14 Kerzen für die Toten

In einer ergreifenden Trauerfeier im Münster zu Titisee-Neustadt wurde der 14 Toten der Brandkatastrophe gedacht. Hinterbliebenen und Helfern wurde versichert, dass sie nicht alleine gelassen werden.

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Trauer in Titisee-Neustadt: Kinder haben ein Bild als Dank für die Helfer gemalt. Im Münster brannten bei der Trauerfeier 14 Kerzen - für jedes Opfer eine. Viele Rettungskräfte nahmen an der Feier teil. Foto: KNA/dpa/Getty

14 Tote, 14 Kerzen, 14 Namen. Mit jeder Kerze, die bei dem Trauergottesdienst am Samstagmorgen im Münster in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) entzündet wurde, wurde der Vornamen eines der Getöteten genannt. Dazu läutete die Totenglocke des Münsters, die Jakobus-Glocke. Das waren so ergreifende Momente, dass selbst den Gästen in den hintersten Reihen der Kirche die Tränen in den Augen standen. Jeder Name gehörte einem der Menschen, die bei der Brandkatastrophe vor einer Woche in einer Behinderten-Werkstatt in Titisee-Neustadt ums Leben kamen.

Nach ersten Ermittlungen hatte ein mobiler, mit einer Gasflasche betriebener Heizofen die Katastrophe ausgelöst. Gas war ausgetreten, hatte sich unbemerkt auf dem Boden verteilt und entzündet. In rasender Schnelligkeit hatte sich das Feuer ausgebreitet. Für 13 behinderte Menschen und eine Betreuerin kam jede Hilfe zu spät.

Für sie, für die Hinterbliebenen, für Freunde und Bekannte, für die Rettungskräfte und Notfall-Seelsorger wurde die Trauerfeier abgehalten. Im Münster, das 1000 Personen fasst, waren alle Plätze besetzt. Damit möglichst viele Menschen die Trauerfeier verfolgen konnten, wurde sie in die evangelische Kirche in Titisee-Neustadt, ins Freiburger Münster, im Fernsehen und im Radio übertragen. Unter den zahlreichen Ehrengästen war Bundespräsident Joachim Gauck, der zwar während der Feier keine Rede hielt. Danach aber, als die Kameras abgeschaltet und die meisten Gäste gegangen waren, wandte er sich in mitfühlenden und Trost spendenden Worten an die Hinterbliebenen und Rettungskräfte. Selten habe es in Deutschland so viel Anteilnahme an einem Unglück gegeben wie bei diesem, sagte er. Das sei das einzige, was Menschen in einer solchen Situation den direkt Betroffenen geben könnten: Anteilnahme, Trost, Mitgefühl und Begleitung. Bei einem solchen Unglück zeige sich, wie wichtig intensive Beziehungen und die Zuwendung zu den Menschen seien. Ohne sie wäre das Leben ärmer. "Bleiben Sie behütet. Und lassen Sie sich gelegentlich segnen, das hilft", sagte Gauck.

Badens evangelischer Bischof Ulrich Fischer warf mit dem Ruf "Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?", die Frage auf, warum Gott so etwas zulassen konnte. Viele wüssten nicht, wie es weitergehen soll - ohne die Freundin, den Freund, ohne die Mitarbeiterin, ohne den Sohn, die Tochter, ohne die Schwester, den Bruder, ohne den vertrauten Menschen an ihrer Seite. Dennoch werde der Gottesdienst gefeiert in der Hoffnung, dass Gott Wege aus der Verzweiflung zeigen werde. "Es tut gut, mit der Last der Trauer und des Schmerzes nicht alleine zu sein", sagte Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch. Die Feier sei Ausdruck der Anteilnahme und Verbundenheit. Er sprach vom "Netz der Nächstenliebe", von dem alle getragen seien. Ohne dieses Netz sei das Leid nicht zu ertragen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann nannte das Unglück eine der schlimmsten Brandkatastrophen, die das Land je erlebt hatte. Er sprach für sich persönlich und im Namen der Landesregierung den Angehörigen sein Beileid aus. "Sie alle sollen spüren, wir werden sie in ihrem Schmerz und Leid nicht alleine lassen", sagte er.

Noch immer stehe die Caritas dem Unglück fassungslos gegenüber, sagte Egon Engler, Vorstand des Caritasverbands Freiburg. "Es wird viel Zeit brauchen, das Erlebte zu verkraften."

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