14-Jähriger schoss mit Vaters Pistolen - Kritik an Waffenrecht

Mit Waffen aus dem Tresor seines Vaters hat ein Jugendlicher an einer Schule in Memmingen Angst und Schrecken verbreitet. Angeblich hatte der Vater die Pistolen vorschriftsgemäß eingeschlossen. Sofort hebt die Debatte um das Waffenrecht wieder an.

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Mit Pistolen seines Vaters hat der 14-jährige Schütze aus Memmingen den Amokalarm an seiner Schule ausgelöst. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Memmingen am Mittwoch als Ergebnis erster Ermittlungen mit. Der 53 Jahre alte Vater sei ein Sportschütze und habe die Waffen ordnungsgemäß in einem speziellen Tresorraum verwahrt. „Der Junge hat offenbar die elektronische Sicherung umgangen“, sagte der Kemptener Polizeisprecher Thorsten Ritter. Er schoss am Dienstag dann vor seiner Schule und auf einem Sportplatz.

   Die Grünen forderten deshalb eine Verschärfung des Waffenrechts.  „Weil wir es in Deutschland erlauben, dass  Menschen zu Hause ihre tödlichen Sportwaffen aufbewahren, wäre es gestern fast wieder zu einer Schultragödie  gekommen“, sagte die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth in Berlin. Roth verwies auf eine Übermacht der „Waffenlobby in Deutschland“, die einen effektiven Schutz verhindere. „Die tödlichen Knarren müssen endlich raus  aus den Privatwohnungen, weil sie ein echtes Sicherheitsrisiko sind.“

   Der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, Jürgen Kohlheim, hält die Aufbewahrung zu Hause hingegen  für die beste Lösung. „Wenn wir, was immer wieder gefordert wird, Schusswaffen und Munition in Schützenhäusern  aufbewahren wollten, dann würde dort ein Munitionsdepot entstehen.“ Dies sei viel gefährlicher  und anfälliger für Einbrüche. Auch eine Verschärfung des Waffenrechts lehnte der Verband ab. „Ich glaube nicht,  dass wir mit weiteren strengen Vorschriften das Versagen eines Einzelnen in irgendeiner Form ausschließen können“, sagte Kohlheim der Nachrichtenagentur dpa.

   Der 14-Jährige hatte vor seiner Schule und auf einem Sportplatz mehrfach geschossen, dabei aber niemanden  verletzt. Drei Polizeiautos wurden allerdings von Kugeln getroffen. Erst nach Stunden ergab sich der 14-Jährige  der Polizei. Dabei stellten die Beamten drei Pistolen samt Munition sicher. Das Motiv des Achtklässlers blieb  unklar. Er wurde am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt. Eine Bereitschaftsrichterin hatte bereits am Dienstag  Haftbefehl erlassen. Der Schüler war zunächst nicht vernehmungsfähig und wurde in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung betreut.

   Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Waffendelikten, Nötigung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen  Vollstreckungsbeamte. Für den Versuch von Körperverletzung oder gar Totschlag gebe es noch zu wenig Anhaltspunkte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Hier müssten erst die Aussagen der Schüler, Lehrer und  Beamte abgewartet werden. Experten wollten zudem die Munition und die Einschüsse untersuchen. Zu Gerüchten,  wonach der Schüler einen Lehrer mit einer Waffe bedroht habe, wollte sich der Sprecher nicht äußern.

   Hinweise auf einen geplanten Amoklauf gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Schulrektor Franz Michael  Schneider beschrieb den Jugendlichen als unauffällig. „Er war auf keinen Fall ein Außenseiter.“ Auch der Kontakt  zur Mutter sei immer sehr gut gewesen. Ob der 14-Jährige aus Liebeskummer gehandelt hat, konnte der Rektor nicht sagen. An der Lindenschule werde viel Präventionsarbeit geleistet. „Natürlich ist große Betroffenheit da, dass  so etwas an meiner geliebten Schule passiert“, sagte Schneider. Gleichzeitig sei er sehr erleichtert, dass niemand verletzt worden sei.

   Am Tag nach dem Schreckensereignis öffnete die Schule, allerdings war einiges anders: „Es ist kein normaler  Unterricht, wir können nicht sagen, wir gehen zum Tagesablauf über und machen wieder Mathematik“, erklärte die  Unterallgäuer Schulamtsdirektorin Elisabeth Fuß. Stattdessen fingen Kinder und Lehrer damit an, die Ereignisse in Gesprächen aufzuarbeiten. „Es ist uns sehr wichtig, dass möglichst bald wieder Normalität in die Schule einziehen  kann“, betonte Schneider. Dafür stand auch ein Team an Krisenhelfern bereit.

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