Mix aus Slapstick, Akrobatik und Magie

|
Bei Sileas Nummer mit Rasierklingen fließt Blut.  Foto: 

Silea hat’s drauf. Die Künstlerin aus Berlin tanzt zu Charleston- und Tango-Musik auf dem Drahtseil und geizt dabei, mit französischem Akzent parlierend, nicht mit ihren Reizen – „ich präsentier meine Popo – das ist doch ganz normal“.  Die Akrobatin balanciert auf Flaschen und lässt sich dabei von Siegfried aus dem Publikum unterstützen. Eben dieses Publikum im Saal des Friedrichsbau-Varietés schockend, verspeist Silea Rasierklingen, und Blut quillt aus ihrem Mund.

Es ist eine Freak-Show mit Jahrmarkt-Charakter, die Varieté-Regisseur Ralph Sun zusammengestellt hat unter dem Titel „Circus Circus“. Die von ihm ausgesuchten Typen sind vielseitig und haben alle komödiantisches Talent. Nur Nanou aus Frankreich muss sich Spässchen verkneifen bei ihrer schwierigen Handstand-Artistik mitten unter den Zuschauern – was sie macht, ist Akrobatik vom Schwersten und verträgt keine witzigen Einlagen.

Dafür drehen alle anderen auf. Merlin, der Weißclown, führt durchs Programm, mit variantenreichem Mienenspiel und Ansagen, die zuweilen Tiefgang haben. Genial einfach, aber eindrucksvoll sein närrisch-feierlicher Ritt auf dem Stoff-Zebra. Und noch ein Tier taucht auf: Katze Nero, die in der Hand von Puppenspielerin Silea – eine weitere Nummer von ihr  – sich konstant weigert, durch den Ring zu springen.

Die hohe Decke der Bühne in der Spielstätte auf dem Pragsattel erlaubt Dinge, die am alten Standort in der Stadt nicht denkbar waren. So der Fangstuhl-Act des spanisch-brasilianischem Duos Tito & Du. Es verbindet großartige Akrobatik mit Slapstick, das Duo persifliert sein eigenes Metier und macht so die Nummer locker und flockig.

Ruslan Sementsov ist so stark wie Tito, der Fänger.  Mit bloßem Oberkörper und diabolisch geschminkt wirbelt der Muskel­protz mit seinem Rad aus einer Stahlröhre über die Bühne. Die zierliche Olga Golubeva zeigt rasante Figuren an der einer Straßenlaterne nachempfundenen Stange.

Entspannung ist angesagt, wenn Jacopo Candeloro und Flor Luludi, die „Circus Follies“, ihr Hütchenspiel zelebrieren oder, sie auf dem hohen Einrad, mit Keulen jonglieren. Dennis Klopov lässt Bälle auf kunstvolle Weise auf Regenschirmen aller Größen kreisen, Dan Marques lässt Knöpfe verschwinden und wieder auftauchen.

Gleich drauf darf sich das Publikum gruseln, wenn Lucky Hell Schwerter schluckt. Da ist Ralph Sun ein schöner Mix der Genres gelungen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

K.o.-Tropfen: "Finger in den Mund, und spucken Sie es aus"

Immer wieder werden Menschen mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt, anschließend vergewaltigt oder ausgeraubt. Dagegen hilft nur Vorsicht, sagt Achim Andratzek. weiter lesen