Gestohlene Pistole im Keller eines Beamten gefunden

Der Skandal um den Waffendiebstahl von Crailsheim zieht Kreise: Eine der vermissten Pistolen ist nach über drei Jahren bei einem Rathausmitarbeiter aufgetaucht.

ERWIN ZOLL |

Ein brisanter Fund beschäftigt Polizei und Verwaltung in Crailsheim. Die Ehefrau eines Rathausmitarbeiters hatte kurz vor Weihnachten beim Aufräumen im Keller ihres Hauses eine Pistole entdeckt - und die Polizei verständigt. Diese durchsuchte das komplette Haus sowie die Wohnung des städtischen Beamten, der getrennt von seiner Frau lebt. Weitere Waffen wurden dabei aber nicht gefunden.

Doch für den Mitarbeiter wird es nun ungemütlich: Gegen ihn wird ermittelt. Denn die Pistole der Marke Walther war laut Polizeiangaben im Frühjahr 2009 nach dem Amoklauf von Winnenden im Rathaus abgegeben worden. Bei einem Einbruch im Juni 2009 wurden 15 Pistolen samt Munition entwendet. Auch die Waffe, die jetzt aufgetaucht ist, wurde als gestohlen gemeldet - allerdings erst im September 2009, wie es im Rathaus am Freitag hieß. Der genaue Zeitablauf müsse noch rekonstruiert werden. Bis zur weiteren Klärung des Sachverhalts wurde der Beamte beurlaubt.

Der Mann war 2009 selbst bei der städtischen Waffenbehörde beschäftigt gewesen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem Mitarbeiter nicht nur eine Verurteilung wegen Unterschlagung und Verstoßes gegen das Waffengesetz, sondern auch disziplinarrechtliche Konsequenzen bis zur Aberkennung des Beamtenstatus und der Versorgungsansprüche. Sollte er zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt werden, hätte dies den Verlust des Beamtenstatus zwingend zur Folge.

Der Waffendiebstahl von Crailsheim hatte 2009 bundesweit Aufsehen erregt. Dadurch wurde bekannt, dass im Ordnungsamt geschlampt wurde - und dass Waffen, die nach dem Amoklauf von Winnenden zur Verschrottung abgegeben worden waren, weiterverkauft worden waren. Zwei Wochen nach dem Einbruch erklärte der Crailsheimer Oberbürgermeister Andreas Raab (CDU) seinen Rücktritt. Der Leiter des Ordnungsamts nahm sich im Juli 2009 das Leben. Wegen des Einbruchs wurde ein Drogenabhängiger zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Er hatte bei der Polizei angegeben, eine der Pistolen an einen Unbekannten verkauft zu haben.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Umfrage: Internet auf der ...

Stiller Ort zum Surfen: Die Toilette. Foto: Monika Skolimowska

In der einen Hand das Klopapier, in der anderen das Smartphone - für fast jeden Zweiten in Deutschland ist das einer Umfrage zufolge kein Problem. 45 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf der Toilette selten oder regelmäßig im Internet surfen. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr

Mückenplage droht – ...

Wo kommt sie vor? Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus).

Deutschland droht eine Stechmückenplage. Der Grund: das feuchtwarme Wetter. Experten bitten darum, Mücken zu fangen und einzusenden. mehr