erdgeschoss sind zwei Räume mit orientalisch-prächtig gebundenen Büchern gefüllt.
Hamdan, ein polyglotter Mann, ist Palästinenser, arabischer Muttersprachler, besitzt die israelische Staatsangehörigkeit und wurde inzwischen zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Der Inhaber des Lehrstuhls für Koranwissenschaften erhält bald Verstärkung. Die Uni hat drei Professoren und zwei Juniorprofessoren berufen. Ein weiterer Ruf auf eine Professur wurde inzwischen ausgesprochen.
Hamdan will viel nach außen wirken. "Wenn sich Professoren nur um sich und ihre Forschung kümmern und weniger um die Gesellschaft, dann scheitert ihre Arbeit", sagt der 48-jährige Wissenschaftler. In engem Kontakt steht er mit dem Ministerium für Integration. Er plant ein Seminar über islamische Feiertage. Durch einen intensiven christlich-islamischen Dialog will er "mehr Verständnis für den jeweils anderen schaffen". Genauso wichtig ist ihm aber auch der Dialog zwischen den verschiedenen islamischen Strömungen. Er sagt: "Es ist Zeit, dass die Muslime ihre Rolle hier in Deutschland wahrnehmen - sehr rational, nicht emotional."
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Autor: RAIMUND WEIBLE | 14.01.2012
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Omar Hamdan hat 5000 Bücher aus seiner privaten Bibliothek mitgebracht. Der Professor will auch den Dialog der Religionen fördern. Foto: Manfred Grohe
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