ENBW will Demontage von Atommeilern weltweit vermarkten

Für den Rückbau ihrer Atomkraftwerke muss die ENBW viele Millionen investieren. Zugleich wittert das Unternehmen ein lukratives Geschäft, für das eigens eine Firma gegründet wurde.

HANS GEORG FRANK |

Auf einen "oberen zweistelligen bis unteren dreistelligen Millionenbetrag" schätzt Jörg Michels die Kosten der Infrastruktur für den Rückbau der Atomkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim. Die Investition ist nach Angaben des Geschäftsführers der ENKK, der für Kernkraftwerke zuständigen Tochter der Energie Baden-Württemberg AG, notwendig, um die Voraussetzungen für eine vollständige und effektive Beseitigung der insgesamt vier Meiler zu schaffen. An beiden Standorten sollen "Reststoffbearbeitungszentren" und Abfalllager errichtet werden. Ohne diese Einrichtungen, geplant auf dem Gelände der Kraftwerke, sei ein Rückbau "nicht möglich", betonte Michels am Montag, um Kritikern schon im Vorfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die ENBW hat sich in ihrer Rückbaustrategie für die vollständige Beseitigung der Atomkraftwerke entschieden. Was derzeit in Obrigheim vorgemacht wird, soll so, freilich in größerem Maßstab, auch in Philippsburg und Neckarwestheim folgen. In den beiden Kommunen betreibt die ENBW noch je ein Kernkraftwerk (GKN 2 und KKP 2), die älteren Reaktoren GKN 1 und KKP 1 sind seit der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 abgeschaltet. Fallen in Obrigheim rund 275 000 Tonnen Abbruchmaterial an, so rechnet Michels für die Einser-Blöcke in Philippsburg und Obrigheim mit dem Anderthalbfachen dieser Menge, für die neueren Zweier-Blöcke gar mit dem Dreifachen. Etwa ein Prozent dieses sehr speziellen Bauschutts sei radioaktiver Abfall.

Damit möglichst viel dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden kann, werden die Materialien getrennt. Dies geschieht auf 5000 Quadratmeter in den Reststoffbearbeitungszentren. Was nicht auf eine herkömmliche Deponie gebracht werden kann, kommt in ein angrenzendes Abfalllager. Dort bleibt der verstrahlte Müll bis zur Fertigstellung des Endlagers im "Schacht Konrad" bei Salzgitter. Dieses kann allerdings frühestens 2021 genutzt werden. "Es wird bereits über weitere Verzögerungen diskutiert", sagte Michels.

Wo das Endlager für die hochradioaktiven Abfälle wie ausgemusterte Brennelemente entstehen soll, steht noch nicht fest. Eine pluralistisch besetzte Kommission soll sich darum kümmern. Getan hat sich jedoch noch nichts. "Wir drängen darauf, dass die staatlichen Stellen ihrer Verantwortung nachkommen", sagte Jörg Michels.

Um die Rückbau-Kosten niedrig zu halten, will die ENBW große Anlagenteile wie Dampferzeuger und Wärmetauscher aus Philippsburg nach Neckarwestheim schaffen und dort zerstückeln lassen. Was davon übrig bleibt, werde nicht in Neckarwestheim deponiert, versicherte Michels. Er geht davon aus, dass das Ziel einer "grünen Wiese" an den AKW-Standorten frühestens in 20 Jahren erreicht ist.

Die ENBW will ihr Know-How nicht allein für eigene Reaktoren nutzen. Mit einer eigens gegründeten Firma ("Gesellschaft für nukleares Reststoffrecycling mbH") soll das Konzept weltweit vermarktet werden. Die erste Suche nach einem potenten Partner ist allerdings gescheitert. Die im vergangenen Jahr begonnenen Gespräche mit dem Baukonzern Bilfinger in Mannheim seien "in beiderseitigem Einvernehmen" beendet worden. Über die Gründe sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Michels.

Nach Aus für Atomstrom bleibt der radioaktive Abfall

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