Keine Indizien für Untreue

Stuttgart.  Gegen Ex-Regierungschef Stefan Mappus wird wegen des ENBW-Deals nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft kann diese Entscheidung revidieren - falls im Untersuchungsausschuss neue Fakten bekannt werden.

Nachdem der Staatsgerichtshof im vergangenen Herbst den ENBW-Deal der schwarz-gelben Landesregierung für verfassungswidrig erklärt hatte, gingen bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft insgesamt neun Anzeigen gegen Ministerpräsident Stefan Mappus und Finanzminister Willi Stächele (beide CDU) ein. Tenor: Gegen die beiden bestehe der Verdacht der Untreue. Seit gestern steht fest: Die Staatsanwaltschaft wird diese Anzeigen nicht weiterverfolgen. Weder das Urteil des Staatsgerichtshofs noch die bislang bekannten Umstände rechtfertigten ein Ermittlungsverfahren.

Wie die Staatsanwaltschaft gestern erklärte, wurde nicht der Ankauf selbst geprüft, sondern das Versprechen des Landes, für die Kredite, mit denen der 4,5 Milliarden Euro teure Kauf abgedeckt war, zu haften. Der Tatbestand der Untreue erfordere eine gravierende Pflichtverletzung, bei der allein der Zeitpunkt der Handlung zählt. Soll heißen: Sollte sich das wirtschaftliche Wagnis des Kaufs später als unprofitabel herausstellen, rechtfertige dies nicht den Vorwurf der Untreue.

Durch das Versprechen, für die Kredite zu garantieren, sei kein Vermögensschaden entstanden, das Land wurde bislang nicht in Haftung genommen. Und selbst wenn dies tatsächlich später passieren sollte, so würde das mit der Staatsgarantie verfolgte politische Ziel, den Energiekonzern dauerhaft als Unternehmen des Landes zu erhalten, auch dann nicht den Vorwurf der Untreue rechtfertigen. Das Urteil des Staatsgerichtshofs, nachdem sich Mappus und Stächele verfassungswidrig verhalten haben, weil sie das Parlament nicht einbezogen hatten, liefere ebenfalls keine Basis für die Vorwürfe.

Staatsanwältin Claudia Krauth erinnerte daran, dass ein Schaden auch bei pflichtgemäßem Verhalten eingetreten wäre - denn der Aktienkauf sei nachträglich vom Landtag abgesegnet worden. Es fehlten auch Anhaltspunkte dafür, dass Mappus und Stächele auch nur die Möglichkeit eines Vermögensverlustes gebilligt hätten. Bleibt der Wille nach Profilierung vor der Wahl - auch dies habe man geprüft. Solche Beweggründe seien in der Politik nicht selten und kein Indiz, dass Mappus sich habe bereichern wollen.

Wenn aber die Voraussetzungen nicht vorliegen, könne auch kein Ermittlungsverfahren eröffnet werden, selbst beim berechtigten Interesse der Öffentlichkeit an Aufklärung. Diese Arbeit leiste ja nun zunächst der parlamentarische Untersuchungsausschuss, der die Vorgänge politisch analysiert und bewertet. Sollten dort wesentliche neue Umstände festgestellt werden, so Krauth, werde man erneut prüfen, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: ANDREAS BÖHME | 09.02.2012

Google 1+

Bankchef wehrt sich gegen Vorwürfe der Falschberatung beim ENBW-Deal

Stuttgart Willi Stächele, der frühere Finanzminister, war gestern vor den Untersuchungsausschuss geladen. Und Dirk Notheis von der Bank Morgan-Stanley. "Fair" nannte Notheis den Kaufpreis beim ENBW-Deal.... mehr

Ausschuss nicht "vergnügungssteuerpflichtig"

Akten und Protokolle durchwühlen, Fragen formulieren, Strategien ausbaldowern - die Arbeit der 15 Abgeordneten im Untersuchungsausschuss zum 4,7 Milliarden Euro teuren Kauf von ENBW-Anteil durch das Land im Dezember 2010 ist so vielfältig wie zeitraubend.... mehr

Mappus lobt ENBW-Geschäft

Stuttgart Der Wiedereinstieg des Landes beim Energieversorger ENBW wäre Ende 2010 fast geplatzt. "Es stand auf Messers Schneide", sagte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) als Zeuge vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss.... mehr

Der abgewählte Ministerpräsident kämpft um seine Ehre

Der frühere Regierungschef Mappus hat im Untersuchungsausschuss die Verantwortung für den ENBW-Deal übernommen. Der entmachtete CDU-Mann kämpft gegen Grün-Rot um Ehre und Karriere.... mehr

KOMMENTAR: Rechnung präsentiert

ENBW-Chef Hans-Peter Villis treibt business as usual: Als hätte ihn die neue Landesregierung nicht aus dem Amt getrieben, präsentierte er kurz vor seiner Demission eine Bilanz, hinter der viel Anstrengung steckt: Ein Sparprogramm, der Verlust zweier Atommeiler, die lange als Goldesel dienten, und...... mehr

ENBW tief in roten Zahlen

Karlsruhe Aus einem satten Gewinn wurde ein herber Verlust: Die ENBW schreibt tiefrote Zahlen. Das ist schlecht für das Land, weil nun die Dividende mager ausfällt und die Zinsen für den Aktienkauf nicht mehr deckt.... mehr

ZUR PERSON: Tollkühner Kremlflieger

Vor 25 Jahren durchbrach der deutsche Pilot Mathias Rust die Luftabwehr der UDSSR. Um die Landung vor dem Kreml ranken sich bis heute Legenden.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr