60 Prozent der Eltern wünschen sich verbindliche Schulempfehlung zurück

Eine Umfrage mit überraschendem Ergebnis: 60 Prozent der befragten Eltern in Baden-Württemberg finden, dass die Lehrer darüber bestimmen sollen, auf welche weiterführende Schule ihre Kinder gehören.

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Wohin nach der Grundschule? Seit die Schulempfehlung nicht mehr verbindlich ist, haben die Eltern das letzte Wort.  Foto: 

Wer weiß am besten, auf welche Schule ein Kind nach der vierten Klasse sollte? Die Lehrer? Die Eltern? Das Kind? Seit Jahren streiten sich Eltern, Politiker und Experten darüber. Eine neue Umfrage dürfte den Zwist noch befeuern. Demnach sieht eine Mehrheit der Eltern von Schulkindern die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung an Baden-Württembergs Schulen kritisch.

60 Prozent der Befragten seien dagegen, dass nicht mehr die Lehrer entscheiden, auf welche Schule ein Kind nach der vierten Klasse kommt. Über die den Angaben zufolge repräsentative Untersuchung des Versandhändlers Jako-O hatte zuerst das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet.

Die komplette Studie, die in Zusammenarbeit mit TNS Emnid erstellt worden war, soll heute, Montag, in der Landeshauptstadt präsentiert werden.

Jahrelang hat der Landeselternbeirat gegen die verbindliche Grundschulempfehlung gekämpft und verlangt, dass nicht die Lehrer, sondern die Eltern das letzte Wort haben sollten. Ende 2011 änderte die grün-rote Landesregierung schließlich das Schulgesetz. Die Fünftklässler des Schuljahres 2012/13 waren dann die ersten, die nicht mehr vom Votum der Grundschullehrer abhängig waren.

Zuvor mussten sich Mütter und Väter der Empfehlung der Lehrer beugen. Wollten die Eltern die Vorgabe nicht akzeptieren, gab es ein Beratungsverfahren durch externe Lehrer oder aber eine Aufnahmeprüfung.

Eine Empfehlung für die Viertklässler gibt es weiterhin, aber sie ist jetzt nicht mehr verbindlich. Bei der Anmeldung auf der weiterführenden Schule müssen die Eltern keine Auskunft über die Grundschulempfehlung geben.

Die Landtags-Grünen verteidigten am Wochenende die Wahlfreiheit der Familien bei diesem Thema. "Durch eine gute und systematische Beratung werden die Eltern dabei unterstützt, mit der Grundschulempfehlung die richtige Schulwahl zu treffen", sagte die bildungspolitische Sprecherin Sandra Boser. "Deshalb haben wir dafür gesorgt, dass es ein verbindliches Gespräch zum Ende der Grundschulzeit gibt." Außerdem folgten fast 80 Prozent der Mütter und Väter nach wie vor auch den Empfehlungen der Lehrer für ihr Kind.

Für die Studie des Meinungsforschungsinstituts Mentefactum in Zusammenarbeit mit TNS Emnid waren von Mitte Januar bis Anfang Februar 500 Teilnehmer in Baden-Württemberg telefonisch befragt worden. Dabei wurden Eltern mit Kindern im schulpflichtigen Alter ausgesucht. Gefragt wurde so: "In Baden-Württemberg entscheiden nach der vierten Klasse keine verpflichtenden Schulempfehlungen mehr, auf welche weiterführende Schule ein Kind gehen soll. Vielmehr entscheiden jetzt die Eltern. Das finde ich - sehr richtig - eher richtig - eher falsch - völlig falsch - weiß nicht/keine Angabe."

Wohin nach der Grundschule?

Übergangsquoten Die letzten Übergangsquoten der Viertklässler vom Herbst 2015 zeigen nach Angaben des Kultusministeriums eine "insgesamt stabile Entwicklung" im Vergleich zum vorherigen Schuljahr: 13,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechselten auf eine Gemeinschaftsschule (2014 lag der Anteil bei 10,3 Prozent). Auf Werkreal- und Hauptschulen wechselten dagegen nur noch 7,2 Prozent (Vorjahr: 9,3 Prozent). Bei den Realschulen sank die Übergangsquote zuletzt um 0,9 Prozentpunkte auf 33,8 Prozent. Auch an den Gymnasien sank der Anteil und ging laut Ministerium um 0,5 Prozentpunkte auf 43,4 Prozent zurück.

Abi-Alternative Mit dieser Zahl sei die Behauptung, dass die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung im Südwesten zu einem unkontrollierbaren Run aufs Gymnasium führen würde, "zum wiederholten Mal widerlegt", hatte Kultusminister Andreas Stoch (SPD) im Januar bei der Vorstellung der Statistik gesagt. Die Zahlen zeigten vielmehr, dass der "Ausbau attraktiver Alternativen für den Weg zum Abitur" zu einer zahlenmäßigen Entlastung an den Gymnasien führe.

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