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20 Jahre Weltweihnachtscircus: Mit Leidenschaft zum Erfolg

Es ist schon erstaunlich: Jedes Jahr aufs Neue gelingt es dem Weltweihnachtscircus in Stuttgart, ein Weltklasseprogramm zu bieten. Es sind durchweg Spitzenartisten, viele davon preisgekrönt, die einen Monat lang auf dem Cannstatter Wasen Manegenkunst vom Feinsten zelebrieren.

RAINER LANG | 0 Meinungen
20 Jahre Spitzenleistung sind es nun. Hinter dem Erfolg stehen Menschen, für die Zirkus weit mehr als ein Geschäft ist. Das Beispiel der vier Zirkusmacher, die von Anfang an dabei sind, zeigt, dass Leidenschaft, ja sogar Besessenheit dazu gehört.

Das Herz des Projekts ist Henk van der Meyden. Seinen Anspruch formuliert der Produzent klar und deutlich: „Ich mag den Zirkus sehr, aber nur, wenn er sehr gut ist“. So begibt sich der Holländer das ganze Jahr über auf die Jagd - die Jagd nach den besten Zirkusnummern der Welt. Und es gelingt ihm jedes Jahr aufs Neue die Elite unter den Artisten zu engagieren, darunter auch immer preisgekrönte Nummern oder solche, die es beim nächsten Zirkusfestival in Monte Carlo werden.

Eines ist klar: Der Holländer ist zirkusverrückt. Das ist nicht zu übersehen. Wer ihn zum Beispiel bei der Premiere bobachtet, sieht, dass van der Meyden bei jeder Nummer mitfiebert – so als würde er selbst in der Manege auftreten. Er hat es geschafft, in Stuttgart einen der größten und besten Zirkusse Europas zu etablieren. Den Zirkusbesuch will er zu einem großen Fest für die ganze Familie machen. „In Zeiten von Internet, Facebook und Twitter sehnen sich die Menschen nach direktem Kontakt“, sagt er.

Der Zuspruch in Stuttgart gibt dem Produzenten recht. Der Zirkus ist für ihn mit Gefühl, Emotion, Erlebnis und Unterhaltung verbunden. Henk van der Meyden hat so lange nicht geruht, bis er ein Zelt hatte, in dem die Besucher das Erlebnis abrunden können. Bei Pino gibt es weit mehr als Bratwurst und Pommes.
Mit sechs Jahren war Henk von der Meyden zum ersten Mal im Zirkus. Seither hat ihn die Leidenschaft nicht mehr losgelassen. Heute will er Weltklasse-Leistung, aber auch Eleganz, Schönheit und Poesie. Das ist für ihn moderner Zirkus. Und tatsächlich berauscht das Programm mit seinen vielen Sinneneindrücken.

Seit 1993 hat Henk van der Meyden rund 2000 Artisten nach Stuttgart gebracht. Mehr als drei Millionen Euro muss der Chef des niederländischen Unternehmens Stardust-Entertainment für eine Show investieren. Und auch nach Jahrzehnten im Geschäft will er auch im kommenden Jahr wieder zur Weihnachtszeit ein Familienfest auf dem Cannstatter Wasen zaubern.

Neben dem quirligen van der Meyden ist aber ein ruhender Pol nötig, um die unterschiedlichen Nummern zu einer einheitlichen Show zusammenzufügen. Das ist die Aufgabe von Patrick Rosseel. Der Regisseur ist die Ruhe selbst. Er weiß, dass der Produzent immer etwas zu viel ins Programm packt. Aber so sei Henk eben, lächelt der Franzose milde. In den Anfängen hatte er gerade mal zwei Tage Zeit, um alles einzustudieren. Heute kann er schon eine Woche vor der Premiere mit den Proben beginnen.

Der Franzose entstammt einer Zirkusfamilie, ebenso wie seine Frau Bettina. Mit 16 Jahren hat er im Zirkus angefangen. Eigentlich als Mädchen für alles. Er hat Pferde geputzt oder Popcorn verkauft. Er kennt Zirkus von der Pike auf. Mit der Regie hat er seine Berufung gefunden. Rosseel bezeichnet sich selbst als Perfektionist.

