Stuttgarter Tatort: Ein Mordfall und reale Terroristen

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Tatort-Ermittler Richy Müller (li.) und Felix Klare.  Foto: 

Mit Sonnenbrille und im Freizeitlook kommt der Schauspieler Felix Klare ums Eck, begrüßt alle mit Handschlag, stellt sich als Felix vor. Sein Kompagnon, Richy Müller, ist nicht minder lässig drauf an diesem sonnigen Vormittag, reißt Witze, wirkt tiefenentspannt. Dabei ist der Stoff, mit dem sich die beiden, die die Ermittler in den Stuttgart-Ausgaben der Tatort-Krimis mimen, diesmal ein besonders schwer verdaulicher. Seit gut zwei Wochen wird „Der rote Schatten“ gedreht. Vordergründig geht’s um den mysteriösen Badewannen-Tod Marianne Heiders, doch bald wird dem Polizei-Duo klar, dass dieser Fall seine Wurzeln im Deutschland der 70er Jahre hat. Der Lebensgefährte des Opfers war ehemals als V-Mann für den Verfassungsschutz gegen die RAF eingesetzt worden.

 Das Thema kommt nicht von ungefähr. In diesem Herbst jährt sich die „Todesnacht von Stammheim“ zum 40. Mal. Anlass genug für den Regisseur Dominik Graf, einen Stuttgarter, die Geschehnisse, die sich 1977 quasi vor seiner Haustür abspielten, zu beleuchten. Der Film hat zwei Ebenen: die Jetztzeit und den Oktober vor vier Jahrzehnten. Gearbeitet wird für die RAF-Szenen mit dokumentarischem und selbst inszeniertem Material. Dominik Graf ist die Aufarbeitung der Vergangenheit ein Anliegen. „In Deutschland wurde sehr viel unter den Teppich gekehrt“, sagt er. Dabei habe „Der rote Schatten“ nicht den Anspruch, Lösungen anzubieten – er stelle aber zumindest einige Thesen in den Raum, wie die SWR-Redakteurin Brigitte Dithard sagt.

 Gedreht wurde nicht in der JVA Stammheim, weil der Zellentrakt nicht für einen Tag geräumt werden konnte, wie der Produzent Jochen Laube erklärt, sondern in einer originalgetreu nachgebauten Zelle in Ludwigsburg. Bis auf die Revierszenen, die stets in Baden-Baden entstehen, wurde und wird alles in Stuttgart aufgezeichnet. „Wir versuchen in den letzten Jahren, das zu verstärken“, betont Brigitte Dithard. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik gegeben, weil Ortskundige in den Filmen Bilder aus anderen Städten ausgemacht hatten. Noch etwa eine Woche lang wird also in der Landeshauptstadt gedreht, etwa in der Gaußstraße nahe der noblen Kräherwald-Gegend. Hübsche Häuser in Halbhöhenlage, da wohnen im Tatort doch sowieso immer die Bösen? Der Produzent Jochen Laube lacht. „Das ist eine der Thesen, die dieser Tatort widerlegen wird.“ 

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