Wilhelma: Gefiederte Exoten

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  • Der Balistar (oben links) ist der wohl seltenste Vogel weltweit. In seiner Heimat Indonesien wird er bejagt und auf dem Vogelmarkt verkauft. In der Wilhelma in Stuttgart leben die exotischen Vögel im Maurischen Landhaus. Dort ist auch der Weißohr-Katzenvogel (oben rechts) anzutreffen. Er ist der Lieblingsvogel von Kurator Günther Schleussner.  1/3
    Der Balistar (oben links) ist der wohl seltenste Vogel weltweit. In seiner Heimat Indonesien wird er bejagt und auf dem Vogelmarkt verkauft. In der Wilhelma in Stuttgart leben die exotischen Vögel im Maurischen Landhaus. Dort ist auch der Weißohr-Katzenvogel (oben rechts) anzutreffen. Er ist der Lieblingsvogel von Kurator Günther Schleussner. Foto: 
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Sie sind wirkliche Hingucker, die beiden Balistare in der Voliere des  Maurischen Landhauses in  der Wilhelma: schneeweiß mit rabenschwarzen Flügel- und Schwanzspitzen und einer kobaltblauen Gesichtsmaske. Die außergewöhnliche Färbung dieses amselgroßen Vogels ist der Grund dafür, dass er in seiner Heimat – dem Westteil der indonesischen Insel Bali – von der endgültigen Ausrottung bedroht ist.

Nur wenige Dutzend Balistare leben nach Experten-Schätzungen noch in Freiheit. „Er ist der wohl seltenste Vogel weltweit“, sagt Günther Schleussner, in der Wilhelma wissenschaftlicher Abteilungsleiter „für alles, was Federn hat“. Obwohl offiziell inzwischen geschützt, wird der auffällige Balistar gefangen und zu hohen Preisen auf den Vogelmärkten verkauft. „Was hierzulande die Rolex am Handgelenk, ist in Südostasien der Balistar im Bambuskäfig auf der Terrasse: ein Statussymbol mit ganz hohem Stellenwert“, erklärt der 60-Jährige.

Balistar wird nachgezüchtet

Ohne Nachzüchtungen aus den Zoos wäre der Balistar schon ausgestorben. Doch gegen die Vogelfänger kommt die gezielte Auswilderung immer weniger an. „Nur wenn die Nachfrage ausgetrocknet würde, hätte der Balistar eine Chance im Freien“, ist sich der Vogel-Kurator sicher. Gut 1000 Exemplare werden weltweit in Zoos gezählt. Auch die  Wilhelma beteiligt sich mit dem Balistar an dem nach genetischen Gesichtspunkten  gemanagten internationalen Zuchtprogramm. „Ziel ist es, 90 Prozent der genetischen Vielfalt für die nächsten 200 Jahre zu erhalten“, erläutert der promovierte Zoologe.

Seit 1994 arbeitet Schleussner in der Wilhelma. Auf den Vogelbestand könne der Universal-Zoo stolz sein: „Wir haben 210 Vogelarten mit knapp 1100 Individuen, andere Zoos oft nur halb so viel.“ Natürlich weiß er,  „dass Vögel im Zoo nicht die erste Geige spielen. Auch meine Kinder wollten lieber zu den Elefanten.“ Umso beachtlicher sei es, welchen Aufwand man treibe. Denn Vögel zu halten, sei heikel: Werden sie krank, verbleibe dem Tierarzt – anders als bei Säugetieren – nur wenig Zeit, um einzugreifen.

Tropenvögel seit fast 60 Jahren

Vögel bis zum Strauß findet man an vielen Orten auf dem Wilhelma-Gelände.  Im feucht-warmen Maurischen Landhaus leben seit Anfang der 1960er-Jahre tropische Vögel, darunter auch die 31-jährige Victoria-Krontaube, die an einen Hühnervogel erinnert und die größte ihrer Art ist. Der beeindruckend blaue Täuberich mit den weißen Federsäumen an der Fächerhaube muss seit kurzem allein leben, das zweite Exemplar ist verstorben. „Es wäre doof, ihm jetzt eine junge Taube zuzugesellen. Wenn er einmal nicht mehr ist, fängt man wieder mit einem neuen jungen Paar an“, sagt Vogel-Kurator Schleussner.

Klar, dass das nicht einfach in Neuguinea in eine Kiste gesetzt und hergeschickt wird. „Als in den 60ern alles anfing, hatten wir eine gute Verbindung dorthin, ein früherer Wilhelma-Mitarbeiter belieferte uns.“ Neben dem Paradiesvogel lebten damals im Landhaus auch noch Nachttiere wie Baumkängurus und Schnabeligel, was weltweit eine Sensation war. Vor Ort gefangen wird gar nicht mehr. Heute kommen alle Vögel, wie in anderen europäischen Zoos auch, aus Züchtungen.

Schleussners Favorit unter den tropischen Vögeln ist der Weißohr-Katzenvogel mit grünem Federkleid und schwarzweiß-gesprenkelter Brust, dessen Stimme wie das Fauchen einer Katze klingt. „Der Katzenvogel hat einen besonderen Charakter“, sagt der Experte, der sich zu Hause eine Schildkröte hält. „Er ist eher ruhig, sitzt viel auf der Stelle und hält seinen Schnabel.“

Tropische Laute

Laute tropische Laute kann man im Landhaus vor allem morgens und abends hören, wenn die Vögel besonders aktiv sind. Zu fressen bekommen sie neben täglich mehrfach angerührtem Honig-Nektar-Brei und Körnern auch tropische Früchte, wie sie in dem gläsernen Gewächshaus neben dem Maurischen Landhaus wachsen. Auf den  eigenen Anbau aber ist kein Verlass: Besucher bedienen sich. Deshalb sind die Bananenfrüchte auch umnetzt. „Wir wollen doch, dass man sieht, wie die wachsen.“

Gelbkopfamazonen Auch außerhalb der Wilhelma kann man in Bad Cannstatt fliegende Exoten sehen: Bis zu 60 Gelbkopfamazonen zählt die Papageien-Kolonie inzwischen. Ein erstes Exemplar tauchte 1984 auf dem Wilhelma-Gelände auf, wohl angezogen von den Lauten eingesperrter anderer Papageien.

Herkunft unklar „Mit Vehemenz weisen wir zurück, es sei uns entflogen“, sagt Vogel-Kurator Günther Schleussner, „wir hatten gar keine.“ Irgendjemand, vielleicht ein Mitarbeiter der Wilhelma, habe ein zweites Exemplar besorgt. Schon 1985 gab es den ersten Nachwuchs. Die eigentlich in Mexiko beheimateten Vögel fühlen sich wohl im Schwäbischen. Wird mal ein geschwächter Papagei vorbeigebracht, „päppeln wir den auf – und lassen ihn dann wieder frei.“ wie 

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