Fernsehturm erweist sich als Magnet

|
Der Stuttgarter Fernsehturm bietet bei Nacht einen fast schon magischen Anblick.  Foto: 

Das ist mein Lieblingsgebäude“, bekennt Sybille Böpple, „und meine Begeisterung will ich mit Ihnen teilen.“ Allerdings benötigt die Touristikerin  wenig Überzeugungskraft, wenn sie ihre Gäste durch den Fernsehturm führt. Denn die meisten unter ihnen sind selbst Turm-Fans.

Menschen wie Heinz Klingel aus Riederberg haben sehnlichst auf die Gelegenheit gewartet, wieder auf den Turm zu fahren. Seit genau einem Jahr kann das der pensionierte Maurermeister wieder tun, denn am 30. Januar 2016 ist das Stuttgarter Wahrzeichen nach fast dreijähriger Sperre wieder geöffnet worden. Klingel ist  Jahreskarten-Inhaber und kommt daher häufiger. So ist er mit am Publikumserfolg beteiligt. Denn in diesem ersten Jahr haben fast 550 000 Personen die Kanzel besucht.

„Das übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem“, sagt Julia Gärtner, Pressesprecherin der SWR Media Services GmbH, die den Turm im Auftrag des Südwestrundfunks  betreibt. Zum Vergleich: Im letzten Jahr vor der Schließung hatte die Gesellschaft 331 000 Besucher gezählt. Jetzt hoffen die Betreiber, dass der Andrang weiter anhält. Zuversichtlich macht sie der reißende Absatz von Jahreskarten für 25 Euro. Der Verkauf sei um ein Vielfaches höher als vor der Sperrung, sagt Gärtner. Konkrete Zahlen will sie indes nicht nennen.

Souvenirartikel laufen gut

Nicht nur oben in der Kanzel ist bei gutem Wetter starker Betrieb, sondern auch unten im Verkaufsraum, den jeder passieren muss, der  auf den Turm will. Dort gibt es über 100 Artikel mit Fernsehturm-Motiv zu erwerben. Besonders beliebt sind die Frucht-Türmle und die Kugelschreiber,   in deren Innern King Kong, je nach Neigung des Stifts, den Turmschaft rauf- und runterrutscht.

„Die Artikel laufen sehr gut“, stellt Julia Gärtner fest. Zu den originellen Souvenirs zählen auch die Gläser mit original Turmhonig. Der stammt von einem Imker, der im Sommer seine Bienen auf dem Hohen Bopser weiden lässt.

Der Fernsehturm ist bisher der einzige auf der Welt, der nach einer Sperrung wieder geöffnet worden ist. Das verdankt SWR-Intendant Peter Boudgoust als Hausherr des Turms „Ingenieurskunst auf höchstem Niveau“. Die Experten hatten die Aufgabe, eine Lösung zu finden, um einen Brand unmöglich zu machen, vor allem im Turmschaft.

Viel in die Sicherheit investiert

Beispielsweise wurden die bisher frei liegenden Hochfrequenzkabel für den Radiosender an der Spitze des Turms, die bisher offen im Innern des Schafts lagen, eingekapselt, den Innenraum bliesen die Techniker mit Mineralwolle aus. Außerdem bauten sie alle drei Meter Schotts ein, um zu verhindern, dass sich ein Brand über die einzelnen Segmente ausbreitet. Eine Kühlung verhindert, dass sich die Kabel erhitzen. Insgesamt 1,8 Millionen Euro hat der SWR in den Brandschutz investiert.

Zum Sicherheitskonzept gehört auch, dass alle Aufzugsführer eine Schulung in Evakuierungshilfe durchlaufen müssen. Früher verkauften sie auch Tickets, heute sind die Bereiche Kasse/Shop und Lift strikt voneinander getrennt. Eine andere Sicherheitsvorschrift limitiert die Besucherzahl: Mehr als 320 Personen dürfen sich nicht auf der Kanzel aufhalten

Jeden ersten und dritten Montag im Monat führen Sybille Böpple und ihre fünf Kollegen in die Kanzel. Dann erfahren die Besucher viele Hintergründe zum Bau und der Geschichte des Turms. Etwa, dass der Korb, der zum Fensterputzen eingesetzt wird, „Elefant“ genannt wird, und dass das Land Baden-Württemberg auf der Spitze des Turms die Radio­aktivität misst.

Die prächtige Aussicht vom Turm lässt sich auch bei einem Milchkaffee oder einem Gläschen Grauburgunder von Meister-Wengerter Hans-Peter Wöhrwag im Panorama-Café genießen. Es ist das höchste Café in der Stadt. Und die Gäste trifft man dort meist in Hochstimmung an.

Laugen-Türmle Das Jahr 2016 war nicht nur das Jahr der Wiedereröffnung des Fernsehturms, sondern auch das Jahr, in dem das 60-jährige Bestehen des Stuttgarter Wahrzeichens gefeiert wurde. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres öffnet der SWR die Kanzel in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar. Auf 144 Metern Höhe gibt es auf der Ebene 7 Getränke an der  Bar – und den Blick auf die leuchtende baden-württembergische Landeshauptstadt gratis. Hungrige Nachtschwärmer und Frühaufsteher können sich am Sonntagmorgen ab fünf Uhr an Laugen-Türmle laben.

Auszeichnung Der Fernsehturm, auf dem Hohen Bopser gebaut, ist mit 489 Metern der höchste Punkt der Stadt. Die Antennenspitze reicht bis in 216,6 Meter Höhe. Seit dem 11.­­ Juli 2009 trägt der Turm den Titel „Historisches Wahrzeichen der Inge­nieurbaukunst in Deutschland“. web  

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen