Wenn aus Kanzlern Kunstwerke werden

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Alles begann mit einem verwackelten, stark unterbelichteten Bild, das der 20jährige Konrad Rufus Müller 1960 von Papst Johannes XXIII im Petersdom mit einer Vorkriegskamera seines Vaters schoss. Starke Persönlichkeiten, die Mächtigen, zumal in der Politik, zogen den Autodidakten fortan an. Mit seinen Aufnahmen vom 89-jährigen Konrad Adenauer begründete der gebürtige Berliner seinen Ruf als einer der ganz großen Fotografen.

Dem Wirtschaftsclub Stuttgart ist es zu verdanken, dass eine Auswahl herausragender Porträts aller acht deutschen Kanzler jetzt in Stuttgart zu sehen ist. Es war das „einmalige Gesicht“ des Alten, weswegen der Kunststudent 1965 nach Bonn zum CDU-Parteitag trampte. Unvorstellbar heute: Müller, der ohne jeden Auftrag mit seiner alten Kamera unterwegs war, konnte dem Gründungskanzler bis auf wenige Zentimeter nahe kommen.

Der Journalist und Freund Hartmut Palmer beschrieb bei der Vernissage diese Woche, wie „der Lichtbildhauer aus Kanzlern Kunstwerke macht“. Müller, „der Rembrandt unter den Fotografen“, male mit Licht und Schatten. Das Prinzip ist stets dasselbe: nur schwarz-weiß, kein Blitz, kein Zoom und nicht digital und in der Dunkelkammer legt nur Müller Hand an.

Die Qualität dieser „Handwerkerarbeit“, wie Palmer sagte, erkannte nicht nur Adenauer. Auch die Nachfolger wollten von Konrad Rufus Müller ins rechte Licht gesetzt werden. Die Aufnahmen hängen im Kanzleramt wie im Haus der Geschichte. Und alle Porträts zeigen, was Macht – und damit auch Bürde – aus Gesichtern macht. Wenn sie nur lang genug andauert. Angela Merkel ließ sich nur einmal, im Jahr 2009, von Müller fotografieren. Die Wirklichkeit zeigt dieses Portrait nicht mehr. „Sie will keine Nähe“, erklärt sich Müller die Weigerung der Kanzlerin, nochmals von seiner Kamera eingefangen zu werden.

Willy Brandt und Helmut Kohl hingegen nahmen den Fotokünstler auch auf Reisen mit. Von Kohl entstand so 1996 im amerikanischen Milwaukee ein überraschendes Bild: Der Einheitskanzler macht die „Merkel-Raute“.  Im Wahlkampf 1994 warb ein von Müller aufgenommener Kohl für eine „Politik ohne Bart“, eine Spitze gegen den bärtigen SPD-Herausforderer Rudolf Scharping.

Info Bis zum 21. Juli führt der Galerist Stefan Zimmermann dienstags und freitags durch die Ausstellung im Clubraum des Wirtschaftsclubs. Treffpunkt 19 Uhr im Foyer des Hotels Steigenberger Graf Zeppelin.

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