Ein Ratzefummel zum Andenken

Freiburg.  In vier Tagen besucht der Papst Freiburg. Die Freude darüber hält sich unter den Badenern in Grenzen. Die Besucher, die schon in der Stadt sind, haben ihren Spaß an den Souvenirs. Manche sind sehr ausgefallen.

Nur wenige Plakate in Freiburg weisen auf das Ereignis am kommenden Wochenende hin: Papst Benedikt XVI., Oberhaupt der Katholiken, kommt am 24. und 25. September in die Stadt. Auch in Warenhäusern und Läden treten der Papst und sein Besuch nur dezent in Erscheinung. "Die meisten Freiburger interessiert das nicht", lautet die Auskunft in einem Geschäft. Die Freiburger verhielten sich gegenüber Honoratioren schon von jeher kritisch und distanziert. Deshalb breche auch jetzt nicht der große Jubel aus.

Papst Benedikt wird am Samstagmittag im "Papamobil" für wenige Minuten in der Innenstadt unterwegs sein und das Münster besuchen. Dafür werden der Münsterplatz und einige Gassen gesperrt. Die Markthändler, die jeden Tag am Münster stehen, sind genervt, weil sie schon am Mittwoch ihre Stände räumen müssen. "Ich habe nichts dagegen, dass der Papst nach Freiburg kommt", sagt eine Marktfrau. Aber sie störe, dass deswegen das öffentliche Leben lahmgelegt werde.

Die Geschäfte dicht am Münster müssen bis 15 Uhr geschlossen bleiben. Erst danach dürfen sie öffnen. Doch es ist zu bezweifeln, dass viele Besucher in der Stadt sind. Die Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen sind enorm. Die großen Menschenströme werden auf das Messegelände geleitet, wo am Samstagabend eine Gebetsnacht für Jugendliche stattfindet und am Sonntagmorgen ein Gottesdienst.

Mehrere Zonen sind für den Autoverkehr gesperrt, die Freiburger werden in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. Solange der Papst am und im Münster ist, ist Ausgang für Anwohner nur in Begleitung eines Polizeibeamten erlaubt, weder Fenster noch Balkontüren dürfen geöffnet werden. Das bringt viel Verunsicherung und beschert den Beamten der Polizeidirektion Freiburg an ihrem Infostand in der Tourist-Information im Rathaus viele Anfragen. Die Leute sind genervt und haben deshalb auch kein Auge für den Stand gleich daneben. Dort wird Papstwein verkauft: ein 2010er Spätburgunder Rotwein und ein Chardonnay. Auf den Etiketten ist die Spitze des Freiburger Münsters abgebildet - nicht der Papst. Noch sei das Interesse nicht sehr groß, sagt Doris Pfistner von der Winzergenossenschaft Opfingen, die den Wein präsentiert. Doch sie rechnet damit, dass mit dem Papst-Fieber auch das Interesse an Souvenirs steigt.

Reißenden Absatz findet schon länger der "Ratzefummel", ein weißer Radiergummi mit dem aufgedruckten Gesicht des Papstes. "Kleine Sünden einfach wegradieren", bewirbt das Spielwarengeschäft den Radierer. "Jeder will ihn haben", sagt Mitarbeiterin Marianne Faller. Er sei nicht speziell für den Papst-Besuch erfunden worden. Schon seit 2006 gebe es den "Ratzefummel". Ein Journalist aus Bayern sei auf die glorreiche Idee gekommen. Nun, zum Papst-Besuch, sei er ein Renner.

Das kann vom "Papst-Bär" nicht behauptet werden. Im Souvenir-Laden am Münster sitzt er mit seinem kleinen Bruder im Schaufenster, angetan mit Messgewand, Mitra auf dem Kopf, Kreuzstab in der Pfote. "Sowas kauft doch kein Mensch", meint ein Passant, als er die Bären sieht. Da täuscht er sich. Obwohl der große Bär 295 Euro kostet, hat Ulla Herrmann schon zwei verkauft. "Die Hersteller-Firma hat einen Bären an Papst Benedikt geschickt", erzählt sie. Von einer Reaktion weiß sie nichts. Außer den Bären gibt es in ihrem Laden Papst-Servietten und Vatikan-Flaggen.

Neben dem Münster steht der offizielle Souvenir-Stand der Erzdiözese. Tassen, T-Shirts, Kerzen und Kappen mit dem Motto "Wo Gott ist, da ist Zukunft" gibt es. Natürlich auch Rosenkränze und Gedenkmedaillen. "Die Rosenkränze werden am meisten gekauft", sagt die junge Frau am Stand.

Sie stammen wie alle anderen offiziellen Produkte von der Dortmunder Firma IVS GmbH. Sie hat die Ausschreibung der Bischofskonferenz gewonnen. "Das Sortiment ist dann in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber entstanden", sagt Projektleiter Ole Stach. Er wird die Papsttour durch Deutschland mit seinem Team von 70 Leuten begleiten. Bei allen Stopps werden mehrere Stände aufgebaut. Es ist ein bisschen wie bei einer Rocktournee und das ist eigentlich auch das normale Geschäft der IVS. Sie verkauft sonst auf Konzerten von U2, AC/DC oder den Rolling Stones Fanartikel.

Die Einnahmen beim Souvenirverkauf werden mit den Kosten für den Besuch des Papsts verrechnet, sagt eine Sprecherin der Bischofskonferenz auf Anfrage. "Dass wir Gewinn machen, ist aber unwahrscheinlich."

Das ist auch ein Hauptthema unter den Passanten am Stand in Freiburg: die Kosten für den Papst-Besuch, die in die Millionen gehen.


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Autor: MANUEL BOGNER PETRA WALHEIM | 20.09.2011

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