Ein neues Zentrum für Blasmusiker in Plochingen

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386 000 Mitglieder, darunter 106 000 aktive Musiker, mehr als 1400 Vereine mit 3400 Orchestern in 22 Kreisverbänden – der  Blasmusikverband Baden-Württemberg (BVBW) kann mit Fug und Recht behaupten, dass er die Massen bewegt. Nicht umsonst spricht Rudolf Köberle, der BVBW-Präsident, vom musikstärksten Bundesland. Die Musiker blicken gespannt in Richtung Plochingen (Kreis Esslingen). Dort wird ihr neues Zentrum entstehen – die Musikakademie. Proben, Aus- und Weiterbildungen werden dort ab Ende 2020 stattfinden, wenn der Zeitplan eingehalten wird. Ein symbolischer Spatenstich ist zum 40. Geburtstag des BVBW am 19. November geplant, Bagger sollen aber erst im Sommer 2018 anrollen. Die Akademie wird dringend gebraucht, weil die alte in Kürnbach (Kreis Karlsruhe) verkauft wurde, deren Sanierung wäre zu teuer gewesen. „Was die Bildungsangebote angeht, sind wir momentan in einer schwierigen Phase und können nur sehr begrenzt etwas anbieten“, sagt der BVBW-Generalsekretär Hubert Kempter.

 Die größte Hürde war die Finanzierung des Bauvorhabens – vorausgegangen war ein zähes Ringen zwischen den Grünen und der CDU im Landtag. Für das 16-Millionen-Euro-Projekt steuert das Land 10,8 Millionen Euro bei, rund eine Million wird von den Vereinen finanziert. „Jeder Verein zahlt 750 Euro, das ist für uns ein Zeichen, dass das Projekt von der Basis mitgetragen wird“, sagt Kempter. Etwa 4,7 Millionen Euro an Eigenkapital hat der Verband unter anderem durch den Verkauf der bisherigen Akademie in Kürnbach sowie der bestehenden Geschäftsstelle in Bad Cannstatt erwirtschaftet. Der Rest soll über einen Kredit, Sponsoring und Spenden zusammenkommen.

Der Siegerentwurf des Stuttgarter Architekturbüros Lederer, Ragnarsdóttir, Oei sieht ein zweigeteiltes Musikzentrum vor: Im fünfstöckigen Beherbergungstrakt sollen rund 100 Betten,  Speisesaal und Küche unterkommen, im Akademieteil Büros, Räume und Säle. Die Immobilie im Backstein-Look werden aber nicht nur Bläser nutzen. Neben der BVBW-Geschäftsstelle sollen unter anderem der Schwäbische Chorverband mit seinem Verwaltungssitz und die Administration des Landesmusikverbandes einziehen, erklärt Kempter. „Ein Ort der Musik“, sagt er. Plochingen sei ideal, da zentral im Verbandsgebiet gelegen.

 Aber nicht alles läuft rund: 500 Mauereidechsen aus dem Stuttgart-21-Gebiet sollen in die Nähe des Akademie-Areals umgesiedelt werden. Die Kommune hat dagegen beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim Klage eingereicht, erklärt Kempter. Stadt, Gemeinderat und BVBW bewerteten die Chancen, dass die Tierchen den Musikern die Suppe versalzen, aber als gering. Ein Urteil sei dieses Jahr nicht mehr zu erwarten.  

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