Hubschrauber heben öfter ab

Die DRF-Luftrettung hat mit ihrem neuen Präsidenten Rudolf Böhmler einen routinierten Netzwerker gewonnen. Eines seiner Vorhaben ist, bessere Landeplätze an den Kliniken durchzusetzen.

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Rudolf Böhmler ist der neue starke Mann bei der DRF-Luftrettung in Filderstadt. In Personalunion beaufsichtigt er die Stiftung der Organisation und führt den Verein.  Foto: 

Als Rudolf Böhmler (69) Ende 2014 als Vorstandmitglied der Deutschen Bundesbank seine bemerkenswerte Politik-Karriere beendete, freute er sich auf mehr Zeit für Familie, Enkel und Radtouren. Und auf spontane Skatabende. "Einer lief letzte Woche tatsächlich", versichert er. Doch nach seiner Wahl zum Präsidenten der in Filderstadt ansässigen DRF-Luftrettung wird freie Zeit wieder knapper.

Im März 2015 hatte er schon den Aufsichtsratsvorsitz der "DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG" übernommen. In beiden Positionen folgte er auf Helmut Nanz, Unternehmer und ehemaliger Vorstandschef der Nanz-Gruppe sowie der Helmut-Nanz-Stiftung. Nanz wurde neuer Vorstandsvorsitzender der Stiftung der Internationalen Bachakademie. "Beide Ämter in Personalunion zu führen ist Tradition, macht aber aufgrund der Synergieeffekte Sinn", betont Böhmler, der als routinierter Netzwerker gilt. Dass er "das eine oder andere Angebot", Aufsichtsratsämter zu übernehmen, zugunsten der Luftrettung ausschlug, begründet Böhmler so: "Damit kann ich mein ehrenamtliches Engagement und gemeinnützige Ziele ideal verbinden."

In den vergangenen Jahren habe er die Luftrettung als Mitglied im Rat der DRF-Stiftung kennengelernt: "Dass ich nun als Präsident des DRF e.V. die Interessen von rund 500.000 Förderern vertreten darf, ehrt mich sehr. Die stete Sicherung eines höchst professionellen und untadeligen Rufes der DRF-Luftrettung ist von entscheidender Bedeutung. Nur so können die Förderer weiterhin begeistert und neue gewonnen werden."

2014 wurden 24 Millionen Euro gesammelt, seit der Gründung 1972 insgesamt 430 Millionen. "Eine satte Summe, ohne die die DRF aber nicht leben könnte. Die Krankenkassen tragen meist nur die Kosten der Grundversorgung", kündigt Böhmler weitere Aktivitäten an: "Bei der Spendenaufrufe-Flut muss jeder einzelne überzeugt werden."

Allein 500.000 Euro müssten pro Jahr in Anschaffung und Wartung medizinischer Geräte und Produkte investiert werden. Ein Hubschrauber wie der H 145 von Airbus Helicopters, das modernste DRF-Fluggerät, koste 8,5 Millionen Euro: "Der erste ist seit Februar im Einsatz - in den nächsten Jahren werden insgesamt 20 Maschinen folgen."

Viel Geld investiert die DRF-Luftrettung, die 2014 in Deutschland und Österreich 37.861 Einsätze flog, um das Personal intensiv einzuarbeiten und weiterzubilden. "Wer einen Hubschrauber-Pilotenschein besitzt, ist noch lange kein guter Rettungsflieger. Und wir haben 160", macht der neue Präsident klar. Gleiches gelte für die 300 Rettungsassistenten. Bei den 80 Luftfahrt-Technikern erfordere ein leergefegter Markt große Anstrengungen, um die Qualität zu sichern.

Obwohl die DRF (28 Stationen) zusammen mit dem ADAC über 90 Prozent der Stützpunkte der Luftrettung in Deutschland betreibt, muss jeder einzelne nach einer Ausschreibung gewonnen und nach einer festen Laufzeit bestätigt werden. Um die Zukunft der DRF ist Böhmler allerdings nicht bang. Sie biete hochprofessionelle Leistung und eine Organisation mit der richtigen, verlässlichen Größe, die auch Ausfälle kompensieren kann. "Fliegende Rettungswagen" würden für die Metropolregionen und den ländlichen Raum immer wichtiger: "Im ersten Fall bringen zunehmende Verkehrsdichte und Staus für Fahrzeug-Einsätze große Probleme. Und auf dem Land verlängert der Abbau von Krankenhäusern die Fahrzeiten zur nächsten Klinik oft dramatisch." Überdies müssten wegen der Krankenhaus-Spezialisierung mehr Patienten verlegt werden.

Mit einer "Strategie 2020" will der neue DRF-Lotse kommenden Anforderungen gerecht werden. Zu den Eckpunkten zählen flächendeckende Nachtflüge in Baden-Württemberg, nach dem Aufbau einer Revision ein Compliance-Regelwerk, die permanente Erneuerung der rot-weißen Hubschrauber-Flotte sowie der Ausbau der Werft in Rheinmünster.

Auch auf politischem Terrain sieht Böhmler Arbeit. Landeplätze an Krankenhäusern müssen nach neuen EU-Richtlinien genehmigt werden. "Die Erfassung 2014 zeigte, dass Hunderte die Anforderungen nicht erfüllen. Wenn wir künftig nicht mehr überall landen können, ist das nicht nur für Patienten schlecht - wir erzielen auch weniger Erlöse", sieht Böhmler Handlungsbedarf. Um Ausnahmegenehmigungen zu ermöglichen oder die Landkreise zu Verbesserungen zu bewegen, soll sein in 50 Jahren öffentlicher Dienst gewachsenes Netzwerk helfen.

Eine Bilderbuchlaufbahn im Öffentlichen Dienst

Karriere Der 1946 in Schwäbisch Gmünd geborene Rudolf Böhmler legte nach der Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst das "Begabten-abitur" ab. Das 1971 begonnene Jurastudium beendete er 1977 mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung. Danach arbeitete er beim Landratsamt Göppingen. Von 1979 bis 1982 war er im Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Stuttgart Referent für internationale Zusammenarbeit. 1982 leitete er in Bonn das Staatssekretärsbüro im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Von 1983 bis 1995 nahm Böhmler verschiedene Aufgaben im Stuttgarter Staatsministerium wahr. 1995 wurde er Amtschef im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. 2000 berief ihn Ministerpräsident Teufel an die Spitze des Staatsministeriums. Auch unter Ministerpräsident Oettinger war er von 2005 bis 2007 Chef der Staatskanzlei. Von Juli 2007 bis Ende 2014 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank in Frankfurt.

Ehrenämter Böhmler leitet den Arbeitskreis Kultur in Schwäbisch Gmünd. Seit 1990 ist er Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Amerikanischen Zentrums Stuttgart.

 

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