Fall Bögerl: Kein Strafverfahren gegen Ermittler
Heidenheim. Die Anzeige eines Privatmanns gegen die Ermittler im Mordfall Bögerl hat keine Folgen: Die Oberstaatsanwaltschaft wird nicht ermitteln.
Ein Mann aus dem Stuttgarter Raum lässt keine Gelegenheit aus, um seine Theorien zum Heidenheimer Mordfall Bögerl zu verbreiten. Weil die Heidenheimer Polizei und die Staatsanwaltschaft Ellwangen in seinen Augen ihre Arbeit nicht sauber machen, hat er kürzlich sogar Strafanzeige gestellt - wegen Strafvereitelung. Die Oberstaatsanwaltschaft Stuttgart sieht die Sache anders: Für eine Strafvereitelung gebe es keine Anhaltspunkte, sagt ihr Sprecher Christoph Kalkschmid. Strafvereitelung sei, wenn jemand absichtlich oder willentlich einen Ermittlungserfolg vereitle und verhindere, dass der Täter bestraft wird. Die Oberstaatsanwaltschaft werde kein Ermittlungsverfahren einleiten.
Der zurückgewiesene Anzeigeerstatter lässt jedoch nicht locker. Nun will er die Fraktionen des Landtags anschreiben. Zuvor hatte er sich sowohl an die Soko als auch an überregionale Medien gewandt mit seinen Überlegungen zu dem so genannten "Zopfmann", der am Tag der Entführung Maria Bögerls sowohl in Schnaitheim als auch in Nietheim gesehen worden sein soll. Dieser, so der Anzeigeerstatter, hätte als Tarnung womöglich eine Perücke getragen. Das schließt er aus Aussagen von Zeugen, die den Mann gesehen haben. "Diese Möglichkeit in der Fahndung nicht zu erwähnen ist ein Versagen auf der Ebene des gesunden Menschenverstands", sagt der Mann.
Die Information sei bei der Polizei durchaus angekommen, sagt Polizeisprecher Horst Baur. Allerdings sei die Perücken-Theorie mit keinerlei Fakten belegt. "So können wir nicht operieren." Auch die Mitarbeiter der Soko machten sich Gedanken, welche Möglichkeiten in Betracht kämen. Dies seien aber lediglich Gedanken, die intern blieben, so lange es keine Fakten gibt. "Sie können davon ausgehen, dass ein Brainstorming stattfindet, wenn sich die Soko täglich zur Besprechung trifft." Der "Zopfmann" werde nach wie vor als Zeuge gesucht. Dass die Fahndung nicht offensiv wiederholt wurde, liege daran, dass die Polizei noch immer damit beschäftigt sei, die über 800 Hinweise dazu zu überprüfen. In der Region seien bereits alle möglichen "Zopfmänner", auf die es Hinweise gab, überprüft worden." "Die gesuchte Person war nicht dabei." Es seien auch Ersuchen an andere Polizeidienststellen heraus gegangen.
Die weiterhin zurückhaltende Informationspolitik der Polizei verteidigte Baur wiederholt: "Das wenige, das wir haben, können wir nicht der Öffentlichkeit preisgeben, weil wir sonst den Täter, sollten wir ihn finden, eventuell nicht überführen und dingfest machen können."
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: KARIN FUCHS | 11.08.2010
| Artikel twittern |
|
|
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Fall Bögerl: Spekulation über Leichenfund in Bayern
Ansbach/Heidenheim Eine Woche nach dem Fund eines toten 30-Jährigen in der Rezat bei Ansbach (Franken) berichtet die „Bild“-Zeitung über einen möglichen Bezug zum Fall Bögerl. Der aus Baden-Württemberg stammende Tote weise Ähnlichkeit mit dem per Phantombild gesuchten wichtigen Zeugen im Fall der entführten und ermordeten Maria Bögerl auf.... mehr
Ehepaar Bögerl in Franken beigesetzt
Herrieden/Heidenheim Die 2010 entführte und ermordete Maria Bögerl und ihr Ehemann sind in Franken beigesetzt worden. Angehörige und Freunde feierten eine Woche nach dessen Selbstmord einen Trauergottesdienst für Thomas Bögerl. Statt am früheren Wohnort des Paares in Heidenheim fand der Gottesdienst am Montag im fränkischen Herrieden statt, wo Thomas Bögerl Verwandte hatte.... mehr
Trauerfeier für Thomas Bögerl in Franken
Herrieden/Heidenheim Eine Woche nach seiner Selbsttötung haben Angehörige und Freunde am Montag bei einem Trauergottesdienst für den Mann der entführten und ermordeten Maria Bögerl Abschied genommen.... mehr
Der Fall Bögerl: Klage über die Polizei?
Heidenheim Der vor einer Woche erhängt aufgefundene Witwer der ermordeten Maria Bögerl hat sich einem Bericht des "Spiegel" zufolge bereits im Sommer 2010 über die Arbeit der Ermittler beschwert.... mehr
Bögerl-Kinder kritisieren Polizei in Todesanzeige
Heidenheim Drei Tage nach der Selbsttötung des früheren Bankiers Thomas Bögerl haben die Angehörigen die Polizei kritisiert. Bögerl, dessen Frau entführt und ermordet worden war, habe die «erfolglosen polizeilichen Ermittlungen», nicht mehr ertragen können.... mehr
Fall Bögerl: Polizei sucht nach Erklärungen
Heidenheim Die Polizei untersucht mit Hochdruck die Hintergründe des Selbstmords von Thomas Bögerl, dem Witwer der entführten und ermordeten Maria Bögerl - und fahndet nach einer blonden Frau und einem Mann mit Pferdeschwanz.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik
Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr
Neu-Ulmer Bordell-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe
Neu-Ulm Der in einem Neu-Ulmer Bordell aufgefundene Tote wird nicht obduziert. Die Polizei ist sicher: Der 36-Jährige starb durch einen autoerotischen Unfall. Derweil hat sich die Bordellchefin zu Wort gemeldet.... mehr
Inferno in der Hechinger Altstadt
Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr
Hechinger Brandruinen qualmen noch
Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr
Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell
Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

ZURÜCK
Kommentare (5)
Jeder hat das Recht sich selbst lächerlich zu...
Leider haben viele Genies (egal ob kriminalistisch, technisch oder künstlerisch) die Eigenschaft, sich mit Ihrem Eifer oder Borniertheit derart lächerlich zu machen, das sie für den Rest der Gesellschaft absolut unglaubwürdig werden.Wenn sich jemand (den dieser Mordfall eigentlich gar nichts angeht, ausser der eigenen Lust am Voyeurismus) dermassen hineinsteigert, dann frage ich mich schon was in solchen Köpfen vorgeht...
Bestes Beispiel das vor kurzem durch die Presse ging: Knöllchen-Horst
verleumderisch
@FdSWas Sie schreiben ist oberflächlich und verleumderisch.
Mit Spinnereien wie bei diesem "Knöllchen-Horst" habe ich nichts zu tun, dieser Mensch schickaniert pedantisch mit dem Buchstaben des Gesetzes Leute entgegen gerade dem Sinn jener Gesetze, die ja kein Selbstzweck sind sondern nur bestmöglich das Zusammenleben regeln sollen.
Sie schreiben oberflächlichen Unsinn, einfach besser informieren, z.B. hier http://www.schwaebische.de/forum/showthread.php?p=5364#post5364 dann sehen Sie, DIE POLIZEI SELBST HAT DIE HERAUSRAGENDE QUALITÄT MEINER HINWEISE BESTÄTIGT, einfach indem sie meine Fahndungstipps wie z.B. Stichwort "Touristenfotos aus Kloster Neresheim" 1:1 als tragende Säule ihrer gesamten Fahnung übernommen haben.
Das sind Fakten. Ich verbitte mir oberflächliches verleumderisches Geschwätz. Ich bin kein dummes Herdentier aber auch keine anerkannte Führungsfigur, deshalb versuchen bestimmte Herdenmitglieder mich anzurempeln. OK, aber dabei nicht die REALITÄT ignorieren.
Gesunder Menschenverstand (3)
Dass Behörden oft versuchen sich gegenseitig zu decken ist bekannt. Es ist für den Fall kein Nachteil wenn nun die Landespolitik in Kenntnis gesetzt wird. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine Positionierung und hätte der Zopfmann letztlich doch eine Perücke gehabt, dann hätte der ganze Landtag (oder je nachdem) auf der Ebene des gesunden Menschenverstands versagt und dann ist nichts mehr wie vorher in der Politik dieses Landes.http://www.schwaebische.de/forum/showthread.php?p=5441#post5441
Die Wahrscheinlichkeit einer Perücke nicht mal als Möglichkeit zu erwähnen ist für die Ermittlungen eine Katastrophe. Ein Zopf braucht lange Zeit zum wachsen. Kennt jemand eine ihm sonst hochgradig verdächtige Person, wirkt dieser Zopf wie eine Denkblockade, wenn z.B. der Zeuge 100% auschliessen kann dass eine ihm verdächtige Person je einen Zopf hatte. Hört dieser Zeuge jedoch den Gedankengang mit der Perücke, kann sein er meldet sofort wichtige Beobachtungen, denn dann wird maches erst MÖGLICH.