Neue Turbine für die Erzabtei
Beuron. Ein Freundes-Verein unterstützt die Erzabtei Beuron. Jetzt hat der Verein den Mönchen zu einem modernen Wasserkraftwerk verholfen.
Bruder Thaddäus war der "Strombruder" im Kloster Beuron. Er schlief im Maschinenhaus des alten kleinen Wasserkraftwerks bei der Mauruskapelle, direkt über den beiden Turbinen. Er entfernte regelmäßig das Treibgut aus dem Rechen und wartete die Turbinen. Bei einem Störfall war Bruder Thaddäus stets zur Stelle.
Doch dieses Werk aus dem Jahr 1921, das damals das ganze Kloster und die Gemeinde Beuron mit Strom versorgt hat, gibt es nicht mehr. Die Anlage war altersschwach geworden. So entschloss sich die Benediktiner-Abtei, das Werk durch eine leistungsfähigere Anlage zu ersetzen. Die neue Turbine erzeugt doppelt so viel Strom wie die beiden alten. 2,9 Millionen Euro hat der Umbau gekostet.
Allein hätte das Kloster das neue Flusskraftwerk an der noch schmalen Donau nicht finanzieren können. Aber seit 1989 stützt sich die Abtei auf den "Verein der Freunde der Erzabtei St. Martin zu Beuron". Der damalige Landesinnenminister Dietmar Schlee hatte den Verein ins Leben gerufen. Die Mitglieder verfolgen das Ziel, die Zukunft des Klosters im Donautal zu sichern.
Inzwischen führt Umweltministerin Tanja Gönner, die ebenfalls aus dem Landkreis Sigmaringen stammt, die auf 1800 Mitglieder angewachsene Gemeinschaft. Dass eine Frau dem Förderverein des Männer-Klosters vorsitzt - damit hat Erzabt Theodor Hogg "keine Probleme". "Wir sind froh, dass wir so eine engagierte Vorsitzende haben", sagt der Benediktiner.
Das Geld des Vereins, der jährlich 120 000 Euro an Beiträgen und Spenden einnimmt, war Voraussetzung dafür, dass das Kloster an Mittel aus dem Denkmaletat und anderen Töpfen gelangte. So sind in den vergangenen 20 Jahren über neun Millionen Euro ins Kloster investiert worden. Vor allem ging es um die bauliche Sicherung der weitläufigen Anlage. Das Dach wurde saniert und der Gästeflügel modernisiert. Als weitere Projekte stehen der Umbau der Klosterpforte und die Erweiterung der Bibliothek mit ihren 400 000 Bänden an.
Das neue Kraftwerk, drei Kilometer flussabwärts gelegen, könnte das ganze Kloster mit Strom versorgen. Vielleicht wird es eines Tages dazu kommen. Zur Zeit allerdings speisen die Mönche den Strom aus der Turbine ins öffentliche Netz ein. Das Werk wird jetzt übrigens per Internetverbindung im Kloster überwacht. Ein Zimmer zum Übernachten gibt es im Kraftwerk ohnehin nicht mehr. Und Bruder Thaddäus ist im vergangenen November im 82. Lebensjahr gestorben.
Im Kloster leben derzeit 50 Brüder. An Nachwuchs fehlt es nicht. "Seit ich Abt bin, ist das Noviziat nie leer gewesen", sagt Hogg. Allerdings tritt heute kein Neuling mehr mit 19 Jahren ein, so wie Hogg selbst. Meist sind es Männer im reiferen Alter, die sich nach langer Überlegung für das Leben in der Klausur entscheiden.
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Autor: RAIMUND WEIBLE | 18.06.2010
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Benediktinerkloster Beuron: Strom aus der noch schmalen Donau. Foto: Manfred Grohe
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