Gastro-Szene in Stuttgart: Viel Bewegung hinterm Tresen

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    Sebastian Riedmüller (li.) und Timo Schillings führen jetzt das „Transit/Bergamo“ am Hans-im-Glück-Brunnen. Foto: 
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    Kellner Valentin Rossu bedient im wiedereröffneten „Graf Eberhard“. Foto: 
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Das Jahr 2017 beginnt für die Stuttgarter Gastroszene ebenso turbulent, wie 2016 endete. In den vergangenen Wochen machten einige traditionelle Diskotheken und Restaurants zu – oder sind von der Schließung bedroht. In anderen wechselten die Betreiber. Aber auch über Neueröffnungen können sich die Stuttgarter freuen. Ein Überblick.

Schließungen: Vor allem die Nachtschwärmer mussten zuletzt schlechte Nachrichten verdauen. So ist die Silvesterparty die letzte Fete im „Zollamt“ in Bad Cannstatt gewesen. Eine  Bürgerinitiative hatte sich für mehr Ruhe in der Nachbarschaft starkgemacht, berichtet Joachim Petzold, der Chef der Kulturinsel gGmbH, unter deren Regie auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände getanzt wurde. „Das ,Zollamt’ war das, womit wir eigentlich Geld verdient haben. Das war bitter“, sagt er über das Aus. Der Kulturbetrieb geht indes weiter, betont Petzold. So gibt es Tagungsräume, den urbanen Garten, Einrichtungen für Flüchtlinge oder auch Veranstaltungen abseits des Clubtreibens. Der Vertrag mit der Stadt laufe noch bis Ende 2018, danach soll abgerissen werden.

Ende 2016 gab auch die Diskothek „Zwölfzehn“ in der Paulinenstraße via Facebook bekannt, dass sie schließt. Hintergrund sind offenbar Unstimmigkeiten mit dem Vermieter. „Es konnte leider keine Einigung mit dem Eigentümer erreicht werden“, schreiben die Betreiber. Noch bis März könne getanzt werden, ein Umzug steht in Aussicht.

Umbrüche gibt es nicht nur im Nachtleben, sondern auch in der Restaurant-Landschaft. Die Betreiber des „Scholz am Park“ auf dem noblen Killesberg haben Insolvenz angemeldet. Dies bestätigt Oliver Kirschnek, der als Insolvenzverwalter für die drei operativen Gesellschaften, das Speiselokal, den Blumenladen und die Eisdiele, eingesetzt wurde.

Die Württembergische Versicherung hat den Scholz-Machern den Mietvertrag gekündigt – wegen Zahlungsverzugs. Jetzt ist Kirschnek auf der Suche nach Investoren, um eine Schließung abzuwenden, und das Interesse sei groß. Das Restaurant und der Blumenladen laufen währenddessen normal weiter. Die Eisdiele ist witterungsbedingt zu. „Wir suchen eine dauerhafte Lösung“, sagt der Insolvenzverwalter aus der Stuttgarter Kanzlei Illig, Braun und Kirschnek.

Ebenfalls dieser Tage dichtgemacht hat das Bio-Restaurant „Café Lässig“ im Westen – um dann Mitte März in der Gerokstraße 12 am U-Bahnhof Heidehofstraße wieder aufzumachen. Keine Lösung gab es indes für das vegane „Coox and Candy“. Die Betreiber hatten im Dezember überraschend bekannt gegeben aufzuhören. Umzugspläne waren gescheitert.

Wechsel: Der Club „Schocken“ hat den Besitzer bereits gewechselt. Der 37-jährige Stuttgarter  Muhlis Kilic hat die dreigeschossige Disco gekauft, seit 2. Januar ist er der Chef. Der Betrieb ist nahtlos weitergegangen, allerdings stehen auch Veränderungen an. Laut Kilic sind die Technik und auch das Interieur dringend renovierungsbedürftig. „Da ist seit 12, 13 Jahren nichts gemacht worden.“ Das bewährte Party-Programm soll um mehr Konzerte erweitert werden, und im Sommer will Neu-Gastronom Kilic die Terrasse „voll aktivieren“. Dann unter anderem Namen, da „Schocken“ notariell geschützt ist.

Auch im „Transit/Bergamo“ wurde ein Wechsel vollzogen. Timo Schillings, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Bürovier, und Sebastian Riedmüller, der im Fluxus einen Craftbeer-Laden hat, haben den beliebten Club am Hans-im-Glück-Brunnen übernommen. Schillings (29) kennt ihn gut, immerhin hat er hier sechs Jahre hinter der Theke gearbeitet, die Übernahme sei für ihn und seinen Kompagnon daher ein „Herzensprojekt. Wir sind hier alle befreundet“, sagt er. Man wolle am bisherigen Konzept festhalten.

Eröffnungen: Einen Neustart haben auch andere in Stuttgart gewagt. Das traditionsreiche Café „Graf Eberhard“ im Gerberviertel hat seit Anfang Januar nach rund anderthalb Jahren Schließung wieder offen. Die Kuchen kommen nach wie vor vom Café „Planie“, das Interieur und die Terrasse sind etwas aufgehübscht worden, berichtet die neue Geschäftsführerin Sadet Tofaj. Nach Silvester hat das Lokal aufgemacht, von der Resonanz ist die Chefin jetzt schon überwältigt.  Tofaj ist übrigens auch in eine weitere Eröffnung involviert: Sie arbeitet seit Anfang Dezember in der Disco „Vivally“ in Zuffenhausen mit. Das ehemalige „Sky Palace“ hat Tuncay Sefer übernommen. Am Wochenende werden dort auf zwei Floors Partys unter anderem zu türkischer Musik gefeiert.

Stuttgarts Gastro-Szene bleibt also in Bewegung. Der Cannstatter Kulturinsel-Macher Joachim Petzold hat nach dem Aus des „Zollamts“ ebenfalls schon wieder ein neues Ass im Ärmel. Er will im Sommer einen alternativen Biergarten eröffnen, wo die Zollamt-Fans donnerstags bis sonntags ein Getränk schlürfen oder auch Open-Air-Filme anschauen können. Und das Fetenmachen hat er auch noch nicht komplett abgeschrieben. „Ich möchte mit der Bürgerinitiative reden, um eventuell ab und an Partys veranstalten zu können.“

Fluktuation Der Gastronomie im Land geht es laut der Dehoga Baden-Württemberg gut. Die etwa 30 700 landesweit gemeldeten Betriebsstätten profitierten von einer guten Konjunktur. Wechsel gibt es jedoch immer, die Fluktuation ist hoch. Jährlich würden 7500 Gewerbean- und -abmeldungen registriert. car

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