Sanierung der „guten Stube“ kommt teuer

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Die Stuttgardia thront über dem Ratskeller. Foto: R. Weible  Foto: 

Am 31. März 2016 wurde der Stuttgarter Ratskeller zum Flohmarkt. Auf Tischen waren Gläser, Besteck, Geschirr und Vasen aufgereiht, die Leute erwarben sich die Objekte zum Schnäppchen-Preis. Mit dem Verkauf verabschiedete sich die Pächterfamilie Brunner aus dem Lokal im Keller des Rathauses. 20 Jahre lang hatte sie die Gaststätte geführt.

Seitdem steht „die gute Stube“ des Rathauses leer. So nannte Nachkriegs-OB Arnulf Klett das Restaurant. Der Grund für das Ende vor zehn Monaten war derselbe wie 2013 beim Fernsehturm: Die Räume erfüllen nicht mehr die Anforderungen des Brandschutzes. Die Leitungen und technischen Anlagen stammen, wie Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer in einer Gemeinderatsvorlage schreibt, überwiegend aus dem Jahre 1956. Ohne gründliche Nachrüstung darf das Lokal nicht mehr betrieben werden.

Das Kellerlokal besteht schon seit 1904. Beim Bombardement 1944 wurde es wie das ganze Rathaus beschädigt. Nach dem Wiederaufbau des Rathauses elf Jahre nach dem Krieg wurde auch das Restaurant wieder eröffnet. Über dem Namenszug des Ratskellers an der Seitenfassade steht die Schutzgöttin „Stuttgardia“ auf einem Podest. Wie es mit dem Lokal weitergehen soll, unterbreitet die Stadtverwaltung  dem Ausschuss für Umwelt und Technik am Dienstag und dem Verwaltungsausschuss am Mittwoch.

Eines steht fest: Die Sache wird teuer. Fünf Millionen Euro sind nach dem aktuellen Kostenvoranschlag notwendig, um die Räume in einen Zustand zu versetzen, dass sie wieder von einem Pächter übernommen werden können. An wen, steht noch nicht fest.

An einer Übernahme waren zunächst vier Gastronomen interessiert. Aber da sich inzwischen die Bedingungen geändert haben, hat die Verwaltung die Ausschreibung aufgehoben. Stimmt der Gemeinderat dem Sanierungsvorschlag zu, will die Verwaltung das Interesse der Gastronomen abfragen. Die Landeshauptstadt ist nicht die einzige Kommune, die Probleme mit ihrem Ratskeller hat. Auch Reutlingen hat noch keine Lösung gefunden. Dort ist der Ratskeller schon seit 2004 geschlossen und wird nur als Lagerraum genutzt.

Um den Stuttgarter Ratskeller ranken sich viele Geschichten. Hier saßen die Stadträte nach ihren Sitzungen zusammen, manche wichtige Entscheidung wurde hier eingefädelt. Doch es gab dort auch Vorfälle mit landespolitischen Folgen.

Der ernsteste: Als Staatsminister Christoph Palmer (CDU) den Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer 2004 bei der Feier zur Wiederwahl von OB Wolfgang Schuster abwatschte, musste er zurücktreten. Raimund Weible

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