Ein Tisch, der überall steht
Ihringen. Martin Bühler ist Gastronom in Ihringen am Kaiserstuhl. Beim Joggen kam ihm die Idee, wie er einen Bistro-Tisch konstruieren kann, der auch auf unebenem Gelände gerade steht. Der Tisch ist bereits patentiert.
An lauen Sommerabenden wird gern im Garten gefeiert. Grills werden angeworfen, Gäste eingeladen und Tische aufgestellt. Gärten haben aber oft die Eigenart, dass der Boden nicht eben ist. Auf buckligem Untergrund Tische aufzustellen, kann zur Wackelpartie werden. Ist der Garten sogar abschüssig, haben Tische mit herkömmlichen, feststehenden Beinen keine Chance. Dieses Problem hatte auch Martin Bühler aus Ihringen am Kaiserstuhl (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) vor fünf Jahren bei seinem ersten Sommerfest auf dem Lenzenberg. Bühler betreibt auf dem Bergrücken ein Restaurant, das Rasthaus Lenzenberg. Es steht auf einem Fleckchen Erde, das ohne Übertreibung als paradiesisch bezeichnet werden darf: mit Blick auf Weinberge, die Rheinebene, den Schwarzwald und die Vogesen. Bühler ist Koch und Gastronom, "und ich bin ein Tüftler", sagt er von sich.
Bei diesem ersten Sommerfest vor fünf Jahren standen seine Gäste auf abschüssigem Gelände an wackligen Tischen und trauten sich nicht, die Gläser abzustellen. "Die Leute konnten entweder nicht tanzen oder sie haben nichts getrunken", sagt er. Das ließ dem Badener keine Ruhe. Beim Joggen durch die Weinberge fand er schließlich die Lösung: "Die Geburtsstunde für den Bistro-Tisch dauerte 30 Minuten", erinnert sich der 49-Jährige. "Dann wusste ich, wie ich es machen muss." Den ersten Tisch hat er provisorisch aus einem Regenrohr, zwei Halbkugeln und drei Rohren für die Füße zusammengezimmert. "Das hat auf Anhieb geklappt", sagt Bühler. Der Tisch stand sofort auf fast jedem Gelände wie eine Eins. Dann hat er einen Profi eingeschaltet: Der Metallbauer Werner Köbele baute den Prototyp des Bistro-Tischs "Standgenau". So nennt Bühler seine Konstruktion.
Das Geheimnis des Tischs ist das Innenleben. Er besteht aus drei Teilen: der drehbaren Tischplatte, dem hohlen Tischbein und den Füßen. Füße und Bein sind mit einem Kugelgelenk verbunden. Ein Gewindegestänge im Tischbein hält beides zusammen. Wird die Tischplatte nach links gedreht, öffnet sich die Arretierung zwischen Tischbein und -füßen. Das Kugelgelenk kann so ausgerichtet werden, dass die Tischplatte waagrecht steht. "Geübte machen das nach Augenmaß, für die anderen gibt es eine kleine Wasserwaage", sagt Bühler.
Steht der Tisch gerade, wird die Platte nach rechts gedreht, die Arretierung schließt sich und zurrt die Füße fest. Der Tisch steht. Bühler führt das an verschiedenen Stellen vor: an Treppen, an einem Hang, auf holprigem Untergrund. "Ideal ist das auch für Kopfsteinpflaster", sagt Bühler. Ein Winzer nutzt den Tisch für Weinproben direkt in den Rebbergen. Auch im Schnee und am Meeresstrand wurde der Tisch schon getestet. Besonders gut geeignet ist er für Menschen mit zwei linken Händen: "Man muss sich nicht bücken, muss nichts schrauben, braucht kein Werkzeug." Aufgebaut ist er nach Bühlers Meinung genauso schnell wie der herkömmliche Bistro-Tisch, der zusammengeklappt werden kann. Sein Tisch wird auseinandergeschraubt, in drei Teilen transportiert und ruckzuck wieder zusammengebaut.
Der Badener hat seine Erfindung 2008 zum Patent angemeldet. Das Europa-Patent hat er schon länger. Die Bestätigung für das Amerika-Patent hat er erst vor wenigen Wochen erhalten. "Die haben zwei Jahre lang geprüft, ob es das nicht schon gibt", erzählt der Gastronom. Die Prüfer haben aber nichts Vergleichbares gefunden.
Während noch geprüft wurde, hat Martin Bühler mit seinem Tisch Furore gemacht: 2009 hat er damit in Hamburg den Gastro-Vision-Förderpreis gewonnen. Im gleichen Jahr bekam er beim Arthur-Fischer-Erfinderpreis eine Anerkennung.
Bis jetzt gibt es etwa 20 dieser Tische. Die meisten stehen bei Bühler auf dem Lenzenberg und sind ganz unterschiedlich: Es gibt runde und viereckige Platten, Tische mit drei und vier Füßen, lackiert und in rohem Edelstahl. Einen hat er an einen Grillfan in Hamburg verkauft. "Der hat einen Tisch mit Steinplatte gekauft und verwendet ihn als Grilltisch." Bühler hält seinen Tisch für unverwüstlich. "Tischbein und -füße sind aus hochwertigem Edelstahl." Für die Platte gibt es verschiedene Materialien.
Die Vermarktung läuft jetzt erst an. "Ich lass es langsam angehen", sagt Bühler. Ihm ist es wichtig, dass sein Tisch im Badischen produziert wird. Aus China hat er zwar auch schon ein Angebot bekommen, doch das lockt ihn nicht. "Das ist kein Null-acht-fünfzehn-Tisch. Ich möchte, dass er hier in der Region produziert wird", sagt er.
So als Tüftler hat er auch schon ein neues Projekt laufen: Er entwirft zurzeit ein automatisches Zelt für seine Terrasse. Ihringen gilt zwar als wärmster Ort Deutschlands, doch im Winter kann es auch am Kaiserstuhl kühl werden. Und der verregnete Sommer gab ihm zusätzlichen Antrieb. Deshalb hat Bühler ein System entwickelt, mit dem die Terrasse innerhalb von zehn Minuten mit einer Plane automatisch überdacht werden kann.
Wenn Martin Bühler nicht tüftelt, steht er in seinem Lokal in der Küche. Dort experimentiert er nicht. "Es gibt bodenständige, badische Küche", sagt er. Seine Frau Brigitte, "mein Goldstück, das mir drei Kinder geschenkt hat", unterstützt ihn. Sie hält ihn für ein bisschen verrückt und leicht chaotisch. Aber ohne das wird nichts erfunden.
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Autor: PETRA WALHEIM | 01.09.2011
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Martin Bühler aus Ihringen und seine Erfindung: ein Bistro-Tisch, der auf jedem noch so unebenen Gelände gerade steht. Foto: Petra Walheim
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