Neue Methode für Sanierung der defekten Geothermie-Anlage in Rudersberg

Mit einer technischen Neuheit soll eine defekte Geothermie-Anlage aus dem Untergrund geholt werden. Spezialisten setzen dafür einen eigens entwickelten Bohrer ein. Der Ausgang des Experiments ist offen.

HANS GEORG FRANK |

Was in Zumhof, einem Teilort von Rudersberg im Rems-Murr-Kreis, erprobt wird, gab es noch nie in der Geschichte der Geothermie. Zum Verhindern weiterer Geländehebungen werde in dem 500-Einwohner-Dorf "technisches Neuland betreten", teilte das Landratsamt Waiblingen mit. Eine defekte Sonde hat die Schäden an Häusern verursacht.

Für den Rückbau gebe es "bisher kein allgemein anerkanntes Verfahren", erklärte Behördensprecher Harald Knitter. Deshalb sei eigens für diese Operation eine Bohrkrone entwickelt worden, mit der sich die schadhafte Sonde aus dem Boden holen lässt. Das Experiment ist nötig, weil sich im August 2013 die herkömmliche Technik als nicht anwendbar erwiesen habe.

Bis zu 60 Meter tief reiche die Sonde durch die Grundwasser führende Schicht. Wo das Nass auf Anhydrit treffe, quelle das Mineral auf zu Gips, "der rund 60 Prozent mehr Volumen benötigt und so die geologischen Hebungen hervorruft". Sobald die Sonde herausgezogen ist, werde das Loch abgedichtet. Die Sonde verfüge über vier Stränge, die nicht im Lot nach unten laufen, sondern sich je nach Gesteinsart und -härte in die Tiefe winden, erläuterte Knitter: "Sie liegen unterirdisch wesentlich weiter auseinander als an der Erdoberfläche."

Die Spezialisten müssen behutsam zu Werke gehen. Die Bohrkrone wird nicht in den Untergrund gerammt, sondern gedreht. Das verringere das Risiko weiterer Schäden an den Gebäuden. Das Landratsamt hat diese Methode gewählt, da beim Scheitern keine Verschlechterung der Lage eintrete.

Knitter räumte ein, dass "wegen der schwierigen Bodenbeschaffenheit und des gewundenen Sondenverlaufs" der Erfolg nicht garantiert sei. Das Landratsamt verfolgt gleichzeitig eine Alternative, um wenig Zeit zu verlieren. Durch einen Schacht mit vier Metern Durchmesser soll sich ein Elektro-Minibagger an die Sonde heranarbeiten.

In dem Neubaugebiet stehen rund 50 Häuser auf jenem etwa 500 Meter langen Geländesporn über dem Tal der Wieslauf, der "einer anhaltenden Hebungsbewegung unterworfen" ist, erklären die Fachleute des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg. Vereinzelt wurden Hebungen bis zu einem halben Meter registriert. Die Problemsonde sei mittels "Imlochbohrverfahren mit Luftspülung" eingebracht worden, heißt es in einem Bericht des Landesamtes. Dabei sei das Gestänge abgebrochen. Das Bohrloch sei nicht abgedichtet worden, "eine Schadensmeldung an die Genehmigungsbehörde erfolgte nicht".

Die Sanierung muss das Unternehmen bezahlen, das 2007 offenbar gepfuscht hat. Harald Knitter schätzt den Aufwand mit dem Bohrer auf bis zu 100.000 Euro. Müsste der Bagger eingesetzt werden, verteuerte sich die Sanierung stark. Sie würde wohl 300.000 Euro kosten und vier Monate dauern.

Untersteller für Geothermie

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