Mit falschen Joints für echtes Gras

Gemeinsam Cannabis anbauen und zum Eigenbedarf konsumieren: Dafür setzten sich die 25 Mitglieder des CannabisClubs Stuttgart ein.

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Zugegeben, auf den ersten Blick wirken sie mit ihren falschen Joints und Hanfblatt-Shirts vielleicht etwas verschroben. Doch die Mitglieder des Stuttgarter "Cannabis Social Clubs" (CSC) als realitätsferne Promoter eines "Happy Hanflands" abzustempeln, wäre dann doch zu einfach - landete die Idee zur Gründung beim Bürgerhaushalt im vergangenen Jahr von mehr als 3700 eingereichten Projekten doch auf Platz 15.

Für Dennis Herberg, den frisch gewählten Vorsitzenden des Clubs, ist das ein deutliches Zeichen, dass die Diskussion um eine Legalisierung von Cannabis in den Köpfen der Stuttgarter angekommen sei: "Ich glaube, dass das Thema in der Stadt sehr präsent ist. Es gibt allerdings einen konservativen Kern, der die Legalisierung von Cannabis mit allen Mitteln verhindern möchte", meint er.

Die Politik sieht das momentan ähnlich: Der Anbau von THC-haltigen Pflanzen unterliegt dem Betäubungsmittelschutzgesetz und ist damit - egal ob es sich um eine einzelne Pflanze auf dem heimischen Balkon oder eine ganze Hanf-Plantage handelt - illegal. Während sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Frühjahr 2015 in Baden-Württemberg für eine Änderung der Regelung aussprach, steht die Regierung auf Bundesebene nach wie vor zu ihrem klaren "Nein". Zu unüberschaubar die Auswirkungen, zu unsicher die Risiken. Denn gerade für Jugendliche gilt Cannabis gemeinhin immer noch als Einstiegsdroge. Die Angst vieler, dass durch eine Legalisierung der Zugang zur Droge erleichtert werde, teilt der Vorsitzende des CSC allerdings nicht: "Ich glaube nicht, dass der Verbrauch langfristig steigen würde. Nach der Legalisierung dürfte es einen kurzen Schwenk nach oben geben, aber das wird kein größeres Thema. Cannabis ist in der Gesellschaft schon da, nur wird der Bedarf momentan über den Schwarzmarkt gedeckt. Durch die Legalisierung könnte man diesen in weiten Teilen austrocknen."

Einen Verein wie den "Cannabis Social Club" sieht Herberg bei diesem Anliegen weit vorne. "Wir sind im Vergleich zu offenen Verkaufsstellen zum Beispiel nicht gewinnorientiert und machen keine Werbung für Cannabis. Wir wollen keinen neuen Bedarf generieren, sondern versuchen, den bestehenden zu decken." Noch ist der Club trotz seiner 25 aktiven Mitglieder in seiner eigentlichen Funktion als Anbaugemeinschaft weitgehend lahmgelegt. Denn auch im grünen Baden-Württemberg ist seit der Wortmeldung des Ministerpräsidenten nicht mehr viel los mit den Legalisierungsplänen.

Momentan beschränkt sich der CSC deshalb darauf, sich öffentlichkeitswirksam für sein Anliegen starkzumachen: Anfang April soll auf dem Schlossplatz die Demonstration "Smoke In" stattfinden, im Mai der "Global Marihuana March". Sollte es einmal so weit kommen, dass im "Cannabis Social Club" Hanf angebaut wird, winkt Herberg angesichts der Bedenken, der Club könne zur Anlaufstelle für kiffende Jugendliche werden, schon jetzt ab. Ausschließlich Mitglieder des Clubs könnten in diesem Fall dort Cannabis kaufen - und alle Mitglieder müssen 18 Jahre alt sein.

Vorsitzender Herberg möchte so einer Kriminalisierung des Rauschmittels entgegentreten und den Besitz von Cannabis aus der Kleinverbrecher-Ecke holen. Für ihn sei die Härte, mit der dagegen vorgegangen werde, unverhältnismäßig. "Und das Geld, das man momentan für die Verfolgung ausgibt, könnte man sinnvoller in die Cannabis-Forschung investieren." Wie groß die gesundheitlichen Risiken im Vergleich zu Alkohol und Zigaretten tatsächlich seien, kann er momentan allerdings auch noch nicht genau sagen. "Es gibt dazu viel zu wenig konkrete Studien."

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