Theater: Ein Känguru und Kommunist

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Yavuz Köroglu spielt das Känguru.  Foto: 

Ein Känguru klingelt an der Tür eines Kleinkünstlers und nistet sich in dessen Wohnung ein. Dieser hatte gerade, bekleidet mit Pyjama und Badelatschen, auf einem gelben Sofa gesessen und begonnen, mit seiner Gitarre einen Song über mögliche Hobbys wie „Autos tunen oder anzünden“ zu intonieren. Im von Rosenau und Theaterhaus produzierten Bühnenstück „Känguru-Chroniken“ ist die Konstellation also denkbar komisch, kein  Wunder, dass die neue Produktion am Stuttgarter Pragsattel vom Publikum zum Start begeistert aufgenommen wurde.

Autor Kling ist in Stuttgart kein Unbekannter. Der 1982 hier geborene Autor, Liedermacher und Kleinkünstler gastierte schon 2009 mit seinen „Känguru-Chroniken“ in der Rosenau. Buch und Hörbuch sind längst Bestseller. Die Bühnenversion ist eine lose Abfolge von Szenen. Darin mischen sich Komik, Satire, Wortspielereien, politische Anspielungen, Songs und Witze.

Der in mehreren Rollen auftretende Stephan Moos gibt dem Ganzen als Ansager Kontinuität. Das Känguru, gespielt von Yavuz Köroglu, outet sich als Kommunist und übt munter-anarchistische Systemkritik an Banken und Politik. Weil nach dessen Meinung die Forderung nach Recht auf Arbeit nichts am System ändere, setzt es sich für so wenig Arbeit wie möglich ein. Dafür gründet es mit seinem neuen Gefährten, dem von Roman Roth gespielten Kleinkünstler, ein „asoziales Netzwerk“ gegen den „Terror der Leitkultur“.

In den Szenen entfaltet sich ein kritisches Feuerwerk. Dabei bekommt die AfD-Politikerin Frauke Petry ihr Fett ab. Aber auch Winfried Kretschmann wird nicht geschont. Wenn das Känguru den Nazi mit dem Boxhandschuh niederstreckt, wird das Politische schnell zum Klamauk. Gute Unterhaltung und Denkanstöße bietet das Stück mit seinen kritisch-bissigen Einlagen dennoch reichlich. Für Erheiterung sorgen auch die falsch zugeordneten Zitate wie „die Renten sind sicher“ (Gebrüder Grimm).

Info www.theaterhaus.de

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