Großmufti spricht von historischem Ereignis
Tübingen. Die Uni Tübingen feierte gestern mit internationalen Gästen die Eröffnung des ersten staatlichen Zentrums für Islamische Theologie in Tübingen.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan bezeichnete den Aufbau des Zentrums als "großen und wichtigen Schritt". Das neue Institut an der Universität Tübingen, der ersten staatlichen Ausbildungsstätte für muslimische Gemeindevorsteher und Religionslehrer in Deutschland, sei ein Ort für wissenschaftliche Arbeit und für den religiösen Dialog.
Mit dem neuen Zentrum, sagte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, könne die deutsche Gesellschaft zeigen, wie ernst es ihr damit sei, die Teilhabe muslimischer Mitbürger zu verbessern. Die in Tübingen angebotene Lehre sieht sie einer historisch-kritischen Methode im Umgang mit dem Koran verpflichtet.
In den ersten fünf Jahren ist der Bund mit vier Millionen Euro Hauptfinanzier des Zentrums. Später trägt das Land das Budget von jährlich 1,3 Millionen Euro allein. Sechs Professoren sollen einmal bis zu 320 Studierende betreuen. Im Moment haben sich nach neuesten Zahlen 38 Studierende in das Fach eingetragen, überwiegend Frauen.
Das Oberhaupt der bosnischen Muslime, Großmufti Mustafa Ceric, bezeichnete die Gründung des Zentrums als historisches Ereignis. Er überreichte Uni-Präsident Bernd Engler feierlich eine Ausgabe des Korans. Engler sagte, in Tübingen finde die islamisch-theologische Ausbildungsstätte ein ideales Umfeld. In den umliegenden muslimischen Gemeinden sei die Möglichkeit von Praktika für die Studierenden gegeben.
Bekir Alboga bezeichnete als Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland das Zentrum als Meilenstein von europäischer Bedeutung. Er flocht in seine Rede auch kritische Töne ein. Er bedauerte, dass die Muslime nach wie vor in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt seien. Deswegen dürften Angehörige der Religion auf dem Standesamt nicht die Konfession "muslimisch" eintragen lassen. Verwehrt werde den muslimischen Verbänden auch die Mitgliedschaft in den Rundfunkräten. Deshalb könnten Muslime zu wenig an der Meinungsbildung durch die Medien partizipieren. Die Konsequenzen daraus, sagte Alboga, sei ein sehr negatives Bild von Islam und Muslimen in Deutschland.
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Autor: RAIMUND WEIBLE | 17.01.2012
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