Lidl-Gründer Schwarz erregt im Heilbronner OB-Wahlkampf Aufsehen

Dieter Schwarz, einer der reichsten Deutschen, belebt den müden OB-Wahlkampf in Heilbronn. Der sonst sehr scheue Lidl-Milliardär unterstützt öffentlich den SPD-Kandidaten Harry Mergel.

HANS GEORG FRANK | 1 Meinung

Harry Mergel (57), SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Heilbronn am 16. März, ist ein spektakulärer Coup gelungen. Während das Wettrennen um den Chefposten im Rathaus noch einem sehr gemächlichen Warmlaufen gleicht, findet Mergels über 300 Namen umfassende Unterstützerliste erhebliche Beachtung. "Ich wähle Harry Mergel, weil er nach langjähriger Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Himmelsbach beste Erfahrungen für dieses Amt mitbringt", lässt sich ein Dieter Schwarz zitieren.

Bei diesem Dieter Schwarz handelt es sich um einen der 1426 reichsten Menschen der Erde - jenen Kaufmann nämlich, der mit Lidl und Kaufland ein immenses Vermögen angehäuft hat. Je nach Les- und Rechenart verfügt Schwarz über 13 Milliarden Euro ("Manager-Magazin") oder gar über 14,3 Milliarden ("Forbes"). Dieser Tage gab es Meldungen, wonach die Schwarz-Gruppe als Mutterkonzern von Lidl und Kaufland mit einem Umsatz von 67,6 Milliarden Euro in über 10.000 Filialen in mehr als 20 Ländern zum größten deutschen Handelsunternehmen aufgestiegen sei.

Der 74-Jährige, der sich 1999 aus der aktiven Geschäftführung zurückgezogen hat, ist äußerst spendabel. Allerdings gibt er bei seinem auf "lebenslanges Lernen" spezialisierten Mäzenatentum keine exakten Zahlen preis. Nicht einmal andeutungsweise ist zu erfahren, wie viel die Dieter-Schwarz-Stiftung in einzelne Vorhaben steckt. "Bildung ist unser wichtigster Rohstoff", lässt Schwarz stattdessen verlauten.

Heilbronn verdankt dem Gönner, der sich weder teure Yacht noch VIP-Getue leistet, mehrere Prestigeprojekte. Zu denen gehört die Lern- und Erlebniswelt "Experimenta", die demnächst für geschätzte 50 Millionen Euro, vielleicht auch noch viel mehr, erweitert wird. Von wem das Geld stammt, ist am Logo zu erkennen - das "i" in Experimenta gleicht dem in Lidl.

Dieter Schwarz ist ein Geheimniskrämer. Wenn er am 24. September seinen 75. Geburtstag feiert, ist kein pompöser Rummel mit reichlich Prominenz aus Politikbetrieb und Showgeschäft zu erwarten. Der Heimlichtuer bleibt bescheiden im Hintergrund. Am besten gar nichts soll die Öffentlichkeit erfahren über seine genaue Tätigkeit, sein Familienleben, seine Freizeit. Fotos dürfen nicht geknipst werden, wenn er sich in die letzte Reihe setzt, während vorne der Ministerpräsident einen mit Schwarz-Geld finanzierten Millionenbau eröffnet. Politische Statements sind von Schwarz gänzlich unbekannt. Es grenzt schon an ein Wunder, dass an der Bürofassade der Stiftung weithin sichtbar "Dieter Schwarz" als Geldgeber zu lesen ist.

Daher ist die öffentliche Fürsprache für Harry Mergel eine Sensation. Mit großem Erstaunen wurde zudem registriert, dass sich auch Franziska Schwarz, seit 1963 mit dem Heilbronner Ehrenbürger verheiratet, für Bewerber Mergel sogar mit Foto stark macht, "weil ich von ihm überzeugt bin". Der amtierende Sozial-Bürgermeister hat damit die Nase vorn vor seinem CDU-Kollegen und Finanzbürgermeister Martin Diepgen (57), der gleichfalls OB werden möchte.

Mergel hängte die Schwarz-Bekenntnisse nicht selbst an die große Glocke. Doch der frühere VfR-Stürmer scheint sich über die Vorlage zu freuen, wenn er auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE erklärt, seine Unterstützerliste sei "ein imposantes Abbild der Heilbronner Bevölkerung mit Menschen aus allen Parteien und gesellschaftlichen Bereichen". Neben dem Multimilliardär taucht der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel auf, auch der als ziemlich vermögend geltende Großgärtner Klaus Kölle ist Mergel-Fan. Arbeiter sind dagegen eher rar. Mit allen gebe es "eine langjährige tiefe Verbindung", erklärte Mergel. Gemeinsam sei ihnen der Wille, die Heimatstadt "noch attraktiver und menschlicher zu machen".

Ob sich Dieter Schwarz auch finanziell im Wahlkampf engagiert, behält der SPD-Kandidat für sich. "Bei Spenden gelten Vertraulichkeit und das Parteispendegesetz mit den dort enthaltenen Veröffentlichungspflichten", teilte Mergel mit.

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1 Kommentar

27.09.2014 23:12 Uhr

toller mensch

sehr geehrter herr schwarz -
wir haben uns am freitag morgen gesehen -ich wusste nicht -nach über 30 jahren -
ich möchte mich nochmals recht herzlich bedanken-
linsen und spätzle
der sohn
sie geben meiner mutter sehr sehr viel kraft -

danke dafür
..............

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