Bevor er nach Stuttgart kommt, hat er sich schon mit jeder Nummer beschäftigt. Er inszeniert eine Show, die den Besucher in eine bunte Zirkuswelt entführt. Er bestimmt die Abfolge, wann Moderator Peter Goesmann seinen Einsatz hat oder wie die Umbaupausen überbrückt werden. Belohnt wird er am Ende mit dem Applaus. Die Standing ovations betrachtet er als ganz besondere Auszeichnung.

Aber dass die Artisten seit 20 Jahren überhaupt nach Stuttgart kommen, dazu gehört weit mehr als einen zirkusverrückten Produzenten und einen perfektionistischen Regisseur. Die graue Eminenz im Weltweihnachtscircus ist Hetty Vermeulen. Seit 1993 managt sie den Weltweihnachtscircus. Ihr Arbeitsplatz ist ein wenige Quadratmeter großer Container. Und jedes Gastspiel bedeutet, dass Vermeulen einen Monat lang kaum zum Schlafen kommt. Denn sie ist Ansprechpartnerin für alle. Jeder ruft Hetty, wenn er etwas braucht.

Mit dem Zirkusvirus infiziert wurde sie als Mädchen Ende der 50er Jahre. Als Zwölfjährige hatte die Holländerin mit ihren Freundinnen bei einem gastierenden Zirkus so lange keine Ruhe gegeben, bis die Mädchen helfen durften. Damals lernte sie, dass auch Kartoffeln schälen eine wichtige Aufgabe ist. Denn auch Artisten haben Hunger.

Heute ist sie nicht nur dafür verantwortlich, dass die 120.000 Tickets verkauft werden. Sie kümmert sich darum, dass sich eine Truppe von mehr als 100 Artisten aus aller Welt zum Jahresende in Stuttgart auch wohlfühlt. Hetty ist es wichtig, dass sich alle wie in einer großen Familie fühlen. Deshalb ist sie immer im Zirkus unterwegs und schaut nach dem Rechten. Und wenn jemand krank wird, muss sie einen Arztbesuch organisieren.

„Der Zirkus macht mir einfach Spaß“, sagt sie. Als Lohn ihrer harten Arbeit empfindet sie die Freude der Zirkusbesucher. „Der Zirkus ist mein Leben“, fügt sie hinzu und versucht gleich das nächste Problem zu lösen. „Mutter des Zirkus“ wird sie auch liebevoll genannt. Manchmal schickt sie einen los, der auch von Anfang an dabei ist, und vom dem sie weiß, dass er mit den Artisten gut zurecht komm. Es ist Gerhard Klingler, der in seiner rot-schwarzen Uniform jeden Abend am Eingang des Zeltes steht und Karten abreißt. Langjährige Zirkusbesucher kennen ihn schon. Er ist inzwischen eine Institution, die keiner missen möchte.

Klinger kennt viele Artisten persönlich und ist auch regelmäßig mit seinem Wohnmobil zum Zirkusfestival nach Monte Carlo gereist. Wenn der Weltweihnachtscircus in Stuttgart gastiert, dann ist einen Monat lang Schwerstarbeit angesagt. Klingler chauffiert die Artisten zwischen Hotel und Zirkus, macht Besorgungen und installiert auch mal ein Videogerät in einem Wohnwagen hinter dem Zirkuszelt. Er ist so etwas wie ein „Mädchen für alles“ und fühlt sich wohl dabei. Und manchmal spielt er den Libero, wenn etwas repariert werden muss.

Es ist kein Wunder, dass er immer mal wieder Papa genannt wird, vor allem von den Artisten aus China und Nordkorea. Die Begegnungen mit den Menschen, die besondere Atmosphäre im Zirkus, das hat Gerhard Klingler einfach gepackt. Er kennt alle großen Zirkusse in Deutschland und Europa. Früher hat er 33 Jahre lang bei den SSB als Busfahrer gearbeitet. Als singender Busfahrer hat er sich einen Namen gemacht.

Das Singen ist nämlich seine zweite Leidenschaft. Klingler tritt regelmäßig auf. Karaoke hat er viel gemacht. Jetzt singt er auch live zur musikalischen Begleitung. Weit mehr als 1000 Titel hat er in seinem Repertoire und spielt immer wieder auf. Da macht es ihm auch mal Spaß, im Rampenlicht zu stehen wie die Artisten in der Manege auf dem Cannstatter Wasen.

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