Hohe Feinstaubbelastung an Messstellen im Land

Stuttgart.  In den Städten im Land ist die Belastung mit Feinstaub nach wie vor sehr hoch. Stuttgart hat den EU-Jahresgrenzwert schon überschritten.

Drei Tage zu viel. Die Stadt Stuttgart hat am Neckartor den von der EU festgesetzten Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft am Neckartor schon wieder überschritten. 35 Tage sind erlaubt, 38 sind es bereits. Dabei hat das Jahr erst angefangen. Auch in anderen Städten im Land hat die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) hohe Werte an den neuralgischen Punkten gemessen (siehe Tabelle). Glücklich über diese Ergebnisse ist niemand. Aber es ist auch niemand besonders erstaunt. "Zunächst mal sind die Werte im Winter immer besonders hoch", erklärt Jürgen Höß, Pressesprecher der LUBW. Das Wetter beeinflusse die Schadstoffanreicherung entscheidend. So herrsche wenig Wind - im Stuttgarter Kessel sowieso - bei Inversionswetterlagen sei es am Boden kalt und in den oberen Luftschichten warm: "Da bleiben die Schadstoffe am Boden." Die LUBW misst jeden Tag, nach 14 Tagen werden die Filter im Labor gewogen: "Die Differenz zwischen leerem und vollen Filter ist die Belastung mit Feinstaub."

Die Städte können die Werte abrufen und daraus Konsequenzen ziehen. Allerdings steckt vieles noch in den Kinderschuhen. So hält sich die Stadt Ulm an den Aktionsplan Luftreinhaltung des zuständigen Regierungspräsidiums Tübingen. "Der ist aber erst vor zwei Jahren verabschiedet worden", erklärt Peter Jäger von der Abteilung Strategische Planung im Ulmer Umweltamt. Deshalb sei es momentan schwer, habhafte Erkenntnisse zu gewinnen. Und: Auch die Maßnahmen seien begrenzt. Die hoch belastete Karlstraße (bis 26. Februar 26 Überschreitungen) sei eine Durchgangsstraße, die der Versorgung der Stadtteile diene. "So eine Straße kann man nicht einfach für Lkw sperren." Ulm bemühe sich jedoch noch auf andere Weise, Feinstaub zu reduzieren. Etwa durch die Wärmesanierung von Gebäuden, den Ausbau des ÖPNV und der Fernwärme.

"Uns gefallen die Überschreitungen überhaupt nicht", räumt Clemens Homoth-Kuhs, Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart ein. Die Werte bestätigten allerdings auch, wie wichtig es sei, die EU-Richtlinie zu erfüllen. Freilich hat das RP auch Handlungsbedarf wegen eines Urteils des Stuttgarter Verwaltungsgerichts, das bis zum 28. Februar entsprechende Änderungen gefordert hat. Die Behörde hat deshalb den Aktionsplan für Stuttgart schon fortgeschrieben. So gilt seit 1. März ein ganzjähriges Durchfahrverbot für Lkw im Stadtgebiet. Und ab 1. Juli sind Fahrzeuge mit einer roten Plakette aus der Umweltzone in Stuttgart verbannt. "Wir sind optimistisch, dass das positive Auswirkungen haben wird." Ohnehin habe die Feinstaub-Belastung schon abgenommen. Und man will weitere Verbesserungen erreichen. So läuft ein Gutachten, ob Tempolimits sinnvoll sind, sagt Homoth-Kuhs. Auch die Auswertung der LUBW hinsichtlich des Feinstaub-Bindemittels, das auf die B 14 beim Neckartor aufgebracht worden ist, fehle noch.

Stuttgart werde immer ein Ausreißer sein, sagt Karl Franz, Sprecher des Umweltministeriums. "Wir können den Verkehr hier ja nicht völlig lahmlegen." Aber auch der Bürger könne seinen Teil zu einer geringeren Belastung beitragen, sagt der Straßenbahn-Nutzer. "Es sollten mehr auf den ÖPNV umsteigen."


Kommentare (2)

10.03.2010 08:38 Uhr |   AchimFa

Maßnahmen unwirksam

Hat man denn in Stuttgart und Umgebung immer noch nicht mitbekommen, daß man mit lokalen Maßnahmen nichts gegen Feinstaub ausrichten kann ? Die Umweltpolitik prügelt völlig zu Unrecht auf den KFZ-Verkehr als Verursacher von Feinstaub ein ! Diverse Gutachten haben ergeben, daß die Auspuffemissionen lediglich 4-8 % am Feinstaubaufkommen ausmachen.In der Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts Hannover steht z.B.: "Hinzu kommt, dass nur 6 bis 8 % der PM10 - Emissionen aus den Auspuffabgasen der Kraftfahrzeuge entstammen, was bereits deutlich macht, dass auf Umweltzonen begrenzte Fahrverbote nur einen sehr begrenzten Verminderungseffekt haben können." Anscheinend haben die Umweltzonenverfechter vor lauter Feierei des "wegweisenden" Urteils vergessen sich die Begründung durchzulesen, denn danach dürfte selbst die vollständige Umstellung auf Elektromobilität das Feinstaubproblem kaum lösen ! Die vermehrte Feinstaubbelastung in Berlin trotz strengster Umweltzone Europas spricht doch Bände !
10.03.2010 09:22 Uhr |   FdS

Eigentor der Stadt Ulm

Tooor! - Leider gegen die Stadt Ulm... Wieso?
Nun: Die Sonnenscheindauer (auf die Ulm ja so Stolz ist) wird hoch droben auf dem Kuhberg gemessen, sonst sähe es dafür ja richtig trübe aus, wie jeder der hier wohnt bestätigen kann zwinkern

Aber der Feinstaub wird nicht oben auf dem Berg gemessen sondern in den Tiefen der Häuserschluchten - Eigentor.

Wenn man also schon mit den Messungen besch.... warum nicht mal zum Vorteil der Bürger, da es ausser Kosten eh nichts bringt?

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Autor: ULRIKE SCHLEICHER | 10.03.2010

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