Feinstaubalarm: Daimler untersagt Fahrt mit Prototypen

Am Tag des Feinstaubalarms untersagte Daimler Testfahrten im Stadtbereich. Und doch war ein Erlkönig unterwegs. Ansonsten viele Elektro-Smarts.

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Demonstratin mit Mundschutz am Neckartor.  Foto: 

Eine abgeklebte Limousine mit Freiburger Kennzeichen fuhr am Vormittag in der Innenstadt. Ganz klar ein Erlkönig von Mercedes-Benz. Als der Testfahrer bemerkte, dass von dem Fahrzeug ein Foto gemacht wird, gab er Gas, wie eine Augenzeugin dieser Zeitung berichtete. Sie findet es ärgerlich, dass der schwäbische Autobauer trotz Feinstaubalarms seine Testfahrzeuge durch die Stadt fahren lässt.

Ein Daimler-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Wir haben angeordnet, dass keine Testfahrten mehr innerhalb Stuttgarts durchgeführt werden dürfen. Lediglich Fahrten zwischen unseren Standorten, die zwingend notwendig waren, wurden in Einzelfällen noch durchgeführt. Diese Fahrten sind mittlerweile beendet." Der Sprecher wies daraufhin, dass Fahrzeuge mit Elektro- und Plug-in-Hybrid-Antrieb jedoch weiter unterwegs seien.

Der Autobauer Daimler mischt beim Feinstaubalarm in Stuttgart mit. Seine Tochter Moovel rabattiert nämlich die VVS-Einzeltickets, wenn Kunden über die App ein Ticket für den Nahverkehr kaufen. Die Nutzer bekamen es dann zum halben Preis. Die Aktion ist zunächst für die ersten beiden Feinstaub-Alarme in der baden-württembergischen begrenzt. Sie gilt aber für das gesamte Tarifgebiet des VVS.

Der Konzern hat in der Landeshauptstadt 500 kleine Elektro-Smarts von Car2go stationiert. Die waren am Montag sehr begehrt und schwer zu bekommen. Auch hier gab es Feinstaub-Rabatt: Die Minute kostete nur 14 Cent. Normalerweise ist die Nutzungsgebühr doppelt so teuer. Man sei zufrieden, wie es laufe.

Über 50.000 Stuttgarter nutzen laut Mitteilung das Carsharing-Angebot des Autobauers. Stuttgart sei einer von vier Standorten mit einer Flotte von rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

Am Abend, als der Berufsverkehr am stärksten war, rief die Bürgerinitiative Neckartor zu einer Demonstration auf. Startpunkt des Demozuges war die Messstation am Neckartor, dem bundesweit am meisten von Feinstaub betroffenen Ort, Ziel der Schlossplatz. Die Demonstranten verlangten ein schärferes Vorgehen, um die Feinstaub-Emissionen einzudämmen. Auf einem Plakat stand: "Paris macht es vor! Fahrverbote! Jetzt! Hier!" Nach Angaben des Verkehrsministeriums passieren den Verkehrsknotenpunkt nahe der Innenstadt täglich etwa 71.300 Fahrzeuge.

In Stuttgart gibt es den Angaben zufolge rund 200.000 Auto-Berufspendler. Die Stadt hat die Hoffnung, dass sie bei Feinstaubalarm auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG führte am ersten Tag keine aktuellen Zählungen durch. Subjektiv bestehe der Eindruck, dass es keine zusätzlichen Fahrgäste gab, so Sprecherin Birte Schaber. Die Bahn als Betreiber der S-Bahnen sprach von einem lediglich moderaten Mehraufkommen.

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