Stuttgarter Fernbusbahn als bester in Deutschland ausgezeichnet

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Im ADAC-Check hat der Fernbusbahnhof am Flughafen unter anderem gut abgeschnitten, weil er überdacht ist.  Foto: 

Als der ADAC Württemberg am Mittwoch die Ergebnisse des ersten Fernbusbahnhof-Tests vorstellte, geizte Carl-Eugen Metz nicht mit Lob. „Der Stuttgarter Fernbusbahnhof kommt einem idealen Fernbusbahnhof schon sehr nah“, sagte das für Verkehr und Umwelt zuständige Vorstandsmitglied des schwäbischen Regional-Clubs. Bei den Bewertungskriterien Ausstattung und Sicherheit, die zusammen die Hälfte der Gesamtnote ausmachen, bekam der Stuttgart Airport Busterminal (SAB) jeweils ein „Sehr gut“, als einziger der zehn untersuchten Bahnhöfe.

Mehrsprachige Durchsagen

Die Tester vom Berliner Verkehrsplanungsbüro LK Argus hoben hervor, dass die gesamte Anlage überdacht ist, die elektronischen Anzeigen und Durchsagen mehrsprachig sind und der SAB eine eigene Internetseite hat.  Das sei bei Fernbusbahnhöfen noch nicht selbstverständlich, sagte Studienleiter Ivan Kosarev.  Stuttgart punkte zudem mit einem zentralen Info- und Fahrkartenschalter für mehrere Fernbusanbieter, Einkaufsmöglichkeiten sowie Wasch-, Dusch- und Wickelräumen. Kosarev zeigte sich zudem beeindruckt, dass der Fernbusbahnhof ein durchgehendes taktiles Leitsystem für Sehbehinderte habe.

Einziges größeres Manko in den Augen der Tester ist der Standort des Terminals außerhalb des Zentrums. Das sieht auch Flixbus so. Gegen den Bahnhof habe man nichts, „nur die Lage ist ein wenig ungünstig“, drückt es ein Sprecher des Fernbus-Markführers aus. Die An- und Abbreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauere lange und koste teilweise fast genauso viel wie das Fernbus-Ticket selbst. Der Fußweg von der S-Bahn-Station zum Terminal sei zu weit. Das mache den Fernbus für die Hauptzielgruppen „Familien, Studenten, Mobilitätseingeschränkte“, unattraktiv.

Die Folgen macht Flixbus an Zahlen fest. Während die Fahrgastzahlen europaweit um 50 Prozent gegenüber 2015 gestiegen seien, verzeichne man in Stuttgart einen Rückgang. Auf der Strecke Stuttgart – München seien beispielsweise 20 Prozent weniger Passagiere befördert worden als noch im Jahr zuvor. Flixbus möchte deshalb einen weiteren Halt in Innenstadtnähe oder im Stuttgarter Norden. Das Münchner Unternehmen verhandelt derzeit mit der Stadt Stuttgart über eine Lösung. „Die Stadt prüfe derzeit den Wunsch von Flixbus im Blick auf Machbarkeit und Verkehrssicherheit“, erklärt Stadtsprecher Sven Matis. Wann eine Entscheidung fällt, ist noch unklar.

In der Stadtverwaltung zeigt man sich ohnehin etwas überrascht von der Flixbus-Kritik. Der neue Fernbusbahnhof sei schon jetzt recht gut an den ÖPNV angebunden, betont Matis. Und mit der Fertigstellung von Stuttgart 21 und der Verlängerung der U 6 zum Flughafen werde sich die Anbindung nochmals deutlich verbessern. Unterstützung bekommt die Stadt an dieser Stelle auch von ADAC-Vorstand Metz, der die Kritik seiner Tester am Standort des Fernbusbahnhofs relativierte.

Stadt ist zufrieden

Die Stadt, die sechs Millionen Euro in den SAB investiert hat, zeigt sich mit der Nutzung bislang sehr zufrieden. „Der Bahnhof wird gut angenommen“, berichtet Matis. Und die Verlegung an den Flughafen sei auch ein Beitrag zum Klimaschutz. Schließlich führen dadurch täglich 100 Fernbusse weniger als bisher durch den Stuttgarter Kessel. Grund genug auch für den Flughafen, sich über die Auszeichnung zu freuen. „Alles andere als eine Spitzenplatzierung hätte uns aber auch überrascht“, sagt Sprecher Johannes Schumm.

Benotung Für seinen ersten Fernbusbahnhofs-Test hat der ADAC zehn Terminals in Stuttgart, Hamburg, Hannover, München, Mannheim, Berlin. Rostock, Dortmund, Bremen und Göttingen untersuchen lassen. Die Tester gingen dabei  aus Sicht der Nutzer vor – vom Fahrkartenkauf über die Abreise bis zur Ankunft. Vier Bahnhöfe erhielten die Gesamtnote gut, drei ausreichend, einer mangelhaft und zwei sehr mangelhaft. jüs

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