Keltengrab im Maisfeld
Herbertingen. Arbeiter haben nahe der Heuneburg ein frühkeltisches Fürstengrab en bloc auf einen Tieflader gehoben. Fachleute stufen den Fund als Sensation ein: 2600 Jahre lang blieb das Grab wohl von Räubern verschont.
Monatelang haben Landesarchäologen in der Donauaue bei Herbertingen gegraben. Und obwohl die Grabungsstelle gut sichtbar war, blieb das geheim. Schatzsucher sollten keine Chance haben. Gestern lüfteten die Archäologen ihr Geheimnis. Sie haben eineinhalb Kilometer entfernt von dem frühkeltischen Fürstensitz Heuneburg ein verflachtes Hügelgrab mit einer zusammengepressten, aber wohl ungestörten Kammer entdeckt. Den Gold- und Bernsteinfunden nach handelt es sich um das Prunkgrab einer Fürstin.
Die Archäologen um Grabungsleiter Dirk Krauße haben das 2600 Jahre alte Grab zunächst oberflächlich untersucht. Weil sie es für so bedeutend halten, ließen sie es gestern von zwei Kränen aus der Erde heben. Der 7,5 Meter lange, sechs Meter breite und 75 Zentimeter hohe Block kam auf einen Tieflader. Die 80 Tonnen schwere Erdscholle mit den Resten zumindest einer Toten, Grabbeigaben und Resten der hölzernen Kammer ging dann am Abend auf die Reise. Das Grab wird in einem Ludwigsburger Labor erforscht. Die Untersuchung eines so wichtigen Fundes sei nur unter Laborbedingungen möglich, sagte Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege.
Um die Heuneburg bei Herbertingen-Hundersingen (Kreis Sigmaringen) gibt es eine Vielzahl keltischer Hügelgräber. Die bedeutenderen wurden alle schon in antiker Zeit geplündert. Anders das jetzt entdeckte Zentralgrab. Der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer sprach von einem "Fund von europäischem Rang".
Das Grab fand sich in einem Maisfeld neben einem schon bekannten Hügelgrab, dem Bettelbühl. Durch die dauernde Bodenbearbeitung war es völlig abgeflacht. Krauße: "Der Hügel war kaum noch zu sehen." Auch weil die Kammer wegen des Gewichts der Erdmassen darüber noch in keltischer Zeit zusammengestürzt sein muss. Der Pflug erreichte inzwischen schon den Fundhorizont. Beim Begehen der Stelle, sagte Krauße, "hing schon ein Ohrring am Stiefel". Deswegen war es höchste Zeit, das Grab zu sichern.
Die Bedingungen erwiesen sich als Glücksfall: Durch Staunässe des vorbeifließenden Bettelbühlbachs blieben die organischen Grabbestandteile - Textilien, Leder, Hölzer - besonders gut erhalten. Die Hölzer seien in so gutem Zustand, dass sie sich hervorragend für die Jahresring-Datierung eigneten. Krauße zufolge wird sich das Grab als Meilenstein für die Chronologie der älteren Eisenzeit erweisen: "Für uns ist das Holz so wichtig wie das Gold."
Im Kerzenlicht des nachgebauten Kelten-Herrenhauses auf der Heuneburg präsentierte der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl eine fein gearbeitete Gewandspange, gerippte Goldperlen, Bernsteinperlen sowie Gold- und Bronzebleche. "Das gehört zum Besten, was keltische Goldschmiedkunst hervorgebracht hat", sagte Krauße. Die Schmuckstücke stammen zum Teil aus einem Nebengrab, in dem ein vierjähriges Mädchen bestattet war. Die Wissenschaftler wollen die Knochen gentechnisch untersuchen. So kann geklärt werden, ob die beiden Bestatteten verwandt sind.
Das Prunkgrab wird voraussichtlich bei der großen Keltenausstellung 2012 in Stuttgart gezeigt.
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Autor: RAIMUND WEIBLE | 29.12.2010
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Ein keltisches Fürstengrab wird in Herbertingen (Landkreis Sigmaringen) mit zwei Kränen aus dem Boden gehoben und auf einen Tieflader verfrachtet. Foto: dpa
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