Kommentar · BOLZ-VILLA: Gute Alternative

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Schon harter Tobak, dem Ministerpräsidenten vorzuwerfen, er sei geschichtsvergessen. Das hat der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Sven Kaufmann in einer ersten Reaktion auf die Entscheidung Kretschmanns getan, in der Bolz-Villa keine Gedenkstätte einzurichten. Wer Kretschmann kennt, weiß, dass er eine solche Entscheidung nicht leichtfertig und nicht ohne gute Gründe fällt.

Kretschmann hat sein Urteil mit der mangelnden historischen Authentizität des Bolz-Hauses begründet. Es ist vielfach umgebaut worden, originales Mobiliar ist nicht mehr vorhanden. Auch die Kosten sind Argumente gegen den Erwerb des Gebäudes. Allein für den Kauf war eine Summe von 4,5 Millionen Euro im Gespräch. In den Ausbau zur Gedenkstätte hätte das Land sicherlich noch einmal eine Million investieren müssen. Das wäre schwer zu rechtfertigen gewesen. Überdies ist das Haus so abgelegen, dass sich dort voraussichtlich nur wenige Besucher verloren hätten.

Den neuen Anbau in der Villa Reitzenstein, in der Bolz einst als Staatspräsident residierte, nach dem Widerstandskämpfer zu benennen und im Besucherzentrum eine Bolz-Ausstellung einzurichten, ist eine gute Alternative zu den Gedenkstätten-Plänen. Es ist damit zu rechnen, dass in diese Ausstellung Besucher kommen, die von Bolz bisher noch nie etwas gehört haben. So ist die Ausstellung geeignet, das Wissen um den Nazi-Gegner besser zu verbreiten.

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