Brustkrebs-Screening hilft Leben retten
Tuttlingen. Seit 2007 werden Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren zur Mammographie eingeladen. Obwohl nur 54 Prozent teilnehmen, gilt das Modell als Erfolg.
"Das Mammographie-Screening ist ein Erfolgsmodell." Die Radiologin Sabine Auer, die das bundesweite Programm für die Region Süd-Württemberg leitet, sagt warum: Das Screening ermöglicht, dass bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren auch kleinste Tumore in der Brust frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Langfristig soll so die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs gesenkt werden.
Obwohl seit 2007 alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu der Reihenuntersuchung eingeladen werden, nehmen nur 53,7 Prozent daran teil. Im Bundesvergleich ist das zwar eine überdurchschnittliche Teilnahmequote, für die verantwortlichen Radiologen und für Gerlinde Kretschmann, die Frau des Ministerpräsidenten, ist sie aber zu gering.
Um den Frauen Mut zu machen, die kostenlose Untersuchung alle zwei Jahre in Anspruch zu nehmen, hat Gerlinde Kretschmann gestern im Kreisklinikum in Tuttlingen die landesweite Schirmherrschaft über das Mammographie-Screening übernommen. "Ich habe mich schon zwei Mal untersuchen lassen, und es war nicht schlimm", sagte sie. Ihr sei klar, dass das brisante Thema im Alltag gerne verdrängt werde und viele Frauen sich vor der Untersuchung und vor allem vor dem Ergebnis fürchteten. Doch werde ein Tumor frühzeitig erkannt, könne der Krebs gut behandelt werden. Trotz des Angebots sterben deutschlandweit jährlich immer noch 18 000 Frauen an Brustkrebs. "Das ist eine viel zu hohe Zahl", sagte Gerlinde Kretschmann.
Seit dem Start des Screenings 2007 haben sich in den landesweit zehn Screening-Regionen mit 42 zertifizierten Untersuchungsstellen mehr als 1,2 Millionen Frauen untersuchen lassen. "Die Teilnahme ist kontinuierlich angestiegen", sagte Sabine Auer. Im Jahr 2011 haben mehr als 330 000 Frauen teilgenommen. Dank des Screenings würden wesentlich häufiger als sonst kleine Tumore entdeckt, sagte die Radiologin. In den Jahren 2008 bis 2010 seien 5100 Karzinome entdeckt worden, von denen 30 Prozent nur zehn Millimeter groß oder kleiner waren. In 85 Prozent der Fälle habe brusterhaltend operiert werden können.
"Man muss sich aber auch darauf verlassen können, dass die Röntgenbilder richtig gelesen werden", sagte Gerlinde Kretschmann. Damit das gewährleistet ist, bilden sich die Röntgenärzte fort, und es sind mindestens zwei Ärzte, die die Befunde analysieren. Außerdem werden die Geräte täglich gewartet. Wichtig ist auch, dass die Frauen immer zum gleichen Arzt gehen, damit der Veränderungen erkennen kann.
Es gebe keine hundertprozentige Sicherheit, sagen die Ärzte. Trotzdem empfehlen sie den Frauen, regelmäßig zur Mammographie zu gehen. Nur so könne Brustkrebs schon im Anfangsstadium erkannt und behandelt werden.
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Autor: PETRA WALHEIM | 25.01.2012
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