Mehr Leute leben über ihre Verhältnisse

Die Zahl der Privatschuldner in der Region Stuttgart ist mit 186.200 erneut gewachsen. Zu den Gründen gehört: zu viel Konsum.

|
In der Region haben mehr Leute zu wenig Geld.  Foto: 

Aufs Neue ist die Zahl der Privatschuldner in der Region Stuttgart gestiegen. Das geht aus dem Schuldner-Atlas 2015 der Wirtschaftsauskunftsdatei Creditreform hervor. 186.200 Menschen (ab 18 Jahren) waren demnach zuletzt überschuldet. Das entspricht einem Plus von 1,3 Prozent.

Die gute Nachricht dabei ist: Die Quote stieg im Vergleich zum Vorjahr (plus 3,3 Prozent) schwächer. Grund: Die Zahl der Menschen, die tief in den Schulden stecken, hat zwar nochmals zugenommen (plus 6800 auf 107.500). Gleichzeitig haben aber auch 4600 Menschen, die zuvor leicht verschuldet waren, einen Weg aus der Misere gefunden: Die Zahl der Fälle von geringer Überschuldungsintensität ist daher auf 78.700 Fälle gesunken.

In der Regel sind vor allem in Ballungszentren die Schuldenstände hoch, da das Leben dort teurer ist. Umso überraschender ist, dass es in Stuttgart erstmals seit 2009 weniger Überschuldete gibt, während deren Zahl in den umliegenen Kreisen gewachsen ist. Zum Stichtag am 1. Oktober 2015 zählte Creditreform 54.600 Menschen, die mehr ausgeben als sie einnehmen - das sind 600 weniger als 2014. Hintergrund sei die gute Arbeitsmarktsituation.

Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Schuldnerquote trotz leichter Entspannung immer noch hoch ist: Sie liegt mit 10,67 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 9,92 Prozent. Im Vergleich der Landeshauptstädte liegt Stuttgart damit im Mittelfeld. Am höchsten ist die Überschuldung im Stadtbezirk Mitte, gefolgt von Bad Cannstatt, Zuffenhausen, Wangen, Ost und Süd. Die Bezirke Birkach und Sillenbuch weisen hingegen erneut die niedrigste Schuldnerquote auf.

Arbeitslosigkeit, Scheidung und Trennung sind laut Creditreform nach wie vor die häufigsten Gründe für Überschuldung. Faktoren wie unwirtschaftliche Haushaltsführung (übertriebener Konsum) und Krankheit spielen aber zunehmend eine Rolle. Eine gescheiterte Selbstständigkeit gehört ebenfalls zu den Top fünf der Auslöser.

Auf Stuttgart bezogen sieht der Leiter der Stuttgarter Schuldnerberatung, Wolfgang Schrankenmüller, noch weitere Ursachen: steigende Mietpreise, hohe Energie- und Lebenshaltungskosten sowie eine Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse mit geringem Einkommen. Die Nachfrage in seiner Beratungsstelle sei nach wie vor hoch - und kaum zu bewältigen. Im Kampf gegen diese Situation setzt der Fachmann nach wie vor auf Präventionsangebote in Schulen.

Der Blick in die Region zeigt: Alle fünf Landkreise verzeichneten 2015 einen Anstieg der privaten Verschuldung - allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Am deutlichsten fiel der Zuwachs mit 8,22 Prozent (Plus von 0,18) im Kreis Göppingen aus. Der Rems-Murr-Kreis landete auf Position zwei (8,25 Prozent, Plus von 0,13 Prozent). Die Kreise Ludwigsburg (7,88 Prozent) und Esslingen (7,46 Prozent) verzeichneten einen geringen Anstieg der Quote. Die wenigsten Schuldner in der Region gibt es mit 6,96 Prozent - trotz eines Anstiegs auch dort - immer noch im Kreis Böblingen.

Die Schuldner in der Region Stuttgart und insbesondere in der Landeshauptstadt sind nach wie vor weitaus öfter männlich als weiblich - anders als im Bund, wo die Frauen laut Creditreform aufholen. Die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ist am stärksten betroffen. Immer brisanter wird gleichwohl die Verschuldung im Alter, zumal in Stuttgart, wo die Schuldnerquote der Senioren ab 70 Jahren mit 3,17 Prozent eineinhalbfach über den Werten in der Region liegt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

22.01.2016 12:44 Uhr

der Bürger gibt zu viel Geld aus????

könnte es sein, daß der Bürger zu wenig verdient?
oder daß sein Hartz4 kaum zum Überleben reicht?
oder daß seine Arbeit jetzt von nem billigeren Leiharbeiter gemacht wird,
aber das Häusle noch nicht abbezahlt ist?

"(...) weitere Ursachen: steigende Mietpreise, hohe Energie- und Lebenshaltungskosten sowie eine Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse mit geringem Einkommen.

Schuldnerberatung
"(...) Die Nachfrage in seiner Beratungsstelle sei nach wie vor hoch - und kaum zu bewältigen (...)"

Wenn man weiß, wie sehr die Familien leiden, nicht nur finanziell sondern auch psychisch, dann ist es nicht zu verstehen, warum für die Beratungsstellen nicht entschieden mehr Geld von den Kommunen und vom Land in die Hand genommen wird, damit möglichst vielen Betroffenen geholfen wird, aus der Misere rauszukommen!

Die Kosten für Beratung sind entschieden günstiger, als die durch Schulden entstehenden Gesundheitskosten, Arbeitsunfähigkeit, psychische Erkrankungen, Alkoholprobleme ... usw.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Basketballern gelingt der siebte Streich

Das Ratiopharm-Team setzt sich zuhause mit 72:69 gegen Würzburg und setzt seine Erfolgsserie fort. Das Duell zweier ehemaligen Ulmer Teamkollegen gerät zur eindeutigen Sache. weiter lesen