Frühes Einordnen führt zu Staus

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Heftige Reaktionen bei den Lesern dieser Zeitung hat die Königstraßen-Kolumne vom vergangenen Samstag ausgelöst. Darin ging es um „Egoisten“ , die vor einer baustellen- oder unfallbedingten Engstelle auf mehrspurigen Straßen an der sich bildenden Kolonne vorbeifahren und sich erst kurz vor der Engstelle einfädeln.

Rainer Drake aus Tübingen  zählte den Autor zu denjenigen, „die keine Ahnung vom Reißverschlussverfahren zu haben scheinen“. Der Kommentar von Arnfrid Haegele aus Michelfeld lautete so: „Herr Weible äußert sich hier, offenbar etwas neidgesteuert, doch leider gar nicht gut informiert.“

Die protestierenden Leser haben Recht. Tatsächlich bestimmt Paragraf 7 Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung, dass es absolut legal ist, sich erst vor der Engstelle einzufädeln. Der Paragraf bestimmt auch, dass Fahrern, deren Fahrstreifen endet, das Einfädeln ermöglicht werden muss. Dieser Passus der Straßenverkehrsordnung ist offenbar vielen Fahrern nicht bekannt. „Da gibt es Defizite“, bestätigt Hauptkommissar Jürgen Höflacher von der Verkehrspolizei Esslingen.

Laut Höflacher könnte das falsche Verhalten auch psychologisch zu erklären sein. Leuten, denen eingebläut wird, sich im Straßenverkehr defensiv zu verhalten, sähen sich demnach veranlasst, sich früh einzuordnen. Für diese Fahrer sind jene, die an ihnen vorbeiziehen, Aggressoren.

Es kommt zu Spannungen, wenn sie durch dichtes Auffahren auf den Vordermann das Einscheren zu verhindern versuchen. Hörlacher hat auch beobachtet, dass manche „Kandidaten“ in die Mitte fahren, um die Überholer zu blockieren, was auch zu gereizten Reaktionen führt. Wenn ihm das im Dienst widerfahren würde, „würde ich eingreifen“. Dann ist ein Bußgeld für den Blockierer fällig.

Mehr Aufklärung nötig

Das Verhalten der „defensiven“ Autofahrer kann Staus auslösen, weil sie den zur Verfügung stehenden Verkehrsraum nicht ausnützen. „Je früher man sich einordnet, desto länger sind die Staus, lautet eine Faustregel“, zitiert rp-online den Verkehrsexperten Michael Schreckenberg. Was tun? „Da könnte Aufklärung etwas bewirken“, sagt Höflacher. Oder auch verkehrstechnische Eingriffe.

In Nordrhein-Westfalen werden Autofahrer vor Baustellen durch eine durchgezogene Linie gezwungen, erst vor der Engstelle die Spur zu wechseln. Ein Zusatzschild mit dem Text „Reißverschluss erst in 200 Metern“ unterstützt die Regelung. In Österreich fordert eine Tafel mit der Aufschrift „Einordnen lassen“ zu vernünftigem Verhalten am Reißverschluss auf. Raimund Weible

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