Kein E-Taxi unter dieser Nummer

Bei Stuttgarter Feinstaub-Alarm sollen Bürger umsteigen, zum Beispiel auf E-Taxen. Doch wer sich eines bestellen will, kriegt von der Taxi-Zentrale einen Korb: Es gebe keine Wagen mehr. Die Stadt ist irritiert.

DOMINIQUE LEIBBRAND | 1 Meinung

Beim ersten Feinstaub-Alarm in Stuttgart vergangene Woche will Martin Köcher dem Ruf der Behörden folgen und sich umweltfreundlich fortbewegen. Um einen Bekannten vom Hauptbahnhof abzuholen, versucht er deshalb, ein Elektro-Taxi zu bestellen. Doch bei der Stuttgarter Taxi-Zentrale gibt’s dafür kein grünes Licht: Es gebe keine E-Taxis mehr, auch ein Hybrid-Fahrzeug könne man ihm nicht zur Verfügung stellen. Martin Köcher wundert sich: „Gerade beim Feinstaub-Alarm stehen keine E-Taxen bereit?“

Martin Köcher heißt eigentlich anders, seinen richtigen Namen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen. Seine Geschichte aber stimmt, wie ein Kontrollanruf unserer Stuttgarter Redaktion bei der Taxi-Zentrale zeigt. Seit vergangenem Jahr gebe es keine E-Taxis mehr, sagt ein Mitarbeiter. Hybrid-Fahrzeuge seien möglicherweise unterwegs, die seien aber nirgends registriert, so dass man sie nicht gezielt anfordern könne.

In der Tat eine überraschende Auskunft. Zum einen, weil nach Angaben der Stadt Stuttgart insgesamt rund 30 der 780 Stuttgarter Taxen E-Mobile sind, die allesamt vom Land gefördert wurden. Zum anderen, weil der Umstieg auf E-Taxen auf der offiziellen Feinstaub-Alarm-Homepage der Stadt offensiv beworben wird. „Einfach beim nächsten Anruf in der Taxizentrale (0711 551-0000) angeben, dass man gerne mit einem Elektro-Taxi fahren möchte“, heißt es da.

Dass es dann doch nicht so einfach geht, löst bei Michael Hagel, Abteilung Mobilität im Stuttgarter Rathaus, Erstaunen aus. „Das ist ein echter Mangel.“ Der Fehler liege jedoch nicht bei der Stadt selber. Man sei mit der Taxi-Zentrale in ständigem Austausch und habe diese auch wiederholt darauf hingewiesen, dass man die E-Taxen beim Feinstaub-Alarm bewerben werde. Bislang seien die Aussagen der Taxi-Zentrale immer in die Richtung gegangen, dass man über die tatsächliche Verfügbarkeit von Elektro-Taxen Aussagen machen könne, so Hagel weiter.

Die Darstellung des Chefs der Taxi-Zentrale, Murat Arslan, ist hingegen eine ganz andere. Er wolle niemandem die Schuld zuweisen, doch ihn habe keine Information der Stadt über die Aktion beim Feinstaub-Alarm erreicht. Und selbst wenn er es gewusst hätte, hätte Arslan nach eigener Darstellung nicht gezielt E-Taxen schicken können, denn darüber habe man tatsächlich keine Übersicht.

Arslan erklärt: „Die Unternehmer füllen bei uns ein Blatt aus, auf dem sie alle möglichen Details zu ihrem Wagen angeben. Dort können sie auch ankreuzen, wenn sie ein Elektro- oder Hybridfahrzeug haben.“ Das habe aber keiner getan, so Arslan. „Wir können das auch nicht vorschreiben, nur empfehlen.“ Zuletzt habe man lediglich jene E-Wagen in der Kartei gehabt, die über das ausgelaufene Programm „Guest“ gefördert worden seien.

Zusammengefasst bedeutet das: Das Land hat Geld in rund 30 Elektro- und Plug-in-Hybride allein in Stuttgart gesteckt, die Unternehmer, die die Mittel empfangen haben, werben aber zumindest über die Zentrale nicht aktiv dafür. Arslan erklärt: „Auf der Straße erkennt man die Fahrzeuge schon, sie sind entsprechend beklebt.“ Wie man im Verkehrsministerium darüber denkt, war am Montag allerdings nicht zu erfahren. Eine Stellungnahme dazu wurde für  Dienstag angekündigt.

Der Stadtverwaltung dürfte die Sache jedenfalls nicht schmecken. Nicht nur, weil sie für die E-Taxen die Werbetrommel rührt. Sondern auch, weil sie noch größere Pläne hat. Ziel ist, die Flotte nach und nach auf umweltfreundliche Antriebe umzustellen. Im Doppelhaushalt 2016/17 wurden dafür 192.000 Euro bereitgestellt. 60 Fahrzeuge sollen laut Hagel damit bezuschusst werden. Das Förderprogramm des Landes endete indes im Dezember. Man hoffe, dass ein weiteres Programm aufgelegt werde, das die städtische Initiative sinnvoll ergänze. Zwei Schnellladestationen an zentralen Taxi-Stationen sollen ebenfalls eingerichtet werden.

Wenn es so weit ist, soll die Umrüstung groß beworben werden, kündigt Hagel an. Und die Taxi-Zentrale – mit der sich die Stadt in der Vergangenheit allerdings schon in den Haaren lag – will das Rathaus dabei freilich im Boot haben, muss aber offenbar noch Überzeugungsarbeit leisten. Beim jüngsten Treffen der Unternehmer Anfang Januar habe man über das Thema E-Mobilität jedenfalls nicht gesprochen, sagt Arslan.

1 Kommentar

28.01.2016 11:05 Uhr

Heizung??

es ist Winter und es gibt mehr Feinstaub...wer ist schuld...das Auto, wer sonst.
nein im Winter macht ja keiner die Heizung an....und die Heizungen haben ja sehr moderne Abgasfilter etc...

Hirn einschalten, des hilft.

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