Hochhauswohnungen: Luftiger Luxus

Wohnen im Hochhaus erlebt auch in der Region Stuttgart eine Renaissance, allerdings nur für Gutbetuchte. Fünf Wohntürme sind derzeit im Bau, zwei weitere geplant. Was bedeutet das für die Quartiere?

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Jahrzehntelang war in der Landeshauptstadt klar: Wer es zu etwas gebracht hatte, kaufte oder baute ein Haus in Halbhöhen- oder Höhenlage. Doch die Ränder des Stuttgarter Kessels bekommen als Top-Wohnlagen Konkurrenz - und das ausgerechnet von Hochhäusern, wie dem Cloud No 7 am Milaneo oder Skyline Living auf dem Pragsattel.

Stuttgart steht mit dem Trend zum Hochhaus nicht allein. 80 Wohnhochhäuser wurden in Deutschland seit 2010 gebaut oder werden bis 2018 fertiggestellt. Das hat der Kölner Projektentwickler Pandion in einer Studie ermitteln lassen. Und dabei sind nur die sieben sogenannten "A-Städte" - Stuttgart, Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Düsseldorf - sowie 13 "B-Städte" berücksichtigt. So tauchen Wohntürme, die gerade in Bietigheim-Bissingen, Böblingen und Fellbach gebaut werden in der Statistik gar nicht auf.

Für den Stadtsoziologen Gerd Kuhn von der Universität Stuttgart ist die Entwicklung nicht erstaunlich: "Wohnen im Luxussegment pluralisiert sich ebenso wie in allen anderen Bereichen." Die Suche nach anderen Wohnformen habe mit den Lofts begonnen und setze sich seit etwa zehn Jahren mit den Hochhäusern fort.

Die Wohntürme sind dabei nur eine Ergänzung zu den traditionellen guten Lagen. "Es wird keiner von einer Halbhöhenlage ins Hochhaus ziehen", sagt Kuhn. Diese seien vor allem bei Singles oder Paaren ohne Kinder begehrt, die andere Lebensformen suchten und eine andere Bindung zur Stadt hätten. Diese Erkenntnis stützt auch eine Studie, die die Immobilien-Marketing-Beratung Sition im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Danach leben mehr als elf Prozent aller Singles in Häusern mit sieben oder mehr Etagen.

Das Wohnen in Hochhäusern des 21. Jahrhunderts muss man sich allerdings leisten können. Die teuerste Wohnung im Cloud No 7 im Europaviertel kostete pro Quadratmeter 15.400 Euro. Das 460-Quadratmeter-Penthouse im Fellbacher Gewa-Tower wird auf rund fünf Millionen Euro beziffert. Der liegt zwar, anderes als die Stuttgarter Türme, nicht mitten in der Stadt, ist aber mit 107 Metern deutlich höher.

"Die Höhe ist die Lage," sagt Gewa-Projektentwickler Mark Warbanoff. Rund zwei Drittel der Wohnungen sind verkauft. Beim Cloud No 7 sind mehr als 80 Prozent reserviert oder vergeben. Für den Skyline-Turm beginnt die Vermarktung der Wohnungen erst in einem Jahr. Der Bauherr, die Bülow AG, will die Wohnungen aber nicht verkaufen, sondern selbst vermieten. Über Preise könne man noch nichts sagen, heißt es beim Bauträger.

Stadtsoziologe Kuhn sieht den Trend zum Luxus-Hochhaus skeptisch. Da es sich um ein abgeschirmtes Wohnen handele, nutzten die Türme zwar das urbane Quartier, gäben aber nichts zurück. "Wenn das überhand nimmt, wird es für die Stadtkultur zum Problem," meint der Wissenschaftler. Es sei Aufgabe der Politik und Stadtplanung, darauf zu achten, dass sich keine "Gated Communities" entwickeln. Bislang sei Stuttgart noch eine sehr offene Stadt, in der es solche geschlossenen und speziell gesicherten Wohnbereiche nicht gebe. Auch die soziale Durchmischung sei in vielen Gebieten noch ausgeprägt.

Überblick

Bau In und um Stuttgart werden derzeit fünf Wohnhochhäuser gebaut. Das höchste, und derzeit dritthöchste in ganz Deutschland, ist der Gewa-Tower in Fellbach mit 107 Metern und 33 Stockwerken. Das Skyline Living am Pragsattel folgt mit 75 Metern und 22 Stockwerken, Sky am Bietigheimer Bahnhof kommt auf 70 Meter und 18 Etagen. Auf 61 Meter und 18 Stockwerke kommt das Cloud No 7 an der Nordwestecke des Europaviertels. Noch bescheidener fällt mit rund 40 Metern das Haus Kniebis auf dem Böblinger Flugfeld aus.

Tradition Wohntürme in dieser Größenordnung sind zwar in der Stuttgarter City ein Novum, nicht aber für die Stadt an sich. Das Salute-Hochhaus im Fasanenhof misst 70 Meter, ebenso wie die Blöcke der Wohnsiedlung Hanibal in Asemwald und das Julius-Brecht-Hochhaus in Freiberg. Alle drei stammen aus den 1960er und den frühen 1970er Jahren.

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