Angeklagte von Eislingen sind voll schuldfähig

Ulm.  Die beiden mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen sind voll schuldfähig. Dies sagte der psychiatrische Gutachter Peter Winckler im Prozess vor dem Ulmer Landgericht.

Die beiden mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen sind voll schuldfähig. Dies sagte gestern der psychiatrische Gutachter Peter Winckler im Prozess vor dem Ulmer

Landgericht. Eine eindeutige Empfehlung, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anzuwenden sei, konnte er aber nicht abgeben.

Bei Frederik B. (20) diagnostizierte der Psychiater das Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus. Doch die Erkrankung führe nicht zu verminderter Schuldfähigkeit. Ein wichtiger Punkt ist für Winckler die Frage der Abhängigkeit Frederiks von Andreas H. (19): Während Frederik die Beziehung zu seinem Freund als einseitig schildere - er habe immer bewundernd zu ihm aufgeblickt -, sage Andreas, es sei eine gleichberechtigte Beziehung gewesen. Das Thema ist deshalb so wichtig, weil Winckler unter anderem daran festmacht, ob Frederick nach Jugendstrafrecht verurteilt werden soll oder nicht. In diesem Fall drohten ihm zehn Jahre Höchststrafe, sonst lebenslang.

Die beiden Freunde sollen in der Nacht zu Karfreitag die Eltern und Schwestern von Andreas gemeinsam mit 30 Schüssen ermordet haben. Bevor die Eltern sterben mussten, waren die mutmaßlichen Mörder noch zu dem Ehepaar in eine Kneipe gegangen - zu diesem Zeitpunkt waren die Schwestern bereits tot. "Dies weist auf eine Selbstbeherrschung der Täter hin, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt", sagte Winckler.

Dennoch sei es schwierig zu beurteilen, ob Frederik nach Jugendstrafrecht zu verurteilen sei. "Die Frage nach dem Tatmotiv ist für mich komplett offen geblieben" sagte Winckler. Wenn Frederik aus falsch verstandener Freundschaft zu Andreas gemordet habe und das Motiv im familiären Bereich liege, "dann wäre in der Konsequenz die Anwendung von Jugendstrafrecht zu empfehlen". Die Staatsanwaltschaft geht derzeit aber von Habgier als Motiv aus. Abschließende Empfehlungen zu Andreas H. will Winckler am 22. März geben.


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Autor: DIRK HÜLSER | 13.03.2010

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