Maßnehmen am Bodensee

Der Bodensee wird mit modernsten Methoden neu vermessen. Die Werte sollen detailliert Aufschluss geben über den Seegrund. Dies geschieht auf Initiative der Internationalen Gewässerschutzkommission.

PETRA WALHEIM |

Geologen sind in der Regel an Land zu finden. Doch die Geologen, die gerade den Bodensee vermessen, müssen seefest sein. Sofern es das Wetter zulässt, sind sie mit der "Kormoran", dem Forschungsschiff des Instituts für Seenforschung in Langenargen, Tag für Tag auf dem Wasser, im Zick-Zack-Kurs systematisch über den See. Das von der EU geförderte Projekt heißt "Tiefenschärfe - Hochauflösende Vermessung Bodensee". Ziel des Projekts ist, ein detailgenaues Modell des Seebeckens zu liefern. Natürlich wissen die Wissenschaftler viel über die Beschaffenheit der "Wanne". Doch das, was die hochmodernen Geräte an Bord der "Kormoran" liefern, stellt die Daten bisheriger Vermessungen komplett in den Schatten.

Projektleiter Martin Wessels vom Seenforschungsinstitut machte das gestern bei der Vorstellung der Vermessung deutlich. Er zeigte Aufzeichnungen von der letzten Vermessung und von der aktuell laufenden. "Das ist so, als würde ich als Kurzsichtiger die passende Brille aufsetzen", sagte er. Tatsächlich zeigen die "alten" Bilder eher verschwommene Strukturen, während die aktuellen Bilder gestochen scharf sind. Das kann für Begeisterung sorgen, wirft aber auch viele Fragen auf. So sind zum Beispiel im Überlinger See, wo der Grund schroff abfällt, am Teufelstisch, sehr viel stärkere Abbrüche zu sehen als die Geologen bisher vermutet hatten. Auch bei der Mainau wurden unerwartete Strukturen entdeckt. "Da gibt es einen großen Canyon, wie wir ihn nicht erwartet hatten", sagte Wessels. Rundliche Strukturen am Grund des Markelfinger Winkels können sich die Wissenschaftler noch gar nicht erklären.

Genutzt werden sollen die Daten in vielerlei Hinsicht. Die Wasserwirtschaft, Kommunen und Behörden können bei der Planung von Badestegen, Anlegestellen und Versorgungsleitungen auf die Daten zugreifen. Auch für die Archäologie, den Natur- und Denkmalschutz, die Schifffahrt und den Tourismus ist es wichtig, den Gewässerboden im Detail zu kennen. Wenn zum Beispiel die Weiße Flotte bei niedrigen Wasserständen nicht mehr überall anlegen kann und Ausbaggerungen geplant sind, kann das neue Datenmaterial "elementare Informationen über die zugrundeliegende Sedimentdynamik liefern". Auch für Uferplanungen und Uferrenaturierungen sind die Daten wertvoll.

Aus der enormen Datenmenge, die die Geräte an Bord der "Kormoran" liefern, werden hochaufgelöste Geländemodelle erstellt, es wird digitale und analoge Karten geben, auf die auch Wassersportler zugreifen können. Hobbytaucher allerdings, die darauf spekulieren, anhand der neuen Karten noch unbekannte Schiffswracks erkunden zu können, werden enttäuscht. "Die Standorte von neuentdeckten Wracks werden nicht in die Karten übertragen", betont Wessels.

Die Geologen an Bord der "Kormoran" sind von 6 bis 20 Uhr auf dem See und sammeln die Daten, die das Fächerecholot am Bug des Forschungsschiffs liefert. Doch meist bleibt es nicht nur beim Sammeln. "Wir sind Geologen, und wenn wir was besonderes am Seegrund sehen, versuchen wir das auch gleich zu interpretieren", sagt Michael Hilbe von der Uni Bern.

Das Echolot sendet fächerförmig Schallwellen aus, die vom Untergrund reflektiert werden. Das ist die Methode, mit der die tieferen Zonen untersucht werden. Die Flachwasserzonen werden im kommenden Winter von der Luft aus untersucht. Dafür wird ein Flugzeug mit einem Laserscanner an Bord aufsteigen. Mit dem Fächerecholot wurde seit April bereits gut die Hälfte des Sees geschafft. Projektleiter Wessels rechnet damit, dass das Projekt im Sommer 2015 abgeschlossen ist.

Grenzübergreifendes Projekt

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr