Eine Welle, kein Tsunami
Freiburg. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden in den Gymnasien des Landes die G8- und die G9-Schüler zusammengeführt, um gemeinsam 2012 das Abitur zu machen. Schulen und Unis bereiten sich darauf vor.
Jetzt sind erstmal Ferien, und die meisten Schülerinnen und Schüler wollen noch keinen Gedanken daran verschwenden, was in sechs Wochen ist. Doch es gibt ein Leben nach den Ferien, und in den Gymnasien des Landes wird das etwas anders verlaufen als bislang. Denn mit Beginn des neuen Schuljahres werden die jetzigen Zehntklässler, die schon nach zwölf Jahren Abitur machen (G8) und die Elftklässler, die noch den "alten Weg" über 13 Jahre beschreiten (G9), aufeinandertreffen, um gemeinsam 2012 das Abi zu bauen.
In den nächsten zwei Jahren könnte es daher in den Schulen eng werden und danach auch in den Unis. Nach Aussage eines Sprechers des Kultusministeriums werden 2012 rund 75 000 Abiturienten die Schulen im Land verlassen. Bislang waren es 48 000. Das sind 27 000 Abiturienten mehr als sonst. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass alle in die Hochschulen drängen.
Die Vorbereitungen auf den künftigen Ausnahmezustand laufen seit Jahren, die Verantwortlichen blicken dem neuen Schuljahr entspannt entgegen. Es gebe keinen Grund zur Sorge, sagte Schulamtspräsident Siegfried Specker in Freiburg vor der Presse. Die Gymnasien seien gut vorbereitet: Im Schuljahr 2010/11 stehen im Land zusätzlich rund 70 Lehrer zur Verfügung. Im folgenden Schuljahr, dem eigentlichen Abitursjahr, werden weitere 115 zusätzliche Lehrkräfte für die Schüler da sein. Dafür investiert das Land nach Auskunft des Kultusministeriums 8,8 Millionen Euro zusätzlich. Für die Oberstufenberatung aller Schülerinnen und Schüler sind in beiden Schuljahren je rund 50 Lehrerstellen zusätzlich eingerichtet, also insgesamt nochmals 100 Deputate. Das kostet das Land weitere 6,3 Millionen Euro. So werden in den nächsten zwei Jahren 285 Lehrer mehr an den Gymnasien präsent sein.
Doch damit ist es nicht getan, es müssen auch Räume und Lehrmittel zur Verfügung stehen. Auch da gibt Specker Entwarnung: Die Gymnasien seien angehalten, ihren Lehrbetrieb straff durchzuorganisieren, Fachräume sollten an allen Schultagen "durch sorgfältige Stundenplangestaltung voll ausgelastet werden". Es ist nicht bekannt, dass an einer Schule angebaut werden müsste.
Obwohl die G8-Schüler bis zum Abitur 2012 ein Jahr weniger Unterricht hatten, werden sie die gleichen Prüfungsfragen beantworten müssen wie die vom G9. Die Fragen werden aus den Unterrichtsinhalten gestaltet, die alle Schüler bearbeitet haben. "Deshalb kann versichert werden, dass keiner der beiden Jahrgänge G8 und G9 durch die Themenstellung in der schriftlichen Abiturprüfung bevorzugt oder benachteiligt wird", heißt es.
Auch die Unis im Land sind auf den zu erwartenden Ansturm der Studienanfänger vorbereitet: Das Ausbauprogramm "Hochschule 2012" des Landes sieht vor, dass bis 2012 nach und nach 16 000 zusätzliche Studienanfängerplätze zur Verfügung stehen, "wobei der Schwerpunkt der Ausbaumaßnahmen bei den Fachhochschulen und der Dualen Hochschule gelegt wurde", hieß es gestern. Jeder, der im Land studieren möchte, wird dies tun können, wird versichert. Das klingt aufmunternd, doch schon jetzt herrscht an einigen Unis im Land in bestimmten Studiengängen Gedränge. In Freiburg soll es in den nächsten Jahren nicht enger werden, als es sowieso schon ist, versichert der Prorektor für Lehre, Heiner Schanz.
Die Uni hat im Rahmen des Ausbauprogramms "Hochschule 2012" die Kapazitäten etwa in den Studiengängen Psychologie, Rechtswissenschaft, Sinologie, Mathematik und Chemie ausgebaut, so dass die Zulassungen in den Fächern erhöht werden können. Außerdem werden seit dem Wintersemester 2009/10 neue Studiengänge angeboten, im neuen Wintersemester sollen weitere folgen. Außerdem habe die Uni 300 000 Euro in den Ausbau eines multimedialen Informationssystems investiert, sagte ein Sprecher. Mit ihm könnten sich Studieninteressierte umfassend informieren. Er sieht den Ansturm der Abiturienten gelassen: "Das wird eine Welle werden, aber kein Tsunami."
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Autor: PETRA WALHEIM | 30.07.2010
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