Initiative gegen schwindende Meinungsvielfalt

Stuttgart ist eine Musikstadt - aber immer weniger Kritiker schreiben immer weniger Rezensionen. Das wollen fünf Frauen ändern.

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Das Kesseltöne-Planungsteam mit Jutta Wilfert, Annette Eckerle, Petra Heinze, Lena-Mara Pfaffl und Patricia Schaller (von links).  Foto: 

Ob Liederhalle oder Theaterhaus, Oper oder Kirche: Das Angebot an klassischer Musik in Stuttgart ist groß. Doch die Konzertrezensionen gehen in Zeiten sparender Medienhäuser zurück, beklagt die Stuttgarterin Kulturmanagerin und PR-Beraterin Petra Heinze: "Wo früher vier Kritiker kamen, kommt heute maximal einer." Die Folge: Die Meinungsvielfalt schwindet, neue oder ungewöhnliche Musikprojekte können kaum auf sich aufmerksam machen, die Musikkritik als eigene Kunstform und der Austausch über klassische Musik verkümmern. Dieser "Verarmung der Musikstadt Stuttgart" wollen Petra Heinze und ihre Mitstreiterinnen mit einer Online-Musikzeitschrift entgegenwirken.

Zusammen mit einer Kulturjournalistin, einer Volkswirtin und zwei Studentinnen des Studiengangs Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien entstand das Konzept für das Onlineportal namens "Kesseltöne". Das Design der Internetzeitschrift und ein Redaktionsplan liegen umsetzungsbereit in der Schublade.

"Wir wollen jeden Tag eine neue Kritik bieten, einen aktuellen Tagestipp geben und auch mal einen Blick über Genregrenzen hinaus wagen", erklärt Petra Heinze. Außerdem sollen sich die Besucher in Kommentaren und in einem Blog über ihre Konzerterlebnisse austauschen. Eine professionelle Redaktion mit zwei Mitarbeitern und externen Kritikern soll die Online-Musikzeitschrift für Stuttgart und Region bestücken.

Die "Kesseltöne" machen über Flyer, einen Videofilm und eine Social-Media-Kampagne auf sich aufmerksam. Auf der Internetplattform Startnext werben sie um finanzielle Unterstützung per Crowdfunding. Dabei spenden viele Unterstützer über das Netz einen selbstgewählten Betrag.

Auf diese Weise haben Stammgäste zusammengelegt, damit der Pächter des Stuttgarter Cafés "Galao" das Lokal kaufen konnte. Auch der private Fernzug Locomore, der zwischen Stuttgart und Berlin pendeln wird, finanziert seinen Start über Online-Spenden.

80 000 Euro müssen es sein, damit die Online-Musikzeitschrift starten kann. Später wollen sich die "Kesseltöne" über freiwillige Unterstützer-Abos finanzieren. Bis Ende Februar läuft das Crowdfunding-Projekt, bisher sind allerdings erst knapp 600 Euro zusammengekommen. "Wir hoffen, dass sich in den letzten drei Wochen noch eine Dynamik entwickelt, der Bedarf an professioneller Musikkritik in Stuttgart ist jedenfalls da", ist Petra Heinze überzeugt.

www.startnext.com/kesseltoene

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