Luther am Alten Schauspielhaus: Macht, Geld und Religion

Das neue Stück am Alten Schauspielhaus bietet eine ungewöhnliche Sicht auf Martin Luther.

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Thomas H. von Wallersbrunn als Luther.  Foto: 

Das Luther-Jubiläumsjahr ist nun auch im Alten Schauspielhaus in Stuttgart angelangt. Dort kommt am heutigen Freitag zum ersten Mal das Stück „Martin Luther & Thomas Münzer“ auf die Bühne. Es ist die vorletzte Inszenierung des Intendanten Manfred Langner, der 2018 zum Theater in Trier wechselt. Dass sich das Stück nicht auf die Kanzelarbeit des Kirchenreformators konzentriert, darauf verweist der Untertitel „Die Einführung der Buchhaltung“.

Luther war auf einflussreiche Unterstützer angewiesen, um seine Auseinandersetzung mit dem Papst unbeschadet zu überstehen und seine Thesen unters Volk bringen zu können. Doch am Ende ging es den Adligen und Kirchenmännern, die schützend ihre Hand über den Prediger hielten und Geld gaben, auch nur um eine möglichst hohe Rendite des eigenen Invest, über den genauestens Buch geführt wurde.

Luther war in vielfacher Hinsicht Mittel zum Zweck – so die Botschaft des Schriftstellers Dieter Forte. Vor 50 Jahren hat er das Stück geschrieben, in dem sich alles um Macht, Geld und Religion dreht. Nach seiner Uraufführung 1970 in Basel wurde es zu einem Welterfolg. „In den vergangenen Jahren ist es aber in Vergessenheit geraten“, sagt Regisseur Langner, der es jetzt aus der Versenkung holt, wie er sagt. Und: „Es ist ein sehr politisches Stück mit einer nicht gewohnten Sicht auf Luther.“

Die Kostüme der Schauspieler orientieren sich an der Zeit zwischen 1514 und 1525, die der Schriftsteller für sein Schauspiel aufgegriffen hat. „Die Dialoge muten aber sehr modern an“, stellt Langner fest.  Im Feilschen um Recht und Unrecht gibt es auch im Historien-Thriller einen Verlierer: Thomas Münzer. Luther bleibt vorsichtig. Münzer hingegen radikalisiert sich. Er endet in der Folter, wird enthauptet und aufgespießt.

Info „Martin Luther & Thomas Münzer“ ist vom 15. September bis 21. Oktober im Alten Schauspielhaus täglich außer sonntags um 20 Uhr zu sehen. Eine Stunde vor jeder Vorstellung gibt der Schauspieler Gregor Eckert im Foyer (1. Rang) des Alten Schauspielhauses eine Einführung zur Produktion.

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