HINTERGRUND: 650 Fehlurteile an einem Tag?

Harry Wörz steht für "einen besonderen Einzelfall", meint sein Anwalt Hubert Gorka. Aber die Zahl der Justizirrtümer ist offenbar erschreckend hoch.

Hubert Gorka (49), promovierter Strafverteidiger aus Karlsruhe, geht davon aus, dass sein Mandant Harry Wörz das Opfer eines "besonderen Einzelfalls" geworden ist. Er schränkt aber ein, man müsse befürchten, "dass Fehlurteile gar nicht so selten sind, wie dies gemeinhin angenommen wird". Eine Statistik der Justizirrtümer gibt es nicht. Während seines Studiums in Heidelberg von 1985 bis 1990, hatte Gorka von einer Fehlerquote von "mindestens einem Prozent aller Urteile" gehört.

Inzwischen gehen Experten davon aus, dass 30 Prozent aller Entscheidungen deutscher Strafkammern, die "im Namen des Volkes" gefällt werden, keiner peniblen Überprüfung standhielten. Bei der Revision wird hauptsächlich auf Rechtsfehler geachtet. Eine "wirklich effektive Beweiskontrolle" gebe es nicht, moniert Hubert Gorka. Auffallend ist, dass Rechtswissenschaftler die Quote der Falschaussagen von Zeugen auf 30 bis 40 Prozent schätzen. Gerade diese Angaben sind wesentlich für die Verurteilung eines Angeklagten.

Ralf Eschelbach ist Richter am Bundesgerichtshof. Er bezweifelt, dass es "kaum" falsche Strafurteile gebe, wie oftmals auch von Politikern beteuert wird. Das sei viel mehr "eine Lebenslüge der Justiz". Er glaubt sogar, dass jede vierte Entscheidung falsch ist. Demnach würden Richter zwischen Nord- und Bodensee an jedem Arbeitstag 650 unschuldige Angeklagte verurteilen.

Dass selbst auf Geständnisse nicht vertraut werden kann, bewies ein spektakulärer Mordprozess in Ingolstadt. Dort hatten Frau und Töchter eines Bauern zugegeben, den Mann erschlagen, zerstückelt und an die Hunde verfüttert zu haben. Nach dem Urteil zu langen Haftstrafen wurde das Opfer gefunden - körperlich unversehrt in seinem Auto, das in die Donau geraten war.

Anwalt Gorka zieht eine Lehre nicht nur aus dem Fall Wörz. Wer eine angeklagte Tat nicht begangen habe, sollte niemals darauf vertrauen, dass sich die Unschuld "im Verlauf des Verfahrens schon erweisen wird".

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5 Kommentare

13.08.2014 17:50 Uhr

Hintergrund : 650 Fehlurteile ...

Vor Gericht werden Urteile Gesprochen, Recht ist was anderes

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13.08.2014 14:26 Uhr

ist der Automatismus des Ungerechtigkeitsapparat in der Deutschen Justiz zu knacken?

Deutschland war nie ein Rechtsstaat.
Die Ex-BRD welches eines der liberalsten Länder der Welt war - und damit das Gegenteil der unfreien DDR - hatte damals die Chance zu einem Rechtsstaat zu werden.

Kein anderes liberales Land hat jemals für Hoheitliche Aufgaben Personal aus einem totalitärem Staat rekrutiert.

Durch die sogenannte "Wiedervereinigung" , wurde das liberale und progressive System der Ex-BRD zersetzt. Die Abschaffung der Kontrollinstanzen und der Haftung durch eigene Entscheidungen der Staatsdiener, ist das größte gegenwärtige Verbrechen.

Die Ausbildung der Deutschen Juristen und die der Verwaltungsfachangestellten ist mangelhaft.
Die Karriere-Chancen von Juristen scheinen von willkürlichen Entscheidungen einzelner Personen abhängig zu sein.

Die Deutsche Justiz macht nicht den Eindruck, als sei diese überhaupt noch fähig im Rahmen einer Rechtsstaatlichen Ordnung zu agieren.

Deutschland braucht sofortige Reformen.
Das lässt sich nicht mehr leugnen.

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25.01.2014 18:15 Uhr

Hintergrund : 650 Fehlurteile ................

Die Quote wird wahrscheinlich höher liegen !!!!

In vielen Fällen wird verurteilt wer Geld hat - Tatsachen werden sehr oft nicht gesehen ( will man nicht sehen )
bei Kleinigkeiten wird der verurteilt der Geld hat - geht schnell und das Geld kommt schnell in die Staatskasse !!

Es denn man ist "" PROMINENT """ !!!!!

Was aber noch schlimmer ist :
viele Anwälte wollen gar kein Urteil
ein Vergleich bringt mehr in die Kasse !!!!
Aussage meines Anwaltes !!!

Gerechtigkeit vor Gericht gibt es nicht !!!!

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13.08.2014 14:37 Uhr

Antwort auf „Hintergrund : 650 Fehlurteile ................”

Recht haben und Recht bekommen sind zwei Paar Schuhe.

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15.08.2014 06:48 Uhr

re

Das Fehlurteile ausgesprochen werden ist nicht neu und kann auch durchaus vor kommen. Viele Anklagen dürften erst gar nicht zu gelassen werden. Sollte es jedoch einem ausgebildeten Juristen auffallen das ein Urteil völlig falsch ist, sollte die Justiz nicht darauf bestehen ein derartiges Urteil durch zu setzen sondern muss unbedingt ein solches Urteil von Amtswegen zu Fall bringen. Hier wird jeder Verurteilte im Regen stehen lassen und er muss sich selbst darum kümmern. Das kann und darf in einem Rechtsstaat nicht sein der so große Stücke auf seine Justiz hält. Die Justiz ist in Deutschland die einzige Institution welche sich noch nie für ihre Verbrechen an der Menschheit verantworten musste, weder nach 1945 noch nach 1990 und das ist ein weiteres trauriges Kapitel deutscher Geschichte und wird leider tot geschwiegen.

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