Zukunftsfabrik für das Auto

Die Zukunft des Autos soll in Stuttgart entworfen werden - auf dem Unicampus. Für die Forschungsfabrik Arena 2036 wurde jetzt Richtfest gefeiert. Ende des Jahres soll der 30-Millionen-Euro-Bau fertig sein.

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Noch wird an der Stelle, wo einmal die Arena 2036 stehen soll, kräftig gebaut. In dieser Woche fand das Richtfest statt. Ende des Jahres soll Eröffnung sein.  Foto: 

Die Voraussetzungen dafür, dass Stuttgart zum Silicon Valley der weltweiten Autoindustrie wird, stehen nach Einschätzung Peter Froeschles nicht schlecht. Froeschle ist der Vorsitzende des Trägervereins des Projekts Arena 2036. Hinter dem Begriff verbirgt sich die etwas sperrige Begrifferklärung "Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles" - zu Deutsch "Aktive Forschungsumgebung für die nächste Autogeneration". 2036 steht für das Jahr, in dem das Automobil seinen 150. Geburtstag feiern wird. Bis dahin, so die Zielsetzung, soll der Autobau der Zukunft auf den Weg gebracht sein. Und zwar auf dem Vaihinger Campus der Universität Stuttgart. Dort entsteht derzeit ein Forschungs-Neubau für 30 Millionen Euro - die Arena 2036.

Das Forschungsvorhaben ist nicht nur wegen seiner langen Laufzeit etwas Besonderes für die Universität. "Mit Arena 2036 holen wir die Industrie erstmals auf den Campus", erklärt Uni-Rektor Wolfram Ressel. Denn die direkte Kooperation mit Unternehmen ist ein Kernstück des Projektes. Mit an Bord sind bei Arena 2036 beispielsweise Daimler, Bosch, BASF, Festo oder Siemens. Das ermögliche, dass Forschung praxisnah gestaltet werde und die Ergebnisse schneller in der Produktion angewendet würden, stellt Peter Froeschle fest.

Konkret soll beispielsweise vom kommenden Jahr an untersucht werden, wie sich die Produktion in der Fahrzeugindustrie anders organisieren lässt. Die müsse wegkommen von starren Fertigungslinien zu einer modularen, flexiblen Produktion, wie Froeschle erläutert. Denn die Anforderungen an die Produkte würden immer differenzierter, die Wünsche der Autokäufer immer individueller. Die riesige Halle der neuen Forschungsfabrik ermöglicht es Wissenschaftlern und Ingenieuren, Ideen für solche neuen Produktionsabläufe und -technologien nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern auch praktisch zu testen.

Anders als in anderen Forschungsfabriken, die sich beispielsweise ausschließlich dem Thema Industrie 4.0 widmen, hat man in Stuttgart sowohl den Produktionsprozess wie auch die Produkte selbst im Blick. Für das Auto der Zukunft sollen in den kommenden Jahren neue Werkstoffe und Verfahren entwickelt werden, die den Leichtbau, etwa durch den Einsatz von Faserverbundstoffen, voranbringen. Dabei gehe es um Energie- und Kohlendioxid-Einsparung beim Fahrzeug selbst, aber auch um Kostensenkung, so Froeschle. Und auch die Energieeffizienz der Produktion will Arena 2036 in den Blick nehmen, etwa wenn es um Energierückgewinnung von Robotern geht. "Wir haben schon jetzt einen ganzen Strauß an Teilprojekten", sagte der Arena-Chef.

In der neuen Forschungsfabrik werden vom kommenden Jahr an rund 160 Menschen arbeiten. Darunter sind Wissenschaftler der Uni Stuttgart oder externer Forschungseinrichtungen, wie den Fraunhofer-Instituten, aber auch Mitarbeiter aus den Unternehmen, die an Arena beteiligt sind. Hinzu kommen sollen im Schnitt noch einmal 100 Studenten, die in Projekten etwa Diplomarbeiten schreiben können. "Wir wollen ihnen zeigen, dass Automobilbau und Maschinenbau auch attraktive Felder sind", sagt Froeschle. Den jungen Leuten müsse deutlich gemacht werden, dass sie nicht zu Google gehen müssen, um zukunftsträchtige Aufgaben zu bekommen.

Und auch Start-up-Unternehmen sollen in Stuttgart künftig Bedingungen bekommen, die sich am Gründer-Mekka Kalifornien oder Israel orientieren, kündigt Universitäts-Rektor Ressel an. Arena 2036 werde eine Heimat für junge Technologieunternehmen werden. Dass das klappt, da ist sich Peter Froeschle sicher. Denn der neue Arena-Campus liege anders als manche andere Forschungsfabrik absolut zentral. "Von hier aus erreichen die Entwicklungszentren der wichtigsten Autohersteller, Zulieferer und Maschinenbauer in höchstens einer halben Stunde."

Projekt setzt sich in Wettbewerb durch

Förderung Das Projekt Arena 2036 hat sich vor vier Jahren bei einem Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums gegen 90 andere Bewerbungen durchgesetzt. Dadurch stehen in Stuttgart und den neun anderen Gewinner-Standorten 15 Jahre lang bis zu zwei Millionen Euro per anno Fördermittel für Forschungsprojekte zur Verfügung. Öffentliche Zuschüsse gab es auch für die Forschungsfabrik selbst. Die EU steuerte 15 Millionen Euro bei, das ist die Hälfte der Baukosten. Den Rest muss die Uni Stuttgart selbst tragen.

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