Bund prüft Bau der Großen Wendlinger Kurve

Schon S-21-Schlichter Heiner Geißler hatte die Große Wendlinger Kurve gefordert. Gebaut wird aber zunächst eingleisig. Der Bund prüft, die zweigleisige Variante in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

FABIAN ZIEHE | 3 Meinungen

Von einem „Hoffnungsschimmer“ spricht Matthias Gastel. Und keiner, der sich wie der grüne Bundestagsabgeordnete mit der Anbindung der Tübinger Bahn an die Schnellbahntrasse nach Stuttgart beschäftigt, wagt mehr Euphorie. Bemerkenswert ist dennoch, was das Bundesverkehrsministerium in einem Brief an ihn zur „Wendlinger Kurve“ erklärt: Berlin schließt nicht mehr aus, dass eine bessere Anbindung des Zugverkehrs der Region Neckar-Alb an Stuttgart 21 kommen wird. Projektgegner fordern dies schon seit vielen Jahren.

Der „zweigleisige Ausbau des Abzweigs Neckartal“, so schreibt der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) an Gastel, werde „in das mehrstufige Bewertungsverfahren für den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen“ – wie alle Vorschläge der Studie „Deutschland-Takt“. Diese belegt die Machbarkeit eines „integralen Fahrplans“, regelmäßigen Verbindungen zwischen großen Städten gepaart mit optimalen Umsteigemöglichkeiten. In der Schweiz ist das schon Realität, in Deutschland braucht es dafür noch eine bessere Schieneninfrastruktur.

Im Oktober noch hatte das Ministerium erklärt, in Wendlingen (Kreis Esslingen) werde nur der Ausbau einer Weiche erwogen. Nun, „nach Rücksprache mit den Verfassern der Machbarkeitsstudie“ habe man erkannt, dass die Experten auch die zweigleisige Variante „Große Wendlinger Kurve“ fordern. Also prüfe man die Aufnahme des Vorhabens in den Verkehrswegeplan. Paradox ist: Noch gibt es gar keine Wendlinger Kurve, sie wird erst gebaut. Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sieht an der Kreuzung von Schnellbahnstrecke und Tübinger Trasse eine eingleisige Einschleifung vor. Züge sollen die Kurve in beide Richtungen befahren. Bei viel Betrieb könnten sich Schnell- und Regionalbahnen so gegenseitig blockieren.

„Jetzt muss mal die Politik in die Pötte kommen“, sagt Gastel. Das Ministerium schiebe die Veröffentlichung des Verkehrswegeplan-Entwurfs seit Monaten vor sich her. Er hat ohnehin kaum Hoffnung, dass eine Große Wendlinger Kurve zusammen mit S 21 realisiert wird. „Im besten Fall bekommt dieses Schienenstück eine faire Chance.“

Diese sieht die Bahn eh nicht mehr. Die Bauvergabe für den Bauabschnitt bei Wendlingen laufe schon. Nur als „nachgelagertes Projekt“, so ein Sprecher, sei die verbesserte Variante denkbar. An Unterstützern für so ein Projekt mangelt es nicht. Die Kurve sei für die Region „das Tor oder das Nadelöhr zur Welt“, sagt Tübingens OB Boris Palmer (Grüne). Er hatte schon 2010 in der S-21-Schlichtung die zweigleisige Variante gefordert. Auch Reutlingen, so ein Sprecher, habe weiter starkes Interesse an einer Großen Wendlinger Kurve.

Auch im Landtag findet die Variante nur Unterstützer. Seitens der Koalition ohnehin: „Die eingleisige kleine Wendlinger Kurve war von Anfang an falsch angelegt“, sagt der grüne Verkehrsexperte Andreas Schwarz. Klar sei, wer nun in der Pflicht sei: „Es ist Aufgabe des Bundes, auch bei Wendlingen eine leistungsgerechte Schienenverbindung sicherzustellen.“ Die FDP hatte schon nach Veröffentlichung der Studie gefordert, in Wendlingen umzuplanen. Nun sagt auch die CDU-Abgeordnete Nicole Razavi: „Wenn die Große Wendlinger Kurve im Rahmen des Deutschland-Takts kommt, begrüßen wir das sehr.“

Dem Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland, Matthias Lieb, stoßen die Sympathie-Bekundungen bitter auf. Erst werde die schlechtere Variante gebaut, um womöglich später für viel Geld nachzurüsten. Vor ein paar Jahren unter schwarz-gelber Ägide hätte man gleich die bessere Variante auswählen können. „Das ist natürlich ein Schildbürgerstreich – aber so ist das ganze Bahnprojekt aufgebaut.“

3 Kommentare

01.12.2015 13:32 Uhr

Man kann den Sekt im Keller lassen

"Aufnahme in den Bundes-Verkehrswegeplan" bedeutet so gut wie nichts. Da stehen so manche Projekte drin. Wie man am Beispiel der Elektrifizierung der Südbahn sehen kann, vergehen meist Jahrzehnte, bis eine Umsetzung mal ernsthaft angegangen wird.

