"Die Verbraucher wollen keine Gentechnik"
Alexander Bonde, Minister für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz, fordert mehr Geld für den Naturschutz. Ein Gespräch über Gentechnik und die Resonanz der Landwirte auf einen grünen Minister.
Uni-Städte gelten als Grünen-Hochburgen. Warum wollte Ihre Partei den Agrarminister stellen?
ALEXANDER BONDE: Die Landtagswahl hat gezeigt, dass die Grünen auch außerhalb der Großstädte viele Wähler haben. Und gerade im ländlichen Raum können wir die Zukunft gestalten. Dort gibt es zum Beispiel das größte Potenzial für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Gleichzeitig bringt die Energiewende in der Fläche Wertschöpfung und viele Jobs. In anderen Bundesländern ist der ländliche Raum wirtschaftlich von den Ballungszentren abgehängt. In Baden-Württemberg ist das nicht der Fall. Um die Erfolgsgeschichte des Landes fortzuschreiben, brauchen wir weiter einen starken ländlichen Raum.
Sie beackern ein Feld, das als CDU-Domäne galt. Wie ist die Resonanz auf den grünen Minister?
BONDE: Gut. Auch viele, die die Grünen bislang skeptisch beäugt haben, suchen nun das Gespräch. Ich bin jedenfalls noch nie mit der Mistgabel von einem Hof verjagt worden. Viele sehen doch, dass die CDU-Agrarpolitik des "immer mehr, immer größer, immer billiger" nicht zu Baden-Württemberg mit seinen vielen familiengeführten Kleinbetrieben passt.
Nun müssen Sie den Landwirten klarmachen, dass EU-Fördermittel vorzeitig erschöpft sind. Wie reagieren die Betroffenen darauf?
BONDE: Das ist für die Landwirte wie auch für uns richtig bitter. Die Branche und wir müssen den Preis dafür zahlen, dass Schwarz-Gelb die bis 2013 gedachten EU-Fördermittel vorzeitig bis zum Wahljahr 2011 ausgegeben und uns ein 33-Millionen-Euro-Loch hinterlassen hat. Brüssel wird uns das nicht ersetzen, und im Landesetat fehlen dafür - Stichwort Schuldenbremse - auch die Mittel. Wir verhandeln gerade mit der Europäischen Kommission und den Bauernverbänden, um den Schaden so gut wie möglich zu begrenzen.
Ein anderes Aufregerthema ist der geplante Nationalpark im Schwarzwald.
BONDE: Der Plan für einen Nationalpark stand bereits im Naturschutzkonzept der schwarz-gelben Vorgängerregierung. Wir wollen das nun im Nordschwarzwald umsetzen - aber nur gemeinsam mit der Region. Um die Bevölkerung vor Ort einzubinden, haben wir in diesen Tagen 120 000 Haushalte angeschrieben und um Fragen und Antworten gebeten. Meine Position ist eindeutig: Ein Nationalpark könnte nicht nur zum Stopp des Schwunds der Artenvielfalt beitragen, sondern dem Nordschwarzwald einen wichtigen Impuls für Tourismus und Handel geben.
Wollen Sie Baden-Württemberg zur gentechnikfreien Zone erklären?
BONDE: Das würde ich gerne hier und jetzt tun, aber bisher fehlt mir als Landesminister leider die Kompetenz dafür. Die Bundesregierung muss den Ländern endlich die entsprechenden Handlungsmöglichkeiten einräumen. In Baden-Württemberg werden derzeit zum Glück keine genveränderten Organismen mehr angebaut. Mein Ziel ist, dass das so bleibt. Ich kann jedem Landwirt nur abraten, sich auf grüne Gentechnik einzulassen. Die Verbraucher wollen das nicht und die Haftungsrisiken sind unkalkulierbar.
Der Nabu will 100 Millionen Euro mehr für Naturschutz. Was steht auf Ihrer Wunschliste für den Etat 2012?
BONDE: Im Naturschutz müssen wir dringend mehr machen. Schon die Vorgängerregierung hat für den Erhalt der Artenvielfalt mehr Geld versprochen, aber keinen zusätzlichen Cent eingeplant. Ich werde mich dagegen in den Etatberatungen für Zusatzmittel stark machen. Auch die Stärkung der Lebensmittelkontrolle steht ganz oben auf meiner Prioritätenliste. Aber ich will keine Traumschlösser bauen, sondern Pläne vorlegen, die sich mit einer soliden Haushaltspolitik vereinbaren lassen.
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Autor: ROLAND MUSCHEL | 10.09.2011
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Fühlt sich als Grüner in einer ehemaligen CDU-Domäne gut aufgehoben: Landwirtschaftsminister Alexander Bonde. Foto: Lars Schwerdtfeger
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