Feinstaub-Werte trotz Alarms stark überschritten

Der Feinstaub-Alarm zeigt noch keine Wirkung: Die zulässigen Werte wurden trotzdem deutlich überschritten. Die Aktion wurde verlängert.

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Die U 11, die extra an Alarm-Tagen fährt, blieb bislang leer.  Foto: 

Den ganzen Montag über wurden die Menschen in der Region über diverse Kanäle darüber informiert, dass Feinstaub-Alarm ausgerufen wurde. Sie sollten ihre Wagen freiwillig stehenlassen und ihre Komfort-Kamine abschalten. Die Wirkung war allerdings erst mal gering: Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt und Messungen wurden die Feinstaub-Werte am ersten Aktionstag erheblich überschritten. Die Belastung der Luft habe am Montag im Tagesmittel an der Messstation Neckartor bei knapp 90 Mikrogramm je Kubikmeter Luft gelegen, die EU erlaubt aber nur 50 Mikrogramm. Auch in den kommenden Tagen ist mit Überschreitungen zu rechnen.

Für die beiden Initiatoren des Feinstaub-Alarms, Verkehrsminister Winfried Hermann und OB Fritz Kuhn (beide Grüne), beweisen die aktuellen Werte vor allem, wie wichtig ihr Appell ist. Hermann: "Dies zeigt, wie notwendig es war, den Feinstaub-Alarm auszulösen. Und es ist jetzt umso notwendiger, dass möglichst viele Menschen ihr Verhalten ändern." Er appellierte an alle Autofahrer, die in den kommenden Tagen nach Stuttgart wollten, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder von zu Hause aus zu arbeiten.

Am Dienstag wurde der Feinstaub-Alarm bis mindestens Freitagnacht verlängert. Das Ende ist nach Angaben der Stuttgarter Stadtverwaltung mit Blick auf die Wetterlage offen. Der Alarm wird bei austauscharmen Wetterlagen ausgelöst, zu denen es häufig im Winter kommt. Die Luft kann im Talkessel dann nicht zirkulieren - Schadstoffe entweichen nicht.

Der sprunghafte Anstieg der Werte am Montag im Vergleich zu den Vortagen zeige, welchen Einfluss das Wetter habe und wie wichtig es sei, gerade dann, wenn eine schadstoffträchtige Wetterlage erwartet werde, das Auto stehenzulassen, sagte Kuhn. Er kündigte erneut Fahrverbote an, sollten die Werte nicht besser werden. In zwei Jahren könnten diese kommen. Der OB richtete sich dabei an Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe, der die Aktion nicht weit genug geht. Kuhn: "Nur gegen den Feinstaub-Alarm zu wettern, senkt die Werte nicht."

Heute wollen die Verantwortlichen im Verkehrsministerium eine erste Bilanz ziehen. Dann sollen laut einer Sprecherin des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) auch Zahlen vorliegen, wie viele Tickets für Busse und Bahnen an den Alarm-Tagen verkauft wurden. Der VVS und das Ticket-Portal Moovel waren mit Sonderangeboten in die Aktion gestartet.

Enttäuschend war bisher die Resonanz der Autofahrer auf das Angebot der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), ihre Fahrzeuge auf dem Cannstatter Wasen abzustellen und dann mit der eigens aktivierten U 11 die Stadtmitte anzusteuern. Diese Linie verkehrt sonst nur bei Bedarf, bei großen Veranstaltungen im Sportpark.

Wegen des schwachen Widerhalls hat die städtische Veranstaltungsgesellschaft "in.Stuttgart" bisher keine Parkgebühren erhoben. Der Wasen ist die letzte Möglichkeiten, stadtnah das Auto zu parken. Trotz des Misserfolgs fährt die U 11 laut SSB weiter - bis zum Ende des Feinstaub-Alarms.

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Kommentare

20.01.2016 21:40 Uhr

Kretschmann'sche Feinstaub-Vermeidungs - Strategie

Noch besser ist die Kretschmann'sche Feinstaub-Vermeidungs - Strategie.

Wie die geht?
Mit dem Personenschutz-Konvoi dem Feinstaub in Stuttgart einfach davonfahren.

Der erste Grüne MP ist ja bekanntlich von einer Unlust geplagt im Multi-Kulturellen Stuttgart wohnen zu wollen - und pendelt deshalb mit seinem Personenschutz-Konvoi zwischen Stuttgart und seinem Wohnort Laiz (bei Sigmaringen), einfache Distanz rund 100 Kilometer.
Das gute dabei ist, das der meiste Feinstaub bei diesen knapp jeweils 100 Kilometer-Fahrten ausserhalb Stuttgarts in die Luft geschleudert wird.

Quellennachweis Wohnort MP Kretschmann:
https://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Kretschmann#Familie_und_Privates

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20.01.2016 20:31 Uhr

Live-Stream Kretschmann vs. Wolf

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt..08095058-6b46-4681-b056-1a279d23e084.html

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20.01.2016 19:47 Uhr

Mit Gottes Segen auf all seinen Wegen

Wie glücklich darf sich der SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel schätzen. Er findet Feinstaubalarm eine feine Sache. "Ich kam problemlos durch." Immerhin seien Stuttgarts Straßen am Montagmorgen schön leer gewesen, als er mit seinem Mercedes S-Klasse-Diesel mit Allradantrieb zur Arbeit unterwegs war.

Wieder so ein Politiker mit absoluter "Vorbildfunktion". Zuerst heuchlerisch mit dem Segen des Allmächtigen den Umstieg auf die Schiene propagieren und den Steuerzahler mit dem nutzlosen Irrsinnsprojekt Stuttgart 21 um Milliarden prellen und dann der Umwelt zuliebe an so einem Tag nicht einmal die S-Bahn von seinem nahen Wohnort Ludwigsburg aus nutzen, der mit den Linien S4 und S5 im 15-Minuten-Takt optimal mit der Landeshauptstadt verknüpft ist.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.feinstaubalarm-in-stuttgart-spd-chef-schmiedel-faehrt-trotzdem-mit-dem-auto.a1bebb41-b327-423f-877a-034b63a9ad9e.html

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