Streit um Standort für neue Deponie im Kreis Böblingen

Der Kreis Böblingen sucht händeringend nach einem Areal für eine neue Deponie, doch die Kommunen wehren sich, sie wollen keine Flächen hergeben.

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Fürchtet um seinen Stadtwald: Sindelfingens OB Bernd Vöhringer.  Foto: 

Die Deponien sind voll. Bereits seit vier Jahren werden in Waldenbuch/Steinenbronn und Renningen-Malmsheim im Kreis Böblingen kein Erdaushub und Bauschutt mehr angenommen. Seitdem behilft sich der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landratsamts Böblingen ersatzweise mit Steinbrüchen, für die kurzfristige Verträge abgeschlossen wurden. Doch das ist keine dauerhafte Lösung. Die Kapazitäten reichen nicht aus, eine neue Deponie muss her.

Die Suche hat 2014 begonnen und ist noch lange nicht beendet, obwohl das beauftragte Ingenieurbüro 22 mögliche Flächen vorgeschlagen hat. Um diese Standorte wird heftig gestritten, auch wenn der Aushub in die niedrigste Schadstoffklasse fällt. Doch Volumen und Größe der dringend benötigten Einrichtung sind immens. Keine Gemeinde reißt sich darum,  30 bis 40 Hektar Grund freizumachen. Auf dieser sollen jährlich bis zu 600 000 Tonnen Erdaushub aus privaten und öffentlichen Baustellen abgelagert werden. 25 Meter hoch würden dort die Bauabfälle aufgetürmt, die Ab- und Abfahrten der Lkws würden erheblichen Verkehr verursachen.

Auch Bernd Vöhringer, OB von Sindelfingen, zeigt sich besorgt. Er fürchtet um seinen Stadtwald mit Jahrhunderte altem Eichenbestand. Der Sindelfinger Wald war einer von fünf favorisierten Standorten, die der Kreistag aus der Liste mit den 22 Vorschlägen selektiert hat.

„Uns als Stadtverwaltung ist es wichtig, dass ein fachlich korrektes Verfahren angestrebt und durchgeführt wird. Das beginnt bei der Ermittlung des eigentlichen Bedarfs, und geht über die Prüfung von Alternativen oder möglichen dezentralen Standorten bis hin zur Festlegung und konsequenten Anwendung der korrekten Kriterien“, kritisiert Vöhringer das bisherige Vorgehen.

Ein Ende der Suche ist derzeit nicht in Sicht. Bei der letzten Tagung des Kreistags wurde beschlossen, weder Geld noch Zeit zu scheuen und zusätzliche Gutachten in Auftrag zu geben – für alle 22 Standorte und zusätzliche neue kleinere Flächen. Ein weiteres Gutachten soll die Berechnungen des AWB zum künftigen Aufkommen von Erd- und Bauschutt überprüfen.

„Wir gehen davon aus, dass wir auch künftig viele Bautätigkeiten haben werden“, sagt Dusan Minic, Sprecher des Böblinger Landratsamts, „wir haben einen immens hohen Wohnraumbedarf.“ Außerdem wurde eine Arbeitsgruppe aus Kreisräten gebildet, die den AWB bei den nächsten Schritten begleitet. Diese tagt das erste Mal allerdings erst Mitte Juli.

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