Erdreich kommt zur Ruhe, Risse in Gebäuden bleiben

Das nach Geothermiebohrungen aufgedunsene Erdreich in Böblingen kommt allmählich zur Ruhe. Offen ist, wer für die Schäden aufkommt.

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Risse ziehen sich durch das Haus von Dieter Eger.  Foto: 

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard schien erleichtert zu sein. Nach Erdwärmebohrungen in den Jahren 2006 bis 2009 in zwei Böblinger Wohngebieten war die Erde dort wie ein Hefekuchen aufgegangen. Als Ursache wurden Undichtigkeiten vermutet. Seit Oktober 2014 wird deshalb saniert. Seitdem scheint sich die Lage zu entspannen, wie jetzt Satellitenaufnahmen ergaben. Zwar ist das Erdreich noch nicht ganz zur Ruhe gekommen, doch die Auswertung durch das zum Airbus-Konzern gehörende Unternehmen "Defence and Space" aus Potsdam ergab eine deutliche Reduzierung der Hebungen.

Hinter all dem steckte ursprünglich eine gute Idee. Im nördlichen Gebiet von Böblingen zwischen Stuttgarter Straße und Bunsenstraße sowie im Süden der Stadt zwischen Schwabstraße, Altem Friedhof und Herdweg wollten Grundstückseigentümer ihre Häuser günstig und umweltfreundlich mit Erdwärme beheizen. Doch bald schon traten erste Schäden auf, inzwischen sind es rund 200 Gebäude, die mit Rissen durchzogen sind.

Die Sanierung der beiden Bohrlöcher im nördlichen Bereich ist seit Januar abgeschlossen, zeitgleich gingen auch die Hebungen von fünf auf zwei Millimeter pro Monat zurück. Und auch im südlichen Areal haben sich, seitdem elf von 15 Bohrlöchern mit Beton verfüllt wurden, die Erdhebungen von monatlich drei auf zwei Millimeter reduziert. Endgültige Entwarnung will Bernhard dennoch nicht geben. "Doch die Auswirkung der Sanierungsmaßnahmen auf die Hebungen ist damit ganz deutlich ablesbar."

Den Nachweis lieferte der Satellit "TerraSAR-X", der seit Februar 2014 den Großraum Böblingen aus 500 Kilometer Höhe beobachtet. Bis September dieses Jahres entstanden so 47 Aufnahmen mit jeweils 100.000 Messpixel pro Quadratkilometer. Die hohe Auflösung erlaubt es, kleinste topografische Veränderungen festzustellen. Die Auswertung ergab, dass sich seit Beginn der Messungen die Erde im nördlichen Bereich nur noch um rund acht Zentimeter, im Süden um etwa fünf Zentimeter gehoben hat. Zum Vergleich: Seit Beginn der Sanierungsmaßnahmen wurden im Norden Erdhebungen von 45 Zentimetern, im Süden von 30 Zentimetern gemessen.

26.000 Tonnen Beton wurden seitdem verpresst. Die Sanierungskosten belaufen sich auf rund fünf Millionen Euro, für die der Landkreis zunächst in Vorleistung gegangen ist. Der dickste Brocken aber werden die Schäden an den Häusern sein. Sie werden sich voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Unklar ist, wer die Schäden letztendlich zu bezahlen hat. Die Firma Gungl aus Renningen, die für die Bohrungen verantwortlich ist, hat im September Konkurs angemeldet. Kompliziert wird die Situation dadurch, dass das Unternehmen während der Bauphase dreimal die Versicherung gewechselt hat mit dem Resultat, dass sich Allianz, Württembergische und AIG nun gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben.

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