Die zweigleisige Wendlinger Kurve jetzt zu bauen würde unter dem Strich eine Menge Geld sparen. Doch das würde auch weniger Aufträge für die Bauwirtschaft bedeuten und ist somit nach Merkel'scher Lesart zu vermeiden. Je umständlicher, desto besser.

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01.12.2015 22:31 Uhr

S21 und die vielen "Wendlinger Kurven"

Wenn es um die Projektkosten für Stuttgart 21 geht, gab sich die Deutsche Bahn (DB) im September 2011 - also noch vor der VA - felsenfest überzeugt, der Gesamtetat von maximal 4,5 Milliarden Euro (Bau- und Planungskosten inklusive Risikofonds) werde nicht überschritten. Und dies, obwohl regelmäßig neue Kosten etwa beim Ausbau des Grundwassermanagements oder den Umbaumaßnahmen der Stadtbahn bekannt wurden.

"SMA-Chef Werner Stohler hält die Planung für die Wendlinger Kurve gleichwohl für zu gering dimensioniert. In der derzeitigen Variante seien zwei Züge pro Stunde und Richtung zwar zulässig. Der dritte vom Land zu bestellende Zug in der Spitzenstunde sei aber "die auslösende Ursache für einen kreuzungsfreien Ausbau", lässt sich im Stresstest-Testat nachlesen." (...)

Seine Aussage war klar, zwei Züge/h von Tübingen über die NBS geht, mehr nicht. Das Land hätte aber gern drei Züge. Die Kosten hierfür sind auch klar (70 Mio. Euro). Ein dritter Zug in der Spitzenstunde verkraftet aber das System nicht.

Da zeigt sich abermals, wie sehr S21 auf Kante geplant und genäht ist. Ein weiterer Zug ... und schon klappt es nicht mehr. Was ist denn das für eine Planung? Da werden Milliarden verplempert und ein einziger Zug mehr auf einer bestimmten Strecke verkraftet das Schienennetz nicht mehr.

Das ist keine zukunftsorientierte Planung, das ist Pfusch. Es ist schon ziemlich dreist von der DB, zu verlangen, dass die über das absolute Minimum hinausgehenden Baumaßnahmen - Beispiel drittes Gleis im S-Bahn-Flughafenbahnhof - die anderen Projektpartner bezahlen sollen.

Doch das Volk hat ja gesagt zu Schrott 21. Das Volk will es so haben, also kriegt es ihn auch. Soll doch keiner sagen, dass die Risiken und Folgekosten dieses schizophrenen Bahnrückbauprojekts nicht schon lange bekannt gewesen wären.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wendlinger-kurve-fuer-stuttgart-21-sparvariante-ist-bei-der-bahn-umstritten.539c2d1b-41cc-472e-b412-6c1007ba272e.html

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04.12.2015 23:19 Uhr

Südwesten durch Stuttgart 21 abgehängt

Ein Münchner Informatikprofessor sieht Stuttgart und Ulm vom geplanten Deutschland-Takt abgehängt. Er beruft sich auf eine Studie des Bundesverkehrsministeriums. Schuld sei Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm.

Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm würden keine Verbesserung für den Südwesten bringen lautet auch ein Mantra der Gegner des Bahnhofsumbaus. Im Gegenteil: Die beiden Milliardenprojekte verschlechtern nach Ansicht der Kritiker die Situation für die Bahnkunden. Bestärkt in dieser Analyse fühlt sich nun die Initiative Parkschützer – ausgerechnet durch eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums. (...)

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.fahrplan-s-21-gegner-sehen-den-suedwesten-abgehaengt.421e2f88-f178-4a08-973b-14462b6f9bb6.html

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Themenschwerpunkt

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Neubaustrecke

Stuttgart/Ulm: Die Bahn preist Stuttgart 21 und die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm als zukunftsweisendes Projekt an, Kritiker widersprechen. Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel zur Neubaustrecke und Stuttgart 21.